Hexenschuss: Plötzliche Rückenschmerzen

Hexenschuss

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Die begriffliche Abgrenzung ist nicht immer eindeutig. Bei dem Wort Hexenschuss handelt es sich um eine Bezeichnung, die vor allem in der Umgangssprache vorkommt. Mediziner sprechen hingegen von einer Lumbago. Die Schmerzen, die aus den Rückenproblemen resultieren, werden auch als Lumbalgie bezeichnet.

Ein Problem, viele Namen

Bei einer Lumboischialgie handelt es sich um eine Mischung aus Lumbalgie und Ischialgie. Dieses Krankheitsbild zeichnet sich dadurch aus, dass auch der Ischiasnerv an den Beschwerden beteiligt ist. Die Lumboischialgie ruft typischerweise Schmerzen hervor, die ins Bein ausstrahlen. Die Schmerzen können dabei in einem oder in beiden Beinen auftreten – je nachdem, welche Nervenfasern komprimiert oder anderweitig gereizt sind.

Im Unterschied dazu beschreibt die Lumboglutäalgie einen Zustand, bei dem die Schmerzen ins Gesäß ausstrahlen. Abgesehen davon unterscheidet sich die Lumboglutäalgie allerdings nicht wesentlich von der Lumboischialgie.

Welche Bezeichnung ein Arzt für die plötzlichen Schmerzen im unteren Rücken verwendet, ist nicht immer einheitlich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ursache von Rückenschmerzen in der klinischen Praxis mitunter unklar ist.

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Welche Symptome gehen mit einem Hexenschuss einher?

Das zentrale Symptom der Lumbalgie sind Rückenschmerzen. Die Schmerzen treten im unteren Rücken auf – im Bereich der Lendenwirbelsäule. Sie sind stark ausgeprägt und werden von den Betroffenen oft als sehr quälend empfunden.

Für den Hexenschuss ist es typisch, dass die Beschwerden plötzlich auftreten. Manche Betroffene haben den Eindruck, tatsächlich den berüchtigten „Schuss“ zu spüren, weil die Schmerzen so unvermittelt auftauchen.

Die Lumbalgie gehört zu den akuten Rückenschmerzen. Manche Betroffene leiden jedoch unter verschiedenen Arten von Rückenschmerzen mehr oder weniger gleichzeitig. Die unterschiedlichen Schmerzen können sich zum Teil überlagern oder sich subjektiv wie ein einziger Schmerz anfühlen. Zum Beispiel kann ein Patient sowohl unter einer Lumbago leiden als auch unter Schmerzen, die durch eine Muskelverspannung verursacht werden. Nicht immer ist es leicht, diese unterschiedlichen Beschwerden voneinander zu trennen.

Der Hexenschuss äußert sich in vielen Fällen abrupt bei einer falschen Bewegung. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Du gerade eine schwere Einkaufstasche anhebst oder eine Kiste vom Schrank holst – und plötzlich geht nichts mehr.

Die Betroffenen reagieren auf den unvermittelten und starken Schmerz häufig, indem sie in der Bewegung erstarren und sich nur noch sehr vorsichtig rühren.

Worin liegt die Ursache für einen Hexenschuss?

Dass die heftigen Schmerzen auf ein Problem hindeuten, ist offensichtlich. Aber: Welche Ursache ist für den Hexenschuss eigentlich verantwortlich?

Gezerrte Muskeln im Rücken

In vielen Fällen geht der Hexenschuss auf eine Muskelzerrung zurück. Am Rücken befinden sich verschiedene Muskeln, die den Rumpf stützen und an zahlreichen Bewegungen beteiligt sind. Oft bist Du Dir dieser Helfer im Alltag nicht einmal bewusst. Wenn sich die Rückenmuskeln bemerkbar machen, dann oft auf eine unangenehme Weise: in Form ziehender, reißender oder brennender Empfindungen.

Wenn Du einen Muskel anspannst, verkürzt er sich. Umgekehrt wird der Muskel wieder länger, wenn Du ihn entspannst. Darüber hinaus sind die Muskelfasern dehnbar – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Wird diese Grenze überschritten, kann der Muskel Schaden nehmen. Allerdings reißt der Muskel nicht sofort in zwei Teile. Häufiger kommt es zu einer Muskelzerrung.

Eine solche Muskelzerrung kann die Ursache für einen Hexenschuss sein. Das Risiko für eine Muskelzerrung steigt zum Beispiel, wenn Du ruckartige oder falsche Bewegungen ausführst. Auch ein unzureichendes Warm-up beim Sport und eine mechanische Überlastung begünstigt eine solche Zerrung.

Lumboischialgie infolge eines Bandscheibenvorfalls

Die Wirbelsäule kann ebenfalls den Ursprung der Schmerzen darstellen. Dort befinden sich die Bandscheiben, die als Puffer zwischen den Wirbelkörpern liegen. Durch einen Riss im äußeren Faserring der Bandscheibe kann der innere Gallertkern auslaufen. Ein Bandscheibenvorfall beeinträchtigt mitunter das umliegende Gewebe – auch die Nervenwurzeln, die sich in der unmittelbaren Umgebung der Bandscheiben befinden.

In der Lendenwirbelsäule (LWS) treten die Bandscheibenvorfälle besonders häufig auf. Ein Hexenschuss kann beispielsweise auf einen Bandscheibenvorfall zurückgehen, der sich am dritten Lendenwirbel (L3) ereignet. Ein solcher Bandscheibenprolaps kann sich auf die Nervenfasern auswirken, die an dieser Stelle vom Rückenmark abzweigen. Diese bilden gemeinsam mit anderen Nervenfasern unter anderem das Lendennervengeflecht.

Das Lendennervengeflecht ist auch als Plexus lumbalis bekannt. Von hier aus ziehen sich die Nervenfasern bis zum vorderen Oberschenkel. Darüber hinaus ist das Lendennervengeflecht dafür zuständig, Empfindungen aus den Genitalien und dem Unterbauch (Hypogastrium) an das zentrale Nervensystem weiterzuleiten. Zudem laufen über das Lendennervengeflecht die Befehle zur Steuerung bestimmter Bauchmuskeln.

Ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung zwischen dem dritten und fünften Lumbalwirbel kann den Ischiasnerv beeinträchtigen. Neben Rückenschmerzen treten dabei häufig auch Schmerzen auf, die sich bis in die Leistengegend oder ins Bein ziehen. Manchmal ist dann auch von einer Ischialgie die Rede.

Hexenschuss durch Wirbelblockade

Eine weitere mögliche Ursache für den Hexenschuss ist eine vorübergehende Wirbelblockade. Durch die Blockade ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule eingeschränkt.

Eine Wirbelblockade kann nicht nur in der Lendenwirbelsäule entstehen, sondern sich auch in der Brust- oder Halswirbelsäule ereignen. Eine HWS-Wirbelblockade führt in einigen Fällen zu Nackenschmerzen.

Anders als der Name vermuten lässt, ist an der Wirbelblockade nicht nur das Wirbelgelenk beteiligt. Häufig kommen Verspannungen hinzu. Diese können eine Folge der eigentlichen Wirbelblockade darstellen.

Manche Betroffene sprechen auch ohne eine entsprechende medizinische Diagnose von einer Wirbelblockade, da sich ein Hexenschuss so anfühlen kann, als hätte sich der untere Rücken plötzlich verkantet. Die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten, die typisch für eine Lumbago sind, passen ebenfalls gut zu der Vorstellung von ineinander verhakten Wirbeln – auch wenn nicht in jedem Fall eine tatsächliche physische Blockade vorliegt.

Woran erkennen Ärzte eine Lumbago?

Die Anamnese ist eines der wichtigsten diagnostischen Werkzeuge von Ärzten. Dabei lassen sich die Mediziner die Beschwerden im Detail schildern und stellen systematisch Fragen, um die Symptome möglichst genau zu erfassen. Ärzte können viele Erkrankungen bereits anhand ihrer charakteristischen Merkmale eingrenzen.

Hinzu kommt häufig eine körperliche Untersuchung des Betroffenen. Neurologische Tests können ebenfalls zur Diagnostik gehören.

Ein bildgebendes Verfahren wie ein CT oder MRT ist nicht bei jedem Rückenschmerz erforderlich. Ärzte wägen bei der Entscheidung für oder gegen eine Diagnosemethode ab, inwiefern eine Untersuchung einen individuellen Zusatznutzen verspricht.

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Wie lange dauert eine Lumbalgie?

Der Hexenschuss gehört zu den akuten Formen der Rückenschmerzen. Die Beschwerden halten dementsprechend nicht dauerhaft an, sondern verschwinden wieder. Häufig ist nicht einmal eine Behandlung erforderlich.

Wenn die Beschwerden stark ausgeprägt sind oder länger andauern, solltest Du einen Arztbesuch jedoch nicht unnötig hinauszögern. Neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungen sind ernstzunehmende Warnzeichen, die auf eine Nervenschädigung hindeuten können. Diese kann zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufen werden.

Manche Betroffene haben bei einem Hexenschuss den Eindruck, sich kaum noch bewegen zu können. Die Schmerzen – und die Angst vor weiteren Schmerzen – kann zudem eine hemmende Wirkung entfalten. Deshalb bitten manche Betroffene ihren Arzt um eine Krankschreibung. Ob die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist, entscheidet der Mediziner individuell.

Obwohl die Dauer eines Hexenschusses begrenzt ist, leiden manche Betroffene immer wieder unter den plötzlichen Rückenschmerzen.

Was kann ich gegen einen Hexenschuss tun?

Die Behandlung eines Hexenschusses hängt von der jeweiligen Ursache ab, die im Einzelfall vorliegt. Viele Betroffene wenden physiotherapeutische Methoden wie die Stufenlagerung an. Diese führt oft zu einer Linderung der Beschwerden. Einige Übungen können die Rückenschmerz-Patienten selbstständig durchführen, ggf. nach einer entsprechenden Einweisung.

Die manuelle Therapie ist für manche Patienten ebenfalls ein Mittel ihrer Wahl. Diese Therapieform bieten unter anderem Physiotherapeuten an, die eine entsprechende Weiterbildung absolviert haben.

Wenn ein Bandscheibenvorfall für die Lumbalgie verantwortlich ist, reicht meistens eine konservative Behandlung aus. Eine Operation ist bei einem LWS-Bandscheibenvorfall nur in wenigen Fällen erforderlich. Lähmungen und andere schwerwiegende Symptome gelten dabei als Indikatoren, die eine OP wahrscheinlicher machen.

Die starken Rückenschmerzen, die der Hexenschuss verursacht, lassen sich in der Regel nicht ausblenden. Deshalb greifen manche Betroffene auf Schmerzmittel zurück. Bei starken Beschwerden verabreicht der behandelnde Arzt möglicherweise eine Spritze. In dieser Spritze befindet sich oft ebenfalls ein Schmerzmittel. Sogenannte Lokalanästhetika, die eine örtliche Betäubung hervorrufen, stellen eine weitere Option dar, die Ärzte bei der Hexenschuss-Behandlung gelegentlich anwenden.

Darüber hinaus kommen bei der Behandlung eines Hexenschusses, der sich auf eine Muskelverspannung zurückführen lässt, gelegentlich Relaxantien zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Muskeln veranlassen, sich zu entspannen.

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Referenzen:

  1. Casser H-R et al., Akuter lumbaler Rückenschmerz. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 223-34; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0223
  2. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und und Unfallchirurgie. Hexenschuss ist Warnschuss für den Rücken. Pressemitteilung vom 13.03.2015: https://dgou.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht-pressemitteilungen/artikel/hexenschuss-ist-warnschuss-fuer-den-ruecken [zuletzt aufgerufen am 24.08.2021]
  3. Nationale VersorgungsLeitlinie. Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. Langfassung 2. Auflage, 2017; AWMF-Register-Nr.: nvl-007 []
    S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz, AWMF-Registernummer: 033-051 [Stand vom Dezember 2017]

geprüft und ergänzt am 24.08.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau