Ischias-Schmerzen: Symptome und Ursachen der Ischialgie

Ischias Schmerzen

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Hast Du Ischias Schmerzen? Der Ischiasnerv befindet sich im Bein. Von ihm zweigen zahlreiche feinere Nervenbahnen ab, die den Ober- und Unterschenkel durchziehen. Diese neuronalen Fasern steuern die Muskeln im Bein und leiten sensible Reize an das Rückenmark und an das Gehirn weiter.

Wenn der Ischiasnerv Schmerzen verursacht

Aus diesem Grund sind Ischias-Schmerzen oft sehr unangenehm. Ein Schmerzgefühl ist für das Nervensystem grundsätzlich ein Warnhinweis – und die Schmerzen, die auf den Ischiasnerv zurückgehen, lassen sich meist nicht unterdrücken. Tatsächlich solltest Du diese Schmerzen auch ernst nehmen! Ischias-Schmerzen lassen sich nicht immer sofort von anderen Beschwerden unterscheiden, doch dahinter können teilweise schwerwiegende Probleme stecken.

Wenn Du befürchtest, dass Deine Beschwerden sich auf den Ischiasnerv zurückführen lassen, solltest Du deshalb Deinen Arzt aufsuchen. Dieser kann eine Diagnose stellen und Dir individuelle Ratschläge geben, was Du tun oder lieber vermeiden solltest.

Mediziner bezeichnen die Ischiasreizung als Ischialgie, da der Schmerz eines der zentralen Symptome darstellt.

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Wo können Ischias-Schmerzen auftreten?

Da der Ischiasnerv im Bein verläuft, wirken sich die Beschwerden oft auf diese Extremität aus. Allerdings spüren viele Betroffene die Schmerzen auch im Rücken oder im Gesäß. Kreuzschmerzen, die vom Ischiasnerv verursacht werden, fühlen sich in einigen Fällen genauso an wie ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Bandscheibenvorfall sich auf den Ischiasnerv auswirken kann – aber Ischias-Beschwerden können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Entzündungen.

Bei manchen Betroffenen zeigen sich die Symptome auf einer Körperseite stärker als auf der anderen. Die Ischias-Schmerzen können jedoch ebenso auf beiden Seiten auftreten. Welche Körperseite schmerzt, hängt davon ab, wo genau der Ischiasnerv eingedrückt ist oder gereizt wird.

Typische Symptome einer Ischialgie

Die Ischias-Schmerzen fühlen sich typischerweise so an, als würde etwas in Deinem Bein ziehen oder ruckartig an dem Gewebe reißen.

Manche Betroffene spüren ein Kribbeln im Bein. Das Kribbeln kann sich so anfühlen, als sei das Bein „eingeschlafen“ oder als würden kleine Insekten über die Haut laufen. Bei dieser Empfindungsstörung, einer sogenannten Parästhesie, handelt es sich um ein neurologisches Symptom. Es tritt nicht nur bei einer Ischialgie auf, spricht jedoch generell für eine Beteiligung der Nerven.

In schweren Fällen ist es möglich, dass die sensible Wahrnehmung gestört wird. Infolgedessen können Taubheitsgefühle auftreten, da der Ischiasnerv dann nicht mehr alle Reize an das Gehirn weiterleitet.

Darüber hinaus kommt es gelegentlich zu Lähmungen. Die Lähmungen entstehen, wenn die motorischen Nervenfasern des Nervus ischiadicus so schwer gestört sind, dass nicht mehr genug Signale die Muskeln erreichen. Folglich zieht sich das Muskelgewebe nicht mehr auf Befehl zusammen.

Die Ischias-Schmerzen können sich zudem im Rücken und im Gesäß bemerkbar machen. Mitunter kommen indirekte Schmerzen hinzu, die nicht direkt durch die Ischialgie entstehen – sondern zum Beispiel durch eine Schonhaltung, die Du vielleicht einnimmst, um die Ischias-Schmerzen zu verringern. Zu Beginn einer solchen Folge-Kette von Ischias-Beschwerden stehen möglicherweise muskuläre Verspannungen.

Bei einigen Patienten verschlimmern sich die Ischias-Schmerzen, sobald sie husten, niesen oder lachen. Auch bei der Pressatmung und bei bestimmten Fitnessübungen treten die Schmerzen oft verstärkt auf. Der Grund dafür besteht darin, dass sich in diesen Situationen der Druck auf den eingeklemmten Ischiasnerv erhöhen kann.

Seltener manifestieren sich Funktionsstörungen der Blase. Einige Betroffene leiden sogar unter einer Inkontinenz, bei der sie die Kontrolle über ihre Ausscheidungen verlieren. Insbesondere bei Männern kann eine Erektionsstörung hinzukommen.

Zusammengenommen führen die Symptome oft dazu, dass die Ischialgie-Patienten nicht mehr so leistungsfähig sind wie gewöhnlich. Wie stark das Leidensgefühl ist, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab – und von der eigenen Schmerzgrenze. Nicht alle Symptome treten bei jedem Menschen auf, dessen Ischiasnerv eingeklemmt oder anderweitig beeinträchtigt ist.

Was kann ich gegen Ischias-Schmerzen tun?

Wie Du gesehen hast, gehen Ischias-Schmerzen auf unterschiedliche Ursachen zurück. Deshalb existieren auch verschiedene Möglichkeiten, wie Du Ischias-Schmerzen lindern kannst.

Übungen gegen Ischias-Schmerzen gehören zu den Maßnahmen, die Du selbst durchführen kannst. Vorab solltest Du jedoch mit Deinem Arzt klären, ob Du im Einzelfall bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen solltest oder welche Bewegungen für Dich persönlich nicht geeignet sind.

Bei allen Krankheiten und orthopädischen Problemen ist es am sinnvollsten, wenn Du bereits tätig wirst, bevor die Schmerzen auftreten. Dadurch kannst Du Dir nicht nur Unannehmlichkeiten ersparen – sondern Du verhinderst womöglich sogar, dass sich überhaupt erst Schwachstellen in Deinem Bewegungsapparat ausbilden, durch die immer neue Probleme auftreten können. Speziell das Training der Rumpfmuskulatur spielt für Rückenprobleme eine wichtige Rolle. Die Rumpfmuskulatur schließt die Bauch- und Rückenmuskulatur ein, die Deinem Körper Stabilität verleiht.

Auch, wenn eine Ischialgie bereits vorliegt, gehört die Krankengymnastik für viele Patienten zu den Mitteln, die ihr Arzt verordnet. Die Physiotherapie beginnt dabei möglicherweise erst, wenn die Schmerzen bereits nachgelassen haben. Erkundige Dich bei Deinem Arzt oder Physiotherapeuten, wann der richtige Zeitpunkt für Deine Übungen ist.

Um die Muskelentspannung zu unterstützen, greifen manche Betroffene auf Mittel zurück, die als sanft gelten. Dazu gehören:

  • Massagen
  • Wärmebehandlungen
  • Lockerungsübungen
  • Dehnungsübungen.

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Wie behandeln Ärzte die Ischias-Schmerzen?

Mediziner unterscheiden bei den Behandlungsansätzen zwischen konservativen und operativen Therapien – so, wie auch bei anderen Krankheitsbildern, die mit einem Bandscheibenvorfall im Zusammenhang stehen können.

Bei der konservativen Behandlung kommen oft Schmerzmittel zum Einsatz. Andere Medikamente, die die Muskelentspannung unterstützen, sind ebenfalls verbreitet, sogenannte Muskelrelaxanzien. Darüber hinaus gehört die bereits erwähnte Physiotherapie zum gängigen Repertoire der Ischialgie-Behandlung.

Im Vergleich zu den konservativen Behandlungen sind operative Eingriffe bei der Ischialgie selten. Ärzte greifen auf chirurgische Maßnahmen vor allem bei schweren Komplikationen und gravierenden Nervenausfällen zurück. Lähmungen, Inkontinenz und ähnliche neurologische Symptome machen eine Operation wahrscheinlicher.

