Nerv eingeklemmt: Mechanischer Druck auf neuronale Bahnen

Nerv eingeklemmt
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Nerven sind die Informationsbahnen unseres Körpers. Wenn Du die Finger bewegst, sendet Dein Gehirn ein Signal an die Muskeln, die sich zusammenziehen und dadurch veranlassen, dass sich Deine Finger krümmen, strecken oder zur Seite schieben. Sowohl gewollte Bewegungen als auch Reflexe sind auf die neuronale Signalübertragung angewiesen. Ist ein Nerv eingeklemmt, verursacht das Schmerzen.

Warum ist ein eingeklemmter Nerv problematisch?

Innerhalb einer einzelnen Nervenzelle erfolgt die Weiterleitung von Informationen mithilfe elektrischer Spannung. Zwischen zwei Nervenzellen befinden sich sogenannte Synapsen. Das elektrische Signal wird hier kurzzeitig in biochemische Botenstoffe übersetzt. Anschließend wandert die Information in der nachgeschalteten Nervenzelle wieder als elektrischer Impuls weiter.

Die Neurologie unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Nervenbahnen. Die efferenten Nervenfasern transportieren Signale vom Gehirn oder vom Rückenmark zu den Muskeln, Drüsen und anderen Organen. Im Gegensatz dazu sind die afferenten Nervenfasern dafür zuständig, Informationen aus dem Körper an das zentrale Nervensystem weiterzuleiten.

Verschiedene Faktoren können die Signalübertragung innerhalb einer solchen Informationsbahn unterbrechen. Zum Beispiel kann mechanischer Druck, der auf einen Nerv einwirkt, zu einer Störung führen.

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Welche Symptome können auftreten?

Je nachdem, welcher Nerv eingeklemmt ist, zeigen sich unterschiedliche Symptome. Dabei lassen sich jedoch einige Gemeinsamkeiten beobachten.

Je nachdem, wie stark der Druck auf einem Nerv lastet, reißt die Signalübertragung vollständig ab oder ist nur teilweise gestört. Da die efferenten Nervenfasern unter anderem die Muskeln versorgen, rufen Nervenkompressionen eventuell Lähmungen hervor. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer Parese. Wenn eine Behandlung den Druck verringert oder beseitigt, muss diese Lähmung nicht dauerhaft sein.

Ein häufiges Symptom sind kribbelnde Empfindungen. Dieses „Ameisenlaufen“ wird von vielen Betroffenen als sehr unangenehm beschrieben. Wenn der Druck auf den Nerv die afferente Signalübertragung verhindert, spüren die Patienten keine Reize mehr, die aus dem Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs stammen. Teilweise kommen pelzige Empfindungen oder Taubheitsgefühle hinzu.

Schmerzen können eine weitere Folge eingeklemmter Nerven darstellen. Viele Patienten nehmen die Schmerzen als reißend oder ziehend wahr. In schweren Fällen stört die Nervenkompression die Funktionsweise von Organen wie der Blase. Dadurch können weitere Symptome entstehen – zum Beispiel eine Harninkontinenz.

Was hat ein eingeklemmter Nerv mit einem Bandscheibenvorfall zu tun?

Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbelknochen des Rückgrats und dienen als Puffer. Diese biologischen Stoßdämpfer schützen die Wirbelkörper und erlauben es Dir gleichzeitig, Dich frei zu bewegen. Darüber hinaus trägt die Wirbelsäule entscheidend zur aufrechten Haltung des Menschen bei.

Bei einem Bandscheibenvorfall kann der Gallertkern der Bandscheibe auslaufen. Möglich ist auch, dass die gesamte Bandscheibe verrutscht. In beiden Fällen kann es vorkommen, dass die Bandscheibe – oder die ausgelaufene Gallerte – gegen eine Nervenwurzel drückt.

Bei einer Nervenwurzel handelt es sich um den Abschnitt eines Nervs, der dicht hinter der Austrittsstelle aus dem Rückenmark liegt. Die Nerven, die vom Rückenmark ausgehen, verzweigen sich im Körper zu vielen feineren Nervenästen, die das periphere Nervensystem bilden.

Wenn ein Nerv infolge eines Bandscheibenvorfalls an der Nervenwurzel eingeklemmt ist, können die Konsequenzen deshalb besonders weitreichend sein. Manchmal manifestieren sich die Symptome nicht an der betroffenen Stelle, sondern im Gesäß, am Bein oder in anderen Körperbereichen, je nachdem, welches Gebiet ein betroffener Nerv versorgt.

