Piriformis-Syndrom: Wenn der Ischiasnerv schmerzt

Published by

Rücken.net-Redaktion

Die Rücken.net-Redaktion besteht aus einem Team von Sport- und Medizin-Redakteuren, die fundierte Ratgeber rund um das Thema Rückenschmerzen schreiben.

Das Piriformis-Syndrom stellt eine Erkrankung des Ischiasnervs dar. Dieser bildet einen der wichtigsten Nerven im menschlichen Bein. Eine schmerzhafte Reizung des Ischiasnervs ist in der Medizin als Ischialgie bekannt. Das Piriformis-Syndrom stellt dementsprechend eine Sonderform der Ischialgie dar. Als Folge können sich Schmerzen im unteren Rücken manifestieren. Statistisch betrachtet sind Frauen vom Piriformis-Syndrom häufiger betroffen als Männer.

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Um das Piriformis-Syndrom zu verstehen, ist neben dem Ischiasnerv eine weitere anatomische Struktur von Bedeutung: der Piriformis-Muskel. Wie jeder Muskel zieht er sich zusammen, wenn er von den Nerven das Signal dazu erhält. Er gehört zur quergestreiften Muskulatur und trägt dazu bei, dass Du willentliche Bewegungen ausführen kannst.

Wenn der Piriformis-Muskel angespannt ist, kann er den Ischiasnerv bedrängen. Ärzte sprechen dabei auch von einem Kompressionssyndrom. Dadurch kommt es in einigen Fällen zu einer Reizung des bedeutsamen Ischiasnervs, was zu den bekannten Schmerzen führt.

Was ist der Piriformis-Muskel?

Das lateinische Wort „piriformis“ bedeutet „birnenförmig“. Der Musculus piriformis gehört zu den Hüftmuskeln. Er befindet sich dort auf der inneren Seite. Seine Aufgabe besteht darin, das Bein zum Körper hin zu ziehen. Darüber hinaus ist er für die Beinrotation nach außen verantwortlich.

Der Musculus piriformis beginnt an der Innenfläche des Kreuzbeins, das sich am unteren Ende der Wirbelsäule befindet. Der Ansatzpunkt des Piriformis-Muskels befindet sich erst am Oberschenkelknochen – genauer: an der Spitze des Trochanter major.

Bei dem Trochanter major handelt es sich um einen Vorsprung am Oberschenkelknochen, der deutlich zu erkennen ist und zur charakteristischen Form des Knochens beiträgt. Der Piriformis-Muskel ist nicht der einzige Muskel, der den Trochanter major als Halt nutzt. Auch der kleine und der mittlere Gesäßmuskel, der Zwillingsmuskel und der innere Hüftlochmuskel sind an diesem wichtigen Knochenvorsprung befestigt.

Symptome des Piriformis-Syndroms

Ein zentrales Merkmal des nervlichen Kompressionssyndroms sind die Schmerzen, die damit einhergehen. Die Schmerzen sind überwiegend im Gesäß lokalisiert. Sie können sich jedoch bis ins Bein ziehen. So klagen viele Betroffene auch über Schmerzen im Oberschenkel.

Schmerzen im Knie stehen seltener mit dem Piriformis-Syndrom im Zusammenhang, aber das unangenehme Ziehen und Stechen kann auch bis dort ausstrahlen. Schmerzen in der Leiste sind ein weiteres mögliches Symptom des Piriformis-Syndroms.

Das Auftreten von Schmerzen

Die Schmerzen sind bei vielen Betroffenen nicht durchgängig präsent. Stattdessen treten sie oft nur bei bestimmten Bewegungen auf. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass die Schmerzen bei Dir auftreten, wenn Du aufstehst. Das Piriformis-Syndrom kann Dir auch Schmerzen verursachen, wenn Du Deine Beine übereinander schlägst.

Wenn Du sportlich aktiv bist, machen sich die Schmerzen möglicherweise nach dem Training bemerkbar, zum Beispiel nach dem Joggen. Einige Betroffene leiden unter den Schmerzen nach längeren Spaziergängen.

Nachfolgende Symptome

Nicht selten rufen die Schmerzen weitere Beschwerden hervor. Da die Schmerzen oft auftreten, wenn sich die betroffene Person im Bett auf die andere Seite dreht, ist eventuell der Schlaf beeinträchtigt. Mögliche Folgen von Schlafmangel sind neben Müdigkeit und Erschöpfung unter anderem Stimmungsschwankungen und Konzentrationsprobleme. Zudem behindern die Beinschmerzen Dich womöglich beim Sport, bei der Arbeit oder im Alltag.

Die Schmerzen bedeuten für viele Betroffene eine Verringerung ihrer Lebensqualität. Das ist bei dem Piriformis-Syndrom nicht anders als bei anderen Formen der Ischialgie oder weiteren Arten von Rückenschmerzen.

Sensible Störungen

Ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall erleben manche Betroffene nicht nur Schmerzen, sondern auch Kribbelgefühle in den Beinen. Andere Empfindungsstörungen sind ebenfalls möglich. Dazu gehören beispielsweise Taubheitsgefühle sowie Wärme- und Kälteempfindungen, die sich nicht auf einen adäquaten Reiz zurückführen lassen.

Arbeitsunfähig oder arbeitsfähig?

Wenn ein Arzt beurteilt, ob Du wegen des Piriformis-Syndroms arbeitsunfähig bist oder nicht, fließen verschiedene Überlegungen in den Entscheidungsprozess ein. Eine wichtige Rolle spielen Deine individuellen Beschwerden. Doch auch Deine Arbeit selbst wird bei der Einschätzung berücksichtigt.

Auf diese Weise ist es möglich, dass zwei Personen, die beide unter dem Piriformis-Syndrom leiden, unterschiedlich beurteilt werden. Möglicherweise erhält der eine Betroffene eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und der andere nicht. Das ist nicht automatisch unfair, sondern oft den individuellen Umständen geschuldet.

Eine Arbeitsunfähigkeit kann auch vorliegen, wenn zu erwarten ist, dass sich das Kompressionssyndrom durch die berufliche Tätigkeit verschlimmert. Eine Massagesitzung bei einem Physiotherapeuten oder ein anderer Behandlungstermin rechtfertigen für diesen Zeitraum jedoch keine Krankschreibung.

Welche Ursachen kann das Piriformis-Syndrom haben?

Die Ursache für das Piriformis-Syndrom kann beispielsweise mit der Hüfte oder mit dem Kreuzbein zusammenhängen. Eine mögliche kausale Verbindung stellt eine schlechte Körperhaltung dar.

Manchmal entsteht das Piriformis-Syndrom infolge einer plötzlichen Bewegung, die Du mit viel Kraft ausführst. Insofern ist es möglich, dass Du Dir das Kompressionssyndrom zum Beispiel beim Sport zuziehst. Verkürzte Muskelfasern können ebenfalls eine Ursache des Piriformis-Syndroms bilden. Bei manchen Menschen ist ein verkürzter Muskel angeboren.

Allerdings kann sich der Muskel auch erst später verkürzen. Ein übermäßiger Muskelaufbau ohne ausgleichende Dehnübungen führt mitunter zu diesem Problem. Umgekehrt bilden Bewegungsmangel und Bettlägerigkeit ebenfalls eine potenzielle Ursache für einen Muskel, der kürzer als üblich ist.

Verkürzte Muskeln stellen jedoch nicht die einzige mögliche Erklärung für das Piriformis-Syndrom dar. Darüber hinaus können bestimmte Verletzungen das nervliche Kompressionssyndrom nach sich ziehen.

Wenn Du zu viel Zeit im Sitzen verbringst, könnte dies ebenfalls eine (Mit-)Erklärung für das Piriformis-Syndrom sein. Insbesondere Sitzhaltungen, bei denen Du Deinen Körper über längere Zeit hinweg einseitig belastest, gelten als ungünstig für den Bewegungsapparat. Dies gilt für das Piriformis-Syndrom ebenso wie für andere Rückenschmerzen.

Mögliche Behandlungsansätze

Viele Behandlungen, die beim Piriformis-Syndrom eine Besserung versprechen, basieren auf ergotherapeutischen und physiotherapeutischen Ansätzen. Bei dem nervlichen Kompressionssyndrom im Hüftbereich sind solche Behandlungsoptionen naheliegend – denn immerhin geht das Syndrom auf eine erhöhte Spannung im Piriformis-Muskel zurück.

Individuelle Behandlung

Bei allen Therapien, die wir hier nennen, solltest Du stets bedenken: Wie bei jeder Krankheit, so hängt auch beim Piriformis-Syndrom die Behandlung vom Einzelfall ab. Um die richtige Behandlungsmethode zu finden, benötigst Du eine korrekte Diagnose.

Bei Rückenleiden ist es für Laien allerdings besonders schwierig, die verschiedenen Krankheiten zu differenzieren und die Ursachen zu identifizieren. Dein Hausarzt steht Dir in gesundheitlichen Angelegenheiten als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Ein Allgemeinmediziner ordnet die Beschwerden ein und verweist Dich bei Bedarf an einen passenden Facharzt. Insbesondere bei schweren oder anhaltenden Beschwerden solltest Du einen kompetenten Rat einholen.

Massagen

Einige Betroffene lassen sich von einem Physiotherapeuten massieren. Eine Massage kann dazu beitragen, die Spannungen im Muskel zu reduzieren und das Gewebe zu lockern. Die Massage regt außerdem die Durchblutung an. Dies führt bei vielen Menschen dazu, dass die Schmerzen nachlassen. Deshalb kommen Massagen bei zahlreichen Rückenleiden zum Einsatz und gelten auch bei Bandscheibenvorfällen als ein beliebtes Mittel, um sich Erleichterung zu verschaffen.

Physiotherapeutische Übungen

Physiotherapeutische Übungen können ebenfalls einen Beitrag dazu leisten, das Piriformis-Syndrom zu behandeln. Eine weitere naheliegende Möglichkeit bieten Dehnübungen – insbesondere solche, die sich auf das Gesäß und die Hüfte konzentrieren. Entspannungsübungen sollen ebenfalls dabei helfen, den Muskeltonus zu reduzieren.

Triggerpunkte

Manche Behandler nehmen eventuelle Triggerpunkte ins Visier. Bei myofaszialen Triggerpunkten handelt es sich um punktuelle Verspannungen, die Schmerzen auslösen. Um die Schmerzen zu lindern, kann Dir ein Arzt Schmerzmittel oder entzündungshemmende Präparate empfehlen.

Operation

Bei der Mehrheit der Betroffenen ist die konservative Behandlung ausreichend. In diesem Fall ist keine Operation erforderlich. Allerdings kann eine OP manchmal selbst noch dann helfen, wenn andere Therapien keine ausreichende Verbesserung herbeigeführt haben. Das Ziel einer chirurgischen Behandlung besteht beim Piriformis-Syndrom ebenfalls darin, die Muskelspannung zu verringern. Dies geschieht, indem der Operateur das Muskelgewebe gezielt durchschneidet.

Quellen

Amboss (22.01.2021): Becken und Hüfte. Medizinisches Nachschlagewerk: Amboss.com, URL: https://www.amboss.com/de/wissen/Becken_und_Hüfte [abgerufen am 16.04.2021].

Jannik Blaschke, Patrick Messner & Dr. Frank Antwerpes: Piriformis-Syndrom. Medizinisches Nachschlagewerk: DocCheck Flexikon, URL: https://flexikon.doccheck.com/de/Piriformis-Syndrom [abgerufen am 16.04.2021].

Sieglinde Bogensberger, Dr. med. Norbert Boss, Dr. med. Renate Jäckle, Pola Nwarocki, Siegfried
Parzhuber, Christa Striebeck & Dr. med. Günter Wangerin (2000): Lexikon Medizin. Urban &
Schwarzenberg.

Kristina Jago (16.09.2020): Piriformis-Syndrom. Sportmagazin: Runner’s World / Motor Presse Hamburg, URL: https://www.runnersworld.de/verletzungen-vorbeugung/piriformis-syndrom/ [abgerufen am 16.04.2021].