Osteopathie: Eine alternativmedizinische Behandlungsform

Osteopathie

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Rücken.net-Redaktion

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Osteopathie ist ein Verfahren, das zur alternativen oder komplementären Medizin gerechnet wird. Die Menschen, die auf sie setzen, betrachten die Methode dementsprechend als eine Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsverfahren.

Was ist Osteopathie?

In den letzten Jahren hat die Osteopathie einen starken Zulauf erhalten. Inzwischen existieren zahlreiche Anwendungen. Dazu gehören die Kinderosteopathie, aber auch die Osteopathie für Haustiere und ähnliche Einsatzgebiete.

Die alternativ- bzw. komplementärmedizinische Behandlungsmethode hängt nicht mit der ähnlich klingenden intestinalen Osteopathie zusammen. Die intestinale Osteopathie ist eine Skeletterkrankung, die auf bestimmte Darmprobleme zurückgeht. Auch bei der renalen Osteopathie handelt es sich um ein Krankheitsbild und nicht um eine Behandlungsmethode.

Osteopathie-Behandlung bei Babys und Kindern

Osteopathie für Kinder ist möglicherweise deshalb so gefragt, weil viele Eltern sich darüber Gedanken machen, ob sich ihr Kind richtig entwickelt. Zudem wollen die meisten Eltern ihrem Nachwuchs etwas Gutes tun.

Osteopathen geben an, mit ihren Methoden zahlreiche Probleme und Krankheiten zu behandeln. Diese reichen von Allergien bis hin zu Blockaden am Rücken. Auch psychische und verhaltensbezogene Probleme sind ein Zielgebiet von manchen osteopathischen Anwendungen.

Aber was bringt die Osteopathie bei Kindern? Die Wissenschaft betrachtet die Osteopathie skeptisch. Wissenschaftler kritisieren die Erklärungsmodelle vielfach als einerseits zu weitreichend und andererseits zu einfach. Kritiker bemängeln zudem, dass die Osteopathie teilweise „Krankheiten“ behandelt, deren Existenz in Zweifel gezogen wird. Im internationalen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, dem ICD, tauchen diese Krankheitsbilder nicht auf. Darüber hinaus stehen die gängigen Erklärungsmodelle oft nicht im Einklang mit etablierten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Dennoch übernehmen einige Krankenkassen die Kosten für bestimmte osteopathische Behandlungen bei Kindern, manchmal auch nur anteilig. Die Kostenübernahme kann an bestimmte Bedingungen geknüpft sein, beispielsweise an eine bestimmte Qualifikation desjenigen, der die Behandlung durchführt. Darüber hinaus legen manche Krankenkassen als Bedingung für eine Kostenübernahme ein bestimmtes Höchstalter der Kinder fest. Eine einheitliche Regelung gibt es bislang nicht.

Wenn Du Dich also dafür interessierst, ob Deine Versicherung die Behandlungskosten in einem konkreten Fall übernehmen könnte, solltest Du Dich am besten direkt bei Deiner Krankenkasse informieren. Die Bedingungen können sich ändern. Derzeit ist zum Beispiel Osteopathie bei Kindern nicht verordnungsfähig, aber manchmal verlangen die Krankenkassen dennoch ein Schreiben vom Kinderarzt. Diese Vorgehensweise wird sowohl von manchen Patienten als auch von einigen Ärzten kritisch betrachtet.

Forschungsarbeiten, die den gängigen Qualitätsansprüchen genügen, konnten keinen signifikanten Effekt von Osteopathie bei Kindern feststellen. Allerdings können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.

Was besagt die Osteopathie?

Die Osteopathen gehen davon aus, dass Knochenfehlstellungen eine Vielzahl von unterschiedlichen Beschwerden hervorrufen können. Die Folgen sind nach der Ansicht von Befürwortern keineswegs nur auf orthopädische Beschwerden wie einen Bandscheibenvorfall oder das Ischias-Syndrom beschränkt.

Nach der osteopathischen Vorstellung führen die skelettalen Fehlstellungen zu Blockaden. Die Blockaden wiederum verhindern im osteopathischen Krankheitsverständnis beispielsweise den Blutfluss oder inneren Schwingungen. In der modernen Medizin wird diese Erklärung jedoch als nicht plausibel betrachtet.

Darüber hinaus geht die Osteopathen davon aus, dass Organe ebenfalls eine Fehlstellung aufweisen können. In diesem Fall ist von Fehllagen die Rede. Mit diesen beschäftigt sich vor allem der Zweig der viszeralen Osteopathie. Auch die Fehllagen der Organe sollen gesundheitliche Beschwerden hervorrufen können, die unter anderem die Funktion des betroffenen Organs einschränken sollen.

Seit wann gibt es Osteopathie?

Es sich bei den alternativmedizinischen Überlegungen keinesfalls um einen neuen Ansatz. Die Geschichte der Osteopathie reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Sie wurde von dem amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet.

In Deutschland wird Osteopathie zum Beispiel von einigen Heilpraktikern angeboten. Umgekehrt arbeitet jedoch nicht jeder Heilpraktiker mit dieser komplementärmedizinischen Methode. Darüber hinaus gibt es Ärzte und Physiotherapeuten, die eine passende Weiterbildung absolviert haben. Die Bundesärztekammer setzt sich dafür ein, dass Osteopathen eine Grundausbildung als Arzt oder Physiotherapeut besitzen sollten, um Nebenwirkungen und Behandlungsfehler zu vermeiden.

Die Anbieter folgen nicht immer dem ursprünglichen Konzept der Behandlung. Ebenso weichen die Erklärungen, die einige Befürworter für das Verfahren ins Feld führen, von der klassischen Lehre ab. Wie bei vielen anderen alternativmedizinischen Konzepten, so hat sich auch hier ein buntes Spektrum an osteopathischen Varianten entwickelt.

Deshalb ist nicht immer offensichtlich, auf welches Konzept sich ein Osteopath im Einzelfall beruft. Wenn Du Dich für Osteopathie interessierst, erscheint es deshalb sinnvoll, wenn Du Dich über die Einzelheiten des konkreten Angebots informierst.

Was machen Osteopathen?

Die osteopathische Behandlung basiert auf verschiedenen Techniken, die in ähnlicher Form auch in der Physiotherapie zum Einsatz kommen. Um eine angenommene Fehlstellung zu korrigieren, übt ein Osteopath beispielsweise Druck auf die Körperstelle aus, an der er die Ursache für die Beschwerden vermutet. Die Behandlung kann zum Beispiel am Rücken durchgeführt werden, aber auch an anderen Körperteilen.

Der häufigste Kritikpunkt richtet sich dagegen, dass der mechanische Druck nicht in einem kausalen, wissenschaftlich geprüften Zusammenhang zur eigentlichen Erkrankung steht. Es geht bei der Osteopathie also nicht darum, zum Beispiel ein Gelenk wieder einzurenken.

Stattdessen soll die Behandlung mit den Händen nach der gängigen Vorstellung vieler Befürworter die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Die meisten Erklärungsmodelle bleiben dabei sehr vage oder basieren eher auf Glaubensvorstellungen als auf wissenschaftlichen Annahmen.

Forscher verweisen immer wieder darauf, dass die osteopathischen Behandlungen einen Placeboeffekt hervorrufen können. Dies bildet einen der wesentlichen Unterschiede zwischen der Osteopathie und der anerkannten Physiotherapie, die nachweisbar Effekte erzielen kann.

Was ist die viszerale Osteopathie?

Das Wort „viszeral“ bedeutet in der Medizin „die Eingeweide betreffend“. Die Viszerale Osteopathie nimmt also die inneren Organe in den Blick. Dieser Teil gilt bei Befürwortern von evidenzbasierten Behandlungen als besonders umstritten.

Sowohl für die Diagnostik als auch für die Behandlung verlassen sich Osteopathen häufig auf ihre Hände. Sie tasten nach den Organen und versuchen, deren Eigenbewegungen wahrzunehmen. Daraus ziehen sie Rückschlüsse, welches Problem vorliegen könnte.

Osteopathen, die in diesem Bereich der viszeralen Anwendung tätig sind, gehen meist ebenfalls von Blockaden aus, die nach ihrer Ansicht verschiedene Beschwerden hervorrufen können. Unter den Osteopathen ist die Annahme verbreitet, dass die Organe in ihrer Bewegung eingeschränkt sein können. Das erklärte Ziel der Behandlung besteht folglich darin, diese Einschränkung zu beseitigen. Dadurch sollen sich gestörte Organfunktionen verbessern lassen.

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Welche Reaktionen kann eine osteopathische Behandlung hervorrufen?

Wie eine Person auf eine osteopathische Anwendung reagiert, ist individuell. In diesem Zusammenhang kann der Placeboeffekt eine wichtige Rolle spielen. Beim Placeboeffekt wirkt sich die Erwartungshaltung des Patienten positiv auf das Ergebnis aus. Dieser Effekt ist unabhängig von der eigentlichen Behandlungsmethode. Der Placeboeffekt setzt keine bewussten Erwartungen voraus, sondern kann auch unbewusst ablaufen.

Leider werden in verschiedenen Quellen, die sich mit der Osteopathie beschäftigen, auch immer wieder unerwünschte Nebenwirkungen thematisiert, die im Rahmen der Behandlungen auftreten können. Bei Impuls-Techniken sind beispielsweise Schäden möglich, die durch die plötzliche Krafteinwirkung entstehen. In schweren Fällen können diese sogar langfristige Komplikationen nach sich ziehen. In leichteren Fällen sind zum Beispiel Hämatome möglich. Muskelkater und Kopfschmerzen gehören ebenfalls zu den unerwünschten Folgen, von denen einige Artikel berichten.

Darüber hinaus ist es möglich, dass die wahre Ursache einer Krankheit nicht erkannt wird, wenn die Behandlung sich auf ein alternativmedizinisches Erklärungsmodell stützt. In ähnlicher Weise kann es vorkommen, dass Patienten das Ausmaß einer Erkrankung unterschätzen oder wirksame Behandlungen abbrechen, weil sie sich in Sicherheit wähnen.

Referenzen

  1. Dr. Frank Antwerpes & Marie Jacops (31.10.2020): Osteopathie (Komplementärmedizin). Medizinisches Nachschlagewerk: DocCheck Flexikon, URL: https://flexikon.doccheck.com/de/Osteopathie_(Komplementärmedizin) [abgerufen am 21.04.2021].
  2. Sieglinde Bogensberger, Dr. med. Norbert Boss, Dr. med. Renate Jäckle, Pola Nwarocki, Siegfried Parzhuber, Christa Striebeck & Dr. med. Günter Wangerin (2000): Lexikon Medizin. Urban & Schwarzenberg.
  3. Bundesverband Osteopathie e. V. – BVO: Viszerale Osteopathie. Website eines Osteopathie-Verbandes: bv-osteopathie.de, URL: https://bv-osteopathie.de/fuer-patienten/viszerale-osteopathie/ [abgerufen am 21.04.2021].
  4. Natalie Grams (22.09.2020): Kinder-Osteopathie: Babys sind weder schief noch blockiert. Onlinemagazin: Spektrum.de, URL: https://www.spektrum.de/kolumne/osteopathie-effektive-therapie-bei-babys/1772385 [abgerufen am 21.04.2021].
  5. Tobias Saueressig (15.06.2018): Kinderosteopathie – Hinterfragt! Website: evidenzbasiertephysiotherapie.de, URL: https://evidenzbasiertephysiotherapie.de/kinderosteopathie-hinterfragt-osteopathie-kinder-saeuglinge-baby-babies-medizin/ [abgerufen am 21.04.2021].