Krankheiten & Symptome

Iliosakralgelenk & ISG-Syndrom

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Rücken.net-Redaktion

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Was ist das Iliosakralgelenk (ISG)?

Das Iliosakralgelenk (ISG) bildet einen Teil der Wirbelsäule. Es befindet sich im unteren Bereich des Rückgrats. Bei Gelenken kommen Dir vermutlich als Erstes offensichtliche Gelenke wie das Kniegelenk oder der Ellbogen in den Sinn. Obwohl das Iliosakralgelenk im Vergleich dazu eher unscheinbar wirkt, spielt es eine wichtige Rolle für die Beweglichkeit Deines Körpers.

Das Iliosakralgelenk verbindet das Kreuzbein mit den anderen Knochen des Beckens. Daher leitet sich auch der Name des ISG ab. Der Wortbestandteil „Sakral“ bezieht sich dabei auf „Os sacrum“, die lateinische Bezeichnung für das Kreuzbein. Bei dem Os ilium wiederum handelt es sich um das Darmbein. Dieser flache Knochen wird aufgrund seiner Form auch als Beckenschaufel bezeichnet.

Kann das ISG Schmerzen hervorrufen?

Das ISG-Syndrom macht sich durch Schmerzen bemerkbar. Die Schmerzen, die auf das ISG-Syndrom zurückgehen, treten häufig dann auf, wenn Du für eine längere Zeitspanne gesessen hast – also beispielsweise nach einem Arbeitstag im Büro oder nach einem langen Fernsehabend. Langes Stehen kann ebenfalls die Schmerzen im Iliosakralgelenk auslösen.

Manchmal ziehen sich die Schmerzen bis in die Beine. Deshalb ist es für Betroffene nicht immer möglich, die Symptome zum Beispiel von einem Bandscheibenvorfall zu unterscheiden. Bei einem Bandscheibenvorfall strahlen die Schmerzen in die Beine oder Arme aus, weil die Bandscheibe gegen eine Nervenwurzel drück. Aus diesem Grund sprechen Mediziner dabei auch vom Wurzelkompressionssyndrom oder radikulären Syndrom.

Bei einem Iliosakralgelenk-Syndrom handelt es sich nicht um ein solches Wurzelkompressionssyndrom, weil keine Nervenwurzel gequetscht wird. Weil die Beschwerden diesem Krankheitsbild dennoch ähneln, sprechen manche Ärzte bei ausstrahlenden Schmerzen beim ISG-Syndrom mitunter von pseudoradikulären Schmerzen. Radikuläre Symptome sind übrigens eine Kontraindikation zur Anwendung von manueller Therapie.

Welche Ursachen können die ISG-Beschwerden haben?

Es gibt drei häufige Ursachen für das ISG-Syndrom:

  1. Gelenkentzündung
  2. Gelenkverschleiß
  3. Fehlstellung oder Funktionsstörung des Gelenks

Eine Entzündung des Iliosakralgelenks kann durch Bakterien ausgelöst werden. Bei solchen Infektionen leitet der Körper eine Entzündungsreaktion als Abwehr ein. Allerdings kann die Entzündung negative Auswirkungen haben. Zum Glück sind Ärzte oft in der Lage, die Entzündung zu behandeln, um die Schmerzursache zu beseitigen.

Ein Gelenkverschleiß kann nicht nur bei älteren Menschen auftreten. Wenn Dein Kreuz-Darmbein-Gelenk hohen Belastungen ausgesetzt ist, beschleunigt sich der Verschleiß möglicherweise. Für die Entwicklung von gesunden Knochen ist eine gute Nährstoffversorgung hilfreich. Am Anfang eines Gelenkverschleißes kann eine Entzündung stehen. Somit schließen sich die möglichen ISG-Syndrom-Ursachen, die wir hier nennen, nicht prinzipiell gegenseitig aus, sondern können auch miteinander verbunden sein.

Manchmal erweist sich die Ursache für Schmerzen, die durch das Iliosakralgelenk verursacht werden, alles andere als offensichtlich. Eine Entzündung des Kreuz-Darmbein-Gelenks kann beispielsweise auf eine Magen-Darm-Erkrankung zurückgehen. Möglich ist, dass die Bakterien in diesem Fall auch Auswirkungen auf andere Körperbereiche haben. Bei der Behandlung einer solchen ISG-Entzündung greifen Ärzte mitunter nicht nur auf Schmerzmittel, sondern auch auf Entzündungshemmer zurück.

Welche Bedeutung hat das Iliosakralgelenk?

Das Iliosakralgelenk bildet einen wichtigen Bestandteil Deines Rückens, obwohl die meisten Menschen vermutlich nicht einmal von seiner Existenz wissen. Gelenke tragen grundsätzlich zur Beweglichkeit Deines Körpers bei – allerdings in unterschiedlichem Maß. Das ISG gehört zu den Gelenken mit einer verhältnismäßig geringen Beweglichkeit. Dadurch ist es relativ stabil.

Beim Gehen ist Dein Körper zahlreichen kleinen Stößen ausgesetzt. Um die Belastung, die von diesen Erschütterungen ausgeht, für Deine Wirbelsäule zu verringern, wirken verschiedene Mechanismen zusammen. Zum Beispiel puffern die Bandscheiben, die sich zwischen den Wirbelkörpern des Rückgrats befinden, die einzelnen Stöße ab. Sie fungieren dabei als eine Art Stoßdämpfer. Auch das Iliosakralgelenk hilft Deinem Körper dabei, die Erschütterungen beim Gehen abzufedern.

Darüber hinaus ist Dein Iliosakralgelenk involviert, wenn Du zum Beispiel einen Umzugskarton anhebst. Die Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken trägt dazu bei, das Gewicht auf die „Stützen“ Deines Körpers umzuleiten – also auf die Beine und die Hüften.

Wie kann das ISG-Syndrom behandelt werden?

In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie ausreichend und bewirkt die gewünschte Besserung. Diese Gemeinsamkeit teilt sich das ISG-Syndrom mit dem Bandscheibenvorfall und dessen Behandlung. Eine konservative Behandlung bedeutet, dass in der Therapie keine Operation zum Einsatz kommt.

Übungen

Nachdem das Iliosakralgelenk-Syndrom abgeklungen ist, kannst Du selbst einen Teil dazu beitragen, dass eine Rückkehr des ISG-Syndroms unwahrscheinlicher wird. Übungen, die Du regelmäßig durchführst, tragen zu dieser Prävention bei.

Physiotherapeutische Übungen sind kein Leistungssport. Du kannst sie in der Regel allein zu Hause anwenden und sie zu einem festen Teil Deines Tagesablaufs machen. Ein Arzt oder Physiotherapeut kann Dir Auskunft darüber geben, welche Übungen für Dich individuell geeignet sind und ob es Bewegungsformen gibt, von denen Du persönlich lieber Abstand nehmen solltest.

Denervierung

Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, führen die Ärzte manchmal eine Denervierung des betroffenen Gelenks durch. Bei der „Entnervung“ werden die neuronalen Verbindungen ganz oder teilweise durchtrennt. Wenn die Nervenverbindungen unterbrochen sind, können die Signalbahnen keine Schmerzsignale mehr an das Nervensystem weiterleiten.

Mediziner ziehen diese Methode jedoch nur in Betracht, wenn die Schmerzen sehr lange anhalten und eine Behandlung mit Medikamenten und anderen Mitteln nicht erfolgreich verläuft. Darüber hinaus empfinden die Patienten, die sich für diese Behandlung entscheiden, ihre Schmerzen oft als außerordentlich quälend.

Bei der Denervierung können Ärzte verschiedene Methoden einsetzen. Eine davon ist die Entnervung mittels Kälte. Auch ein gezielter Einsatz von Strom kommt für den Eingriff infrage. Das Ziel ist dabei im Wesentlichen gleich: die Nerven unterbrechen, um die Schmerzweiterleitung zu unterbinden.

Weitere mögliche Behandlungsformen

Zu den weiteren Behandlungsansätzen gegen das ISG-Syndrom gehören:

  • eine Infiltrationstherapie
  • die operative Verschraubung des Gelenks

Was bedeutet eine Blockade des Iliosakralgelenks?

Am Iliosakralgelenk können nicht nur Entzündungen auftreten, die zu Schmerzen und anderen Beschwerden führen. Auch andere Symptome und Ursachen sind möglich – zum Teil werden diese ebenfalls als ISG-Syndrom bezeichnet. Zum Beispiel leiden manche Menschen unter einer Blockade des Iliosakralgelenks.

Die Blockierung des Iliosakralgelenks kann entstehen, wenn Du schwere Lasten falsch anhebst. Darüber hinaus können bestimmte orthopädische Fehlstellungen dazu führen, dass Du eine Blockade des Iliosakralgelenks entwickelst.

ISG-Blockade

Bei einer Gelenkblockade ist die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks eingeschränkt. Der Grund dafür liegt oft in ruckartigen Bewegungen. Diese beanspruchen die Bänder des Gelenks. Zusätzlich ist es möglich, dass sich Deine Muskeln verspannen, die sich im Umkreis des Iliosakralgelenks befinden.

Zu den charakteristischen Symptomen einer Gelenkblockade gehört es, dass Du Dich nicht mehr wie gewohnt bewegen kannst. Viele Betroffene haben den Eindruck, als wäre ein Brett an ihren unteren Rücken gebunden. Schmerzen gehen oft ebenfalls mit einer Blockade es Iliosakralgelenks einher. Die Rückenschmerzen können in das Gesäß ausstrahlen. Manchmal ziehen sich die Schmerzen auch bis in die Leistengegend.

Insgesamt ähneln die Symptome einer ISG-Blockade den Hexenschuss-Beschwerden. Auch bei einem Hexenschuss leiden die Betroffenen oft unter Schmerzen, die auf eine abrupte Bewegung hin plötzlich eintreten. Eine genaue Diagnose und Unterscheidung zwischen den verschiedenen orthopädischen Krankheitsbilder kann deshalb nur ein Arzt vornehmen.

Diagnose und Behandlung

Du kannst Dich zum Beispiel an Deinen Hausarzt wenden, der Deine Beschwerden einordnet und Dich bei Bedarf an einen Facharzt wie einen Orthopäden überweisen kann. Teilweise ist auch eine Überweisung zu einem Radiologen für eine bildgebende Diagnostik möglich.

Zu diesen Diagnoseverfahren gehören beispielsweise die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT). Nicht in jedem Fall ist es jedoch notwendig, im wörtlichen Sinne ein Bild von Deinem unteren Rücken zu erhalten.

Quellen

  1. Sieglinde Bogensberger, Dr. med. Norbert Boss, Dr. med. Renate Jäckle, Pola Nwarocki, Siegfried
    Parzhuber, Christa Striebeck & Dr. med. Günter Wangerin (2000): Lexikon Medizin. Urban &
    Schwarzenberg.
  2. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der
    Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie
    Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017 [abgerufen am
    11.04.2021]. DOI:10.6101/AZQ/000377. www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de.
  3. Dr. Annika Röcker (09.07.2020): Autoimmunerkrankungen. Wie Salmonellen Gelenkschmerzen verursachen. Wissenschaftsmagazin: Spektrum.de, URL: https://www.spektrum.de/news/wie-salmonellen-gelenkschmerzen-verursachen/1750538 [abgerufen am 11.04.2021].
  4. Uniklinikum Dresden / Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie: ISG-Syndrom. Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, URL: https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/nch/spezialgebiete-erkrankungen/wirbelsaeulenchirurgie/isg-syndrom [abgerufen am 11.04.2021].
  5. Visite / NDR (11.08.2020): Rückenschmerzen. Therapie beim ISG-Syndrom. Öffentlich-rechtlicher Sender: NDR.de, URL: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Rueckenschmerzen-Therapie-beim-ISG-Syndrom,iliosakralgelenk100.html [abgerufen am 11.04.2021].

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