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Hilft Tape oder eine Akupunktur gegen Ischias-Schmerzen?

Hartnäckige Schmerzen treiben viele Menschen regelrecht zur Verzweiflung. Deshalb wenden sich auch Ischias-Patienten immer wieder sogenannten alternativen Behandlungsmethoden zu. Die Akupunktur soll beispielsweise die Entspannung unterstützen.

Manche Betroffene setzen auf chiropraktische Ansätze wie das Kinesio-Tape. Die bunten Bänder werden auf die Haut geklebt. Die Anwender versprechen sich davon, dass das Tape die körperlichen Selbstheilungsprozesse unterstützt. Dabei bringen Kritiker immer wieder vor, dass die Wirksamkeit von Kinesio-Tapes nicht bewiesen ist.

Ischias-Schmerzen in der Schwangerschaft

Schwangere leiden häufiger unter Rückenschmerzen als viele andere Personengruppen. Dennoch ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Ursache sich für die quälenden Kreuzschmerzen verantwortlich zeichnet.

Der Ischiasnerv entpuppt sich bei rund einem Prozent der Schwangeren als ein Grund für die Rückenschmerzen. In der Schwangerschaft tragen verschiedene Faktoren zu einem erhöhten Risiko bei.

Das wachsende Kind und das Fruchtwasser beanspruchen Platz. Gelegentlich staut sich dadurch das Blut in der unteren Hohlvene. Dieses dicke Blutgefäß leitet das sauerstoffarme Blut aus der unteren Körperhälfte in Richtung des Herzens weiter. Bei einem solchen Blutstau kann die Hohlvene auf den Ischiasnerv drücken – und dadurch die typischen Ischialgie-Symptome hervorrufen.

Darüber hinaus verdienen die verschiedenen Verhaltens- und Lebensstiländerungen, die viele Schwangere durchlaufen, ebenfalls Beachtung. Eine Gewichtszunahme ist während der Schwangerschaft keine Seltenheit. Allerdings steigt mit einem Body-Mass-Index von 30 das Risiko für Ischias-Schmerzen, Bandscheibenvorfälle und andere orthopädische Probleme.

Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen

Im Laufe des Lebens ist die Wirbelsäule zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig lässt die Elastizität der Bandscheiben nach. Insbesondere bei Frauen nach der Menopause steigt zudem die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Knochen weich werden – die Folge ist eine Osteoporose. Andere orthopädische Krankheiten nehmen im Alter ebenfalls zu.

Deshalb überrascht es Dich sicher nicht, dass auch das Risiko für Ischias-Schmerzen mit dem Alter steigt. Wenn Deine Wirbelsäule bereits sichtbare degenerative Erscheinungen aufweist, ist sie für Bandscheibenvorfälle und andere Krankheiten ebenfalls anfälliger.

Eine gut ausgeprägte Rumpfmuskulatur entlastet die Wirbelsäule. Umgekehrt steigern Bewegungsmangel und langes Sitzen Deine Anfälligkeit für Ischias-Beschwerden. Obwohl Sport und Bewegung grundsätzlich positiv sind, haben Leistungssport und Schwerstarbeit ihre Tücken. Denn dabei kommt es oft zu einer so hohen Belastung, dass das Risiko für Verletzungen und Verschleißerscheinungen ansteigt.

Starkes Übergewicht stellt für die Wirbelsäule und die Gelenke ebenfalls eine Belastung dar. Bei manchen Personen hängen die verschiedenen Risikofaktoren sogar zusammen: Zum Beispiel begünstigt ein Mangel an Bewegung ein überhöhtes Körpergewicht.

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Referenzen:

  • flexikon.doccheck.com/de/Ischialgie
  • patientenleitlinien.de/Rueckenschmerz/Patientenleitlinie-Ruecken-und-Kreuzschmerzen.pdf
  • schmerzhilfe.de/ischiasschmerzen/

geprüft und ergänzt am 25.05.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau