Rundrücken: Was ist das und was hilft gegen Buckel, Witwenbuckel, Kyphose?

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Rücken.net-Redaktion

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Ein Rundrücken, im Volksmund auch als (Witwen-)Buckel bezeichnet, betrifft durchaus nicht nur ältere Menschen. Die nach hinten verkrümmte Brustwirbelsäule verursacht für die Betroffenen starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Ein Rundrücken ist jedoch behandelbar. Je nachdem, welche Ursachen zugrunde liegen, lässt sich das Problem beheben.

Der Aufbau der Wirbelsäule kurz erklärt

Unsere Wirbelsäule besteht aus 24 freien Wirbelkörpern und ist wie ein doppeltes S geformt. Die Wirbel lassen sich weiterhin in folgende Abschnitte unterteilen:

  • Halswirbelsäule (7 Wirbel) > natürliche Wölbung nach vorne
  • Brustwirbelsäule (12 Wirbel) > natürliche Wölbung nach hinten
  • Lendenwirbelsäule (5 Wirbel) > natürliche Wölbung nach vorne
  • Kreuzbein
  • Steißbein

Durch die natürliche Wölbung der HWS und LWS nach vorne sowie der BWS nach hinten kommt die S-Form zustande. Die Vorwölbung wird in der Fachsprache als Lordose bezeichnet, die Rückwölbung der Brustwirbelsäule als Kyphose. Bei einem Rundrücken ist die natürlich vorhandene Kyphose übermäßig stark ausgeprägt. Daher spricht man in der Medizin von einer Hyperkyphose.

Wann liegt eine Hyperkyphose vor?

Wie du nun weißt, ist die Rückwölbung der Brustwirbelsäule vollkommen normal. Eine Abweichung vom Normbereich liegt dann vor, wenn ein Krümmungswinkel von 40 Grad überschritten wird. Eine Hyperkyphose ist optisch sehr auffällig und daher auch von Laien erkennbar. Weiterhin lässt sich zwischen der bogenförmigen und spitzwinkligen Hyperkyphose unterscheiden.

Ob der Krümmungswinkel im Normbereich liegt, wird nach der sogenannten Cobb-Formel errechnet. Im ersten Schritt wird dein Orthopäde deine Wirbelsäule röntgen. Anschließend wird der obere und untere Neutralwirbel bestimmt. Die Neutralwirbel sind direkt unter der (möglicherweise) krankhaften Veränderung positioniert. Sind sind also nicht von der Hyperkyphose betroffen.

Zwischen der Deckplatte des unteren Neutralwirbels und der Grundplatte des oberen Neutralwirbels werden Linien gezogen. Anhand der Überschneidungspunkte ergibt sich der Cobb-Winkel.

Welche Ursachen kann die Hyperkyphose haben?

Besonders häufig lässt sich der Rundrücken bei Frauen in höherem Lebensalter beobachten, woher auch der Begriff “Witwenbuckel” stammt. Bei älteren Menschen wird die Hyperkyphose oftmals durch Osteoporose ausgelöst. Hierbei nimmt die Knochendichte kontinuierlich ab, was zu vermehrten Knochenbrüchen selbst bei geringer Krafteinwirkung führt.

Die Wirbelkörper sind besonders häufig betroffen. Sie brechen allein unter der Last des Körpergewichts und sacken sprichwörtlich in sich zusammen. Durch die Wirbelbrüche verkürzt und verformt sich die Wirbelsäule, was eine deutlich sichtbare Krümmung nach sich zieht. Der Betroffene büßt erheblich an Körpergröße ein. Wirbelbrüche treten jedoch nicht nur im Rahmen einer Osteoporose auf. Auch Verletzungen oder Unfälle können ursächlich sein.

Eine weitere Ursache für die Entstehung eines Rundrückens ist die Erkrankung Morbus Bechterew. Hierbei handelt es sich um eine Sonderform des entzündlichen Rheumas, das vor allem die Wirbelsäule betrifft. Bei fortschreitendem Krankheitsverlauf kann die Brustwirbelsäule sich zum Rundrücken verformen.

Neben osteoporotischen oder unfallbedingten Wirbelbrüchen kann die Hyperkyphose auch aus Fehlhaltungen und Bewegungsmangel resultieren. Viele Menschen verbringen ihr gesamtes Berufsleben in einer Fehlhaltung, etwa durch stundenlanges Sitzen oder durch Arbeiten in gebückter Position (Gärtner etc.).

Welche Beschwerden treten auf?

Eine Hyperkyphose kann verschiedene Beschwerden hervorrufen:

  • Bewegungseinschränkungen
  • Rückenschmerzen
  • Atemprobleme
  • Verdauungsstörungen

Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, hängt vor allem vom Schweregrad der Hyperkyphose ab. Rückenschmerzen, die bis in die Gliedmaßen ausstrahlen, treten häufig schon bei leichten Formen auf.

Ist der Rundrücken stark ausgeprägt, sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen. Die Beweglichkeit ist massiv eingeschränkt. Hinzu kommen Luftnot und Kurzatmigkeit, da sich die Lunge durch das verringerte Brustvolumen nicht mehr voll entfalten kann.

Verschiebt sich durch die Wirbelsäulenkrümmung die Lage der Bauchorgane, sind Herz-Kreislauf-Beschwerden und Verdauungsstörungen die Folge.

Wie lässt sich ein Rundrücken behandeln?

Die Hyperkyphose wird zunächst konservativ (ohne OP) therapiert. Im ersten Schritt kommen krankengymnastische Übungen zum Einsatz, um die Rücken- und Brustmuskulatur zu kräftigen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Therapie sind spezielle Atemübungen, um Luftnot vorzubeugen. Darüber hinaus können medizinische Hilfsmittel wie z. B. Orthesen die Behandlung unterstützen.

Auch die psychotherapeutische Begleitung ist bei einer starken Hyperkyphose nicht zu vernachlässigen. Der Betroffene erhält neben Bewegungstipps auch Bewältigungsstrategien, damit die Erkrankung nicht das gesamte Leben vereinnahmt.

Orthesen bei Rundrücken

Es gibt verschiedene Orthesen, die sich ebenfalls nach dem Schweregrad des Rundrückens richten. Bei einem leichten Rundrücken reicht eine einfache Orthese, die den Rücken leicht stützt, ohne dabei die Bewegungsfreiheit einzuschränken. In das Rückenteil ist zumeist eine Schiene eingearbeitet.

Derartige Modelle eignen sich auch, um der Entstehung eines Rundrückens vorzubeugen. Du kannst die Orthese z. B. während des Arbeitstags im Büro unter deiner Kleidung tragen. So kommt es gar nicht erst zu Fehlhaltungen, die wir meist unbewusst einnehmen.

Bei mittlerer Ausprägung der Hyperkyphose solltest du eine Orthese wählen, die dich sowohl aktiv als auch passiv aufzurichten vermag. Neben einer Stützschiene sollte das Modell über ein Zuggurtsystem und eine Beckenbandage verfügen. Nimmst du eine Fehlhaltung ein, spürst du Widerstand, wodurch du dich sofort wieder aufrichtest.

Bei schwerer Hyperkyphose und / oder nach osteoporotischen Wirbelbrüchen solltest du eine verstärkte Orthese wählen, die sämtlichen Rotationsbewegungen entgegenwirkt. Solche Orthesen sehen meist wie eine Weste aus.

Übungen gegen Rundrücken

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Korrektur eines Rundrückens können spezielle Übungen helfen. Folgende Übungen kannst du ganz einfach von zu Hause aus durchführen:

1. Dehnen der Brustmuskulatur

Stelle dich aufrecht vor eine Wand. Lehne nun den rechten Unterarm dagegen. Dein Ellenbogengelenk befindet sich ungefähr auf Schulterhöhe. Nun drehst du deinen Oberkörper und den Kopf in die entgegengesetzte Richtung. Du solltest jetzt ein deutliches Ziehen in deiner Brustmuskulatur spüren. Halte die Dehnung etwa 15 – 20 Sekunden aus. Dann wiederhole den Vorgang auf der linken Seite.

2. Rudern

Stelle dich hin und beuge deinen Oberkörper leicht nach vorne. Winkle deine Arme an. Ziehe deine Schulterblätter nach unten und gleichzeitig nach hinten. Versuche, die Schulterblätter so weit zusammenzuführen, als ob du etwas zwischen ihnen einklemmen wolltest. Achte während der gesamten Übungsausführung darauf, die Schultern nicht versehentlich zu den Ohren zu ziehen. Mache drei Durchgänge a 10 Wiederholungen.

Du kannst die Ruderübung problemlos ohne Zusatzgewicht ausführen. Wenn dir das nicht ausreichen sollte, kannst du Hanteln nehmen oder die Rudermaschine im Fitnessstudio nutzen. Lass dir zuvor die korrekte Ausführung von einem Trainer zeigen.

3. Hängen

Diese Übung ist so simpel wie effektiv. Hänge dich einfach mit ausgestreckten Beinen an eine Hantelstange. Hierzu musst du nicht einmal ins Fitnessstudio gehen: Man kann Hantelstangen für den Heimgebrauch bestellen und zwischen einem Türrahmen anbringen. Alternativ funktioniert die Hängübung auch mit einem stabilen Ast oder dem Klettergerüst auf dem Spielplatz.

Hänge dich einfach mindestens 30 Sekunden an die Stange. Deine Füße dürfen keinerlei Bodenkontakt haben. Wenn du deine Hände schonen möchtest, solltest du dir spezielle Sporthandschuhe bestellen. Steigere die Hängezeit täglich, bis du eine Minute durchhältst.

Beim Hängen wird deine Wirbelsäule optimal gestreckt, was gut gegen einen Rundrücken wirkt. Deine Brust- und Rückenmuskeln erfahren eine intensive Dehnung.

4. Rückbeugen in Bauchlage

Lege dich bäuchlings auf deine Trainingsmatte. Strecke deine Beine aus und spanne sie an. Positioniere deine Arme eng neben deinem Körper. Deine Ellenbogen zeigen nach hinten. Richte deinen Blick nach unten. Ziehe deine Schultern und nach oben und lasse sie wieder sinken. Mache 3 Durchgänge a 10 – 15 Wiederholungen.

Praktische Videoanleitungen zu Mitmachen findest du hier:

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Wichtig: Bei Vorerkrankungen (Osteoporose, Morbus Bechterew) oder einem sehr starken Rundrücken solltest du zuerst mit deinem Arzt sprechen, bevor du in Eigenregie daheim Rückenübungen ausführst.

Letzter Ausweg OP

Konservative Behandlungsmethoden weisen bei einer starken Krümmung eine Erfolgsrate von lediglich 25 % auf. Die Entscheidung, die Hyperkyphose zu operieren, sollte dennoch sorgsam getroffen werden, da die Risiken nicht zu unterschätzen sind. Üblicherweise wird erst ab einem Krümmungswinkel von 70 Grad nach Cobb operiert. Eine Operation kann zweierlei Ziele verfolgen:

  • den aktuellen Stand erhalten
  • die Wirbelsäule aufrichten

Der Erfolg der Operation ist maßgeblich von der Nachsorge abhängig. Oftmals sind Patienten unmittelbar nach der OP schmerzfrei, klagen aber innerhalb weniger Monate erneut über Beschwerden. Dies geschieht vor allem dann, wenn der Betroffene seine alten, rückenschädigenden Bewegungsmuster beibehält.

Die verschiedenen OP – Methoden

Früher wurden die Wirbelkörper im Rahmen der OP versteift (Spondylodese), damit sie sich nicht erneut krümmen können. Diese Methode wird heutzutage nur noch in Ausnahmefällen angewandt. Stattdessen werden Stäbe an den Wirbelkörpern angebracht, um diese zu begradigen. Alternativ kann die Wirbelsäule an der Rückseite operativ verkürzt oder an der Vorderseite operativ verlängert werden. Beide Maßnahmen führen ebenfalls zu einer Aufrichtung.

Liegen Wirbelkörperbrüche vor, ist die Kyphoplastie die Methode der Wahl. Hierbei befindet sich der Patient in Bauchlage, während der Chirurg dorsal (über einen hinteren Zugang) operiert. Nachdem der gebrochene Wirbel operativ aufgerichtet wurde, spritzt der Chirurg Knochenzement in ihn hinein. Hierdurch wird der Wirbel stabilisiert. Bei Wirbelkörperbrüchen kommt manchmal noch die zuvor erwähnte Spondylodese zum Einsatz.

Wie kannst du der Entstehung eines Rundrückens vorbeugen?

Nicht selten sind ein bewegungsarmer Lebensstil und Fehlhaltungen für die Entstehung einer Hyperkyphose verantwortlich. Die gute Nachricht: Dagegen kannst du noch heute etwas unternehmen. Wenn du einen sitzenden Beruf ausübst, solltest du in erster Linie auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten. Das bedeutet, dass dieser auf deine Körpergröße abgestimmt sein sollte.

Übe außerdem, dynamisch zu sitzen. Wechsle deine Sitzposition mindestens alle 30 Minuten, statt den gesamten Arbeitstag über in einer statischen Position zu verharren. Stehe zwischendurch öfter mal auf, sofern dies möglich ist. Nutze deine Mittagspause für einen ausgiebigen Spaziergang. Achte darauf, dich in deiner Freizeit regelmäßig zu bewegen. Wie wäre es z. B. mit einem Yoga- oder Pilateskurs? Beides fördert die Rückengesundheit.

Wenn du weiblich bist und auf die Wechseljahre zugehst, solltest du alle zwei Jahre deine Knochendichte messen lassen. Je früher eine (beginnende) Osteoporose erkannt wird, umso besser lässt sie sich behandeln. Wird lediglich eine Vorstufe festgestellt (Osteopenie), kann bei zielgerichteter Therapie sogar verhindert werden, dass sich daraus eine Osteoporose entwickelt.

Um Osteoporose vorzubeugen, solltest du bereits in jungen Jahren auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D achten. Vitamin D – Mangel ist hierzulande weit verbreitet. Lasse deinen Vitamin D – Spiegel durch eine Blutentnahme bestimmen. Starke Mangelerscheinungen können medikamentös ausgeglichen werden.

Die richtige Schlafposition bei Rundrücken

Schläfst du auch am liebsten in Embryonalstellung? Dann befindest du dich in guter Gesellschaft: Fast jeder zweite Deutsche bevorzugt die Seitenschläferposition. Hierbei liegst du (logischerweise) auf der Seite und ziehst ein oder beide Beine angewinkelt zum Körper. Im Hinblick auf die Rückengesundheit, vor allem bezüglich der Entstehung der Hyperkyphose, ist die Seitenschläferposition jedoch nicht ganz unproblematisch.

Bei genauerer Betrachtung wirst du feststellen, dass die Embryonalstellung sich nicht wesentlich von unserer Sitzposition im Alltag unterscheidet. Die Nachtruhe in Embryonalstellung ist sozusagen eine zeitliche Verlängerung des täglichen Sitzens. Auf lange Sicht können sich hierdurch die Muskeln und Faszien verkürzen, was die Entstehung eines Rundrückens begünstigt.

Versuche, dir eine alternative Schlafposition anzutrainieren. Zugegeben, die Umstellung fällt am Anfang nicht leicht. Deine Rückengesundheit wird es dir allerdings danken:

  • Begebe dich zum Schlafen mit ausgestreckten Beinen in Rückenlage.
  • Nutze eine harte Matratze und ein flaches Kopfkissen.
  • Korrigiere deine Position, wenn du nachts aufwachst und wieder auf der Seite liegst.

Sicherlich wirst du dich im Schlaf dennoch bewegen und dich vielleicht öfter auf der Seite wiederfinden, als dir lieb ist. Dies ist jedoch kein Drama. Nächtliche Bewegungen sind völlig normal und sogar wichtig für den Stoffwechsel. Versuche dennoch, dich wieder in Rückenlage zu drehen, wenn du in veränderter Position aufwachst.

Fazit

Ein Rundrücken kann auf harmlose Ursachen zurückzuführen sein, die sich mit einer Änderung des Lebensstils korrigieren lassen. Allerdings ist die Hyperkyphose manchmal auch Anzeichen oder Begleiterscheinung einer ernsten Grunderkrankung. Wenn du unter einem Rundrücken leidest, was äußerlich leicht feststellbar ist, solltest du einen Orthopäden zur Abklärung aufsuchen. Die Behandlung richtet sich nach Art der Ursache.

Ist der Rundrücken erst einmal da, kostet es Zeit und Mühe, ihn wieder zu begradigen. Du kannst jedoch einiges dafür tun, damit er gar nicht erst entsteht: Sorge für genügend Bewegung in deinem Alltag, achte auf einen ergonomischen Arbeitsplatz und korrigiere deine Schlafposition.

Verwendete Quellen:

DAK Gesundheitsreport 2018: https://www.dak.de/dak/bundesthemen/gesundheitsreport-2018-2108874.html#/

Koller, H.; Hartmann, S.: Die fixierte zervikale hochgradige Kyphose. Chin-to-chest-Deformität. In: Der Orthopäde 47 (2018), S. 505-517.

Neumaier, J.: Gymnastik — Korsett — Operation. Wie streckt man krumme Rücken? In: MMW — Fortschritte der Medizin 41 (2006), S. 17.