Potenzielle Ursachen

Zu den möglichen Ursachen für einen eingeklemmten Nerv gehören neben Bandscheibenvorfällen und Muskelverspannungen auch Verschleißerscheinungen. Mit zunehmender Lebensdauer nutzen sich Dein Gelenke und die Wirbelsäule zunehmend ab.

Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten verschleißen den Bewegungsapparat Deines Körpers noch stärker. Bei diesen Tätigkeiten handelt es sich zum Beispiel um das häufige Heben von schweren Lasten oder um eine einseitige Beanspruchung des Rückens. Auch Leistungssportarten stellen für den menschlichen Körper oftmals eine hohe Belastung dar.

Plötzliche Bewegungen können ebenfalls bewirken, dass Du Dir einen Nerv einklemmst. Durch den plötzlichen Ruck ist der Organismus manchmal nicht mehr in der Lage, in der Kürze der Zeit auf die Verschiebung von Gelenken und Geweben zu reagieren. Die Kräfte, die bei einem abrupten Bewegungsimpuls wirken, sind zudem besonders stark. Eine ruckartige Bewegung beim Heben kann außerdem einen Bandscheibenvorfall begünstigen – und dieser führt gelegentlich ebenfalls zum Einklemmen eines Nervs, wie Du bereits weiter oben erfahren hast.

Manchmal liegen die Ursachen für einen eingeklemmten Nerv jedoch außerhalb des eigenen Körpers. Denn auch externer Druck kann die Signalübertragung innerhalb eines Nervenstrangs stören.

Eine unbeabsichtigte Nervenkompression ist zum Beispiel in folgenden Situationen möglich:

  • bei einer falsch ausgeführten Massage
  • während einer fehlerhaften Akupressur
  • wenn eine Prothese falsch eingesetzt wurde
  • bei einer anderweitigen Quetschung durch äußere Faktoren.

Wenn Du Dir ein Schultergelenk auskugelst, kann ebenfalls ein Nerv eingeklemmt werden. Eine Schulterluxation bezeichnete Erkrankung birgt zudem weitere Risiken. Dazu zählen Schäden am Knorpel und an der Gelenkkapsel. Auch Knochenfrakturen und Verletzungen an den Blutgefäßen sind bei einem ausgekugelten Gelenk möglich.

Blutungen bilden für sich genommen ebenfalls eine potenzielle Ursache für einen eingeklemmten Nerv. Das Blut, das in das Gewebe sickert, verdrängt anderes organisches Material. Nicht immer hat das Gewebe die Möglichkeit, sich auszudehnen oder auszuweichen. Infolgedessen kann das Blut, das unter der Haut aus einer verletzten Ader strömt, so viel Druck aufbauen, dass es einen Nerv bedrängt. Tumoren sind in der Lage, aufgrund ihrer Raumforderung denselben unangenehmen Effekt zu erzielen.

Nicht immer offenbart sich die Ursache einer Nervenkompression auf den ersten Blick. Zum Beispiel kannst Du Dir auch einen Nerv einklemmen, wenn Du sehr ausgiebig und heftig hustest. Fehlhaltungen setzen einen Nerv mitunter ebenfalls schleichend oder plötzlich unter mechanischen Druck.

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Wo kann ein Nerv eingeklemmt werden?

Nicht nur ein Bandscheibenvorfall kann einen Nerv komprimieren. Grundsätzlich können die oft schmerzhaften Einklemmungen sowohl am Rücken als auch in anderen Körperregionen auftreten. Manche Menschen leiden beispielsweise unter einem eingeklemmten Nerv im Nacken oder an der Schulter.

Dabei muss nicht immer die Wirbelsäule für den ungesunden Druck auf die Nervenfasern verantwortlich sein. An Gelenken kann es ebenfalls vorkommen, dass ein Nerv eingeklemmt wird. Auch die Muskeln können Druck auf einen Nerv ausüben.

Eingeklemmter Achselnerv

An der Schulter kann bei einem ausgekugelten Gelenk beispielsweise der Achselnerv (Nervus axillaris) eingeklemmt sein. Dieser Nerv ist vor allem deshalb so gefährdet, weil er sehr nah an der Kapsel des Schultergelenks verläuft und deshalb bei einer Schulterluxation gequetscht werden kann. Der Achselnerv leitet unter anderem Nervensignale vom Gehirn an mehrere Schultermuskeln weiter. Wenn der Achselnerv komprimiert wird, sind dementsprechend eventuell die Muskelfunktionen beeinträchtigt.

Ischiasnerv unter Druck

Ein sehr bekanntes Krankheitsbild, das manchmal auf einen eingeklemmten Nerv zurückgeht, ist die Ischialgie. Dabei drückt z. B. eine Bandscheibe auf den Ischiasnerv. Dieser Nerv zieht vom Rücken bis ins Bein. Er spielt bei der neuronalen Versorgung der unteren Extremität eine zentrale Rolle. Typisch für die Ischialgie sind reißende Schmerzen, kribbelnde Missempfindungen und Taubheitsgefühle im Bein und Gesäß.

Komprimierter Peroneusnerv

Ein anderes Beispiel für einen Nerv, der eingeklemmt werden kann, ist der gemeinsame Wadenbeinnerv. Der Nervus peroneus communis ist auch als Nervus fibularis communis bekannt. Eine Kompression dieses Nervs zieht eventuell eine Peroneuslähmung nach sich – allerdings gibt es weitere Ursachen, die dieses Krankheitsbild ebenfalls hervorrufen können.

Bei der Peroneuslähmung kommt es oft zu einer gestörten Wahrnehmungsfähigkeit am Fußrücken und an der Unterschenkelseite.

Ein weiteres typisches Symptom für die Peroneuslähmung stellt der sogenannte Storchengang oder Hahnengang dar. Die Betroffenen heben dabei das Bein ungewöhnlich hoch. Diese Gangart erinnert an einen Storch oder an einen anderen Schreitvogel. Das Symptom entsteht durch eine Lähmung der Muskeln, die den Fuß und die Zehenspitze anheben. Die Peroneuslähmung führt außerdem dazu, dass die Betroffenen die äußere Fußkante nicht mehr so gut vom Boden heben können, während die Fußinnenseite am Boden bleibt.

Welche Rolle spielt Bewegungsmangel?

Ein hundertprozentig sicheres Rezept, mit dem Du eingeklemmte Nerven verhinderst, gibt es leider nicht. Dennoch lässt sich ein Risikofaktor für ungewollte Kompressionen gut beeinflussen: der Bewegungsmangel.

In den westlichen Gesellschaften stellen zu langes Sitzen und unzureichende körperliche Aktivität eine gängige und ungesunde Kombination dar. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2019 beginnt das Problem bereits früh im Leben: Schon Kinder sind vom Bewegungsmangel betroffen.

Dabei könnte ein ausreichendes Maß an Bewegung das Risiko für zahlreiche Erkrankungen reduzieren. Eine trainierte Rückenmuskulatur scheint zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit zu senken, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Dadurch würde sich auch eine mögliche Ursache für eingeklemmte Nerven verringern lassen.

Behandlung und Symptomlinderung

Ein Arzt stimmt die Behandlung auf den individuellen Patienten und dessen Lage ab. Dabei nimmt die Behandlung der Problemursache einen hohen Stellenwert ein, um den Druck auf die Nervenfasern zu verringern.

Die meisten Bandscheibenvorfälle treten in der Lendenwirbelsäule auf. Bei diesem orthopädischen Krankheitsbild verläuft eine konservative Behandlung bei den meisten Patienten erfolgreich. Eine Operation bietet in schweren und hartnäckigen Fällen ebenfalls einen Ausweg aus den Beschwerden.

Wenn ein Hämatom den Nerv eingeklemmt hat, führen Mediziner manchmal eine Punktion oder Drainage durch, um den Druck zu mindern. Bei vielen Kompressionsursachen verschreiben Ärzte zudem eine Physiotherapie und empfehlen Bewegung.

Nicht nur bei einem Bandscheibenvorfall, sondern auch bei anderen Kompressionsursachen setzen Ärzte häufig Schmerzmittel ein, um die akuten Beschwerden zu lindern. Je nach Ursache kommen zudem Wärmebehandlungen und alternative Methoden wie Akupunktur in Betracht.

Bedenke bei all dem jedoch, dass sich die Behandlung stets nach den vorliegenden Bedingungen richtet. Nicht jeder Behandlungsansatz ist für jeden Patienten der richtige. Die Entscheidung für die optimale Behandlung eines eingeklemmten Nervs obliegt immer einem qualifizierten Behandler. Im Zweifelsfall kann eine Zweitmeinung mehr Klarheit schaffen.

Bleib am Ball: Der Rücken.net Newsletter ist Dein Begleiter für den Alltag. Er erinnert Dich einmal pro Woche daran, auf Deine Körperhaltung und Deinen Stresspegel zu achten und gibt Dir alltagstaugliche Übungen zur Selbsthilfe an die Hand.

Referenzen:

  • medlexi.de/Nerven
  • schmerzhilfe.de/eingeklemmter-nerv/
  • schmerzhilfe.org/nerv-eingeklemmt/
  • vdk.de/deutschland/pages/themen/gesundheit/gesundheit/80733/nerv_eingeklemmt_was_tun?dscc=ok

geprüft und ergänzt am 07.05.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau