Arthritis: Entzündung im Körper

Published by

Rücken.net-Redaktion

Die Rücken.net-Redaktion besteht aus einem Team von Sport- und Medizin-Redakteuren, die fundierte Ratgeber rund um das Thema Rückenschmerzen schreiben.

Unter Arthritis versteht man eine entzündliche Gelenkerkrankung, die – anders als die wortverwandte Arthrose – kein degeneratives oder fortschreitendes Krankheitsbild aufweist.

Einer Arthritis können vielfältige Ursachen zugrunde liegen. Eine bakterielle Infektion oder Gicht beispielsweise können diesem Krankheitsbild vorausgehen. Die häufigste Form dieser Gelenkentzündung ist die rheumatoide Arthritis, umgangssprachlich als „Rheuma“ bekannt.

Unser Tipp: Nimm an exklusiven Online-Webinaren von renommierten Gesundheitsexperten teil und erhalte jede Woche die neuesten Tipps und Übungen für Deinen Rücken. Mit dem kostenlosen Rücken.net Newsletter.

Arthritis Symptome

Arthritis entsteht hauptsächlich in den Gelenken der Hände, der Finger und des vorderen Fußes. Schmerzen in diesen Regionen und eingeschränkte Motorik sind erste Hinweise darauf, dass ein Entzündungsprozess im Körper zugange sein kann. Bei circa 50 Prozent der Patient*innen treten so genannte „Rheumaknoten“ unter der Haut im Bereich der Gelenke auf.

Die Schmerzen treten zu Beginn überwiegend während der Nacht auf, mitunter synchron in beiden Händen oder Füßen gleichzeitig. Am Morgen sind die Gelenke stark geschwollen und deutlich erwärmt. Sie sind oft steif und kaum beweglich. Einfache Bewegungsabläufe sind äußerst schmerzhaft und irgendwann kaum mehr möglich.

Untertags ist die Motorik − vor allem der Hände und Finger − stark eingeschränkt. Eine Faust zu ballen etwa scheint unmöglich. Viele Betroffene bemerken das Vorliegen einer Arthritis hauptsächlich beim Schütteln von Händen. Die Fachwelt spricht von „Begrüßungsschmerz“. Mit den primären Beschwerden einher gehen können starkes Schwitzen, Erschöpfungszustände, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.

Arthritis: Verlauf und Prognose

Der Verlauf einer Arthritis ist individuell verschieden. Sie kann konstant progressiv voranschreiten oder in Schüben auftreten. Wenn sie unbehandelt bleibt, greifen die Entzündungsherde auf die größeren Gelenke über. Die so vermehrte Produktion von Gelenksflüssigkeit führt zu starken Schwellungen. Die Zerstörung von Knochen und Knorpelmasse sind die weiteren Folgen.

Die Gelenke verformen sich immer mehr, bis sie schließlich komplett immobil werden. Die Entzündungen können aber auch andere Organe des Körpers befallen. Augen, Herz, Lunge und sogar die Haut können davon betroffen sein. Eine häufige Begleiterkrankung der Arthritis sind Rückenschmerzen und Osteoporose.

Arthritis: Diagnose

Für die Diagnose einer Arthritis sind eine Reihe von klinischen Befunden erforderlich. Allen voran geht eine ausführliche Anamnese durch eine Fachärztin oder einen Facharzt. Dabei wird die vorläufige Diagnose anhand der spezifischen Schmerzmuster sowie den Schwellungen der Gelenke und anderen genannten Symptomen erstellt.

Im Labor werden Blutproben auf Arthritis-Indikatoren hin untersucht. Die Blutwerte zeigen oft eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit. Auch das C-reaktive Protein kann erhöht sein. Diese beiden Entzündungsparameter weisen aber vorerst nur darauf hin, dass eine Entzündung im Körper vorliegt. Wo diese sich genau befindet, gilt es noch zu lokalisieren.

Im Blut und in der Gelenksflüssigkeit lassen sich zudem so genannte Rheumafaktoren nachweisen. Bei ihnen handelt es sich um Antikörper, die gegen das körpereigene Eiweiß arbeiten. Ihr Nachweis ist aber nur ein Glied in der Diagnosekette und nicht der alleinige Beweis dafür, dass eine Arthritis vorliegt. Der CCP-Test hingegen liefert eindeutigere Ergebnisse.

Gelenksveränderungen kann die Ärztin/der Arzt auch im Röntgenbild erkennen. Knochen und/oder Knorpelmasse müssen jedoch noch nicht zwangsläufig beschädigt sein, weshalb ein Röntgen immer nur komplementär zum Einsatz kommt. Wesentlich früher lassen sich Gelenksentzündungen hingegen in einem MRT erkennen. Die dritte diagnostische Möglichkeit ist ein Gelenkultraschall. Er zeigt Entzündungen der Gelenksinnenhaut rechtzeitig auf.

Arthritis: Therapie

Das Hauptaugenmerk der Therapie bei Arthritis ist die schnelle und effektive Linderung der Schmerzen. In weiterer Folge soll die Entzündung gestoppt und die Beweglichkeit der Gelenke wiederhergestellt werden. Je mehr Lebensqualität die Patientin/der Patient zurückgewinnen kann, desto besser.

Arthritis: Medikamente

Analgetika wirken schmerzstillend, können den Entzündungsprozess allein aber nicht aufhalten. Diesem kommt man jedoch mit der Verschreibung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) bei. Sie schwächen akute Entzündungsprozesse in den Gelenken erfolgreich ab, mildern Schwellungen und tragen so zu mehr Beweglichkeit in den betroffenen Gelenken bei.

Kortison ist in seiner Eigenschaft als stärkster bekannter Entzündungshemmer erfolgreich im Einsatz gegen Arthritis, da er die Immunreaktion des Körpers unterdrückt. Die Einnahmedauer ist jedoch begrenzt. Nach dem Absetzen treten die Beschwerden praktisch sofort wieder auf. Eine Langzeittherapie mit Kortison kann jedoch mit schweren Nebenwirkungen einher gehen, weshalb die moderne Medizin grundsätzlich davon absieht.

Antirheumatika der Gruppe DMARDs werden als Basismedikamente bezeichnet. Nur sie sind bislang zufriedenstellend in der Lage, den Entzündungsprozess an Knorpel und Knochen aufzuhalten. Sie verzögern die Gelenkszerstörung nicht nur, in einigen Fällen können sie diese sogar stoppen.

Bis sie ihre volle Wirkung entfalten, können jedoch bis zu 6 Monate vergehen. Diese Zeitspanne wird im Allgemeinen mit Entzündungsblockern überbrückt, die kein Kortison enthalten. Wenn die DMARDs keine Wirkung zeigen, kommen Biologika zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise junge Untergruppe von Medikamenten, welche dem Forschungszweig der Biotechnologie zuzuordnen sind.

Je nach Wirkstoff soll die Therapie körpereigene Botenstoffe und Eiweiße ersetzen, ergänzen oder blockieren. Biologika werden aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt. Sie sind dadurch in der Lage, direkt in den Entzündungsprozess einzugreifen. Die entzündungsfördernden Botenstoffe wie zum Beispiel die Zytokine können mit ihrer Hilfe erfolgreich reduziert werden.

Arthritis: Physikalische Therapie

Sie ist im Rahmen einer Arthritis-Behandlung unerlässlich. Gerade bei rheumatoider Arthritis oder Rheuma können mit ihrer Hilfe große Erfolge im Kampf gegen die Schmerzen erreicht werden. Aber auch die Beweglichkeit und mit ihr ein gesundes und verbessertes Körpergefühl verschaffen Anwendungen aus diesem Bereich. Dazu zählen:

  • Physiotherapie
  • Heilgymnastik
  • Ergotherapie
  • Wärmebehandlungen
  • Kältetherapie
  • Elektro- und elektromagnetische Therapie
  • Heilbäder

Empfehlung der Redaktion: Erhalte jede Woche neue unabhängige Empfehlungen für Produkte und Services, die Deinen Rücken stärken. Mit dem kostenlosen Rücken.net Newsletter.

Komplementäre und alternative Therapien bei Arthritis

Wie bei allen chronischen Erkrankungen lohnt sich auch bei einer Arthritis ein Blick hinaus über den Tellerrand unserer mitteleuropäischen Schulmedizin. Gerade bei Krankheiten, die mit starken chronischen Schmerzen und Entzündungsprozessen im Körper einhergehen, können alternative Heilverfahren tatsächlich eine echte Alternative darstellen.

Radon- oder Heilstollen-Therapie

Das Geheimnis der Wirksamkeit einer Heilstollen-Therapie liegt in der Trias ihrer Wirkfaktoren: Die Kombination aus dem natürlichen Radongehalt im Inneren der Stollen, ihrer Wärme und Luftfeuchtigkeit schaffen ein Klima, welches die primären Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis schnell und effektiv einzudämmen vermag.

Radon wird vom menschlichen Körper über die Atemwege aufgenommen. Jeder Atemzug vermag so den körpereigenen Zellstoffwechsel zu beschleunigen. Auch unsere Haut nimmt die wertvollen Radonmoleküle auf, die im Inneren dafür sorgen, dass Entzündungsprozesse minimiert und im Idealfall sogar gestoppt werden können.

Das Immunsystem wird durch die Aufnahme von Radon gestärkt. Die Aktivität der körpereigenen Abwehrzellen wird gepusht. Freie Radikale, die bei rheumatischen Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen, werden unschädlich gemacht, und der Reparaturmechanismus der Zellen wird angeregt. Für die Patient*innen bedeutet dies:

  • Schmerzfreiheit über mehrere Monate
  • nachhaltige Eindämmung der Entzündungsprozesse
  • Reduzierung der Medikamente
  • ein deutlich gestärktes Immunsystem.

Phytotherapie und Naturheilkunde

Eine Vorreiterrolle kommt auch bei der Phytotherapie China und seiner langen Tradition der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) zu. Allerdings sind einige der besonders wirksamen chinesischen Pflanzen und Kräutermischungen in Europa nicht erhältlich. Zu erwähnen wären hier zum Beispiel die Extrakte der Dreiflügelfrucht.

Doch auch die heimische Pflanzenwelt hat im Kampf gegen Arthritis und Rheuma einiges zu bieten. Die besten Kandidaten für einen komplementärmedizinischen Therapieansatz aus der Pflanzenapotheke der Natur sind Brennnessel, Teufelskralle, Borretsch-Samen und die allseits bekannte Weidenrinde, auf deren Wirkstoffbasis unser heutiges handelsübliches Aspirin beruht.

Brennnesseln können sogar als Gemüse zubereitet werden und konnten so bei einigen Patient*innen zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome beitragen. Erfolge verbuchen konnte auch der Einsatz von Nachtkerzen- oder Borretsch-Öl sowie Öl, welches aus den Kernen der schwarzen Johannisbeere gewonnen wurde.

Zur äußeren Anwendung eignen sich Präparate auf Basis von Beinwell, Arnika und Capsaicin. Letzteres findet sich in Paprika- und Chilipflanzen, welchen es die berühmte Schärfe verleiht. Als Bestandteil von Salben, Gels oder Pflastern ist seine Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen.

Ernährung bei Arthritis

Wie immer in unserem Leben − bei Krankheit noch mehr als bei guter Gesundheit − spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Gerade Patient*innen die unter Arthritis leiden, können durch die Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten erstaunliche Verbesserungen ihres Allgemeinbefindens erzielen. Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei dem Konsum der „richtigen“ und „falschen“ Fette zu.

Fett ist nicht gleich Fett

Wie inzwischen durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt werden konnte, sind bestimmte Fette in unserer Nahrung dafür verantwortlich, im Körper Entzündungsprozesse auszulösen und zu verstärken. Dazu zählen die Omega 6-Fettsäuren, allen voran die Arachidonsäure.

Sie können nicht selbst vom Körper gebildet werden, sondern werden ausschließlich über die Nahrung aufgenommen. Betroffene halten mit diesem Wissen ein gezieltes und sehr effektives Werkzeug in Händen, mit denen sie maßgeblich und zu 100 Prozent in Eigenregie über ihr Wohlbefinden entscheiden können. Nach Möglichkeit gänzlich verzichten sollte man auf:

  • Fleisch und Wurstwaren
  • tierische Fette wie Schmalz oder Butter
  • Eier

Ganz anders hingegen reagiert unser Körper auf die Zufuhr von Fetten aus der Gruppe der Omega 3-Fettsäuren. Sie wirken entzündungshemmend und fördern die Bildung von schmerzhemmenden Hormonen, den sogenannten Prostaglandinen. Zudem verhindern Omega 3-Fettsäurend die Bildung von Arachidonsäure und sind sogar in der Lage, diese aus unseren Körperzellen zu entfernen.

Hauptlieferanten für Omega 3-Fettsäuren sind Meeresfische wie Lachs, Makrele, Thunfisch, Hering oder Sardinen. Bei der Zucht von Süßwasserfischen wird Fischöl mitunter dem Futter beigemengt, was den Fettgehalt der Fische in weiterer Folge erhöht. Wenn möglich und leistbar sollte aber auf frischen Fisch aus nachhaltigem Fang gesetzt werden. Gerade in der Fischzucht kommen auch Medikamente wie Antibiotika zum Einsatz, die man nicht unbedingt auf dem Teller und in weiterer Folge im Körper haben möchte.

Eine vegetarische oder laktovegetarische Ernährungsform hingegen führt innerhalb kürzester Zeit zu einer Linderung der Schmerzen und einer signifikanten Verbesserung des Allgemeinzustandes. Gemüse, Obst und Nüsse bilden eine wertvolle Basis für ein Leben ohne Entzündungsherde im Körper. Leinöl, Rapsöl und Spinat versorgen uns darüber hinaus mit der wertvollen Alpha-Linolensäure, welche die schädliche Arachidonsäure zu hemmen imstande ist.

Leben mit Arthritis: (K)ein Schicksal

Ein Leben mit Arthritis verlangt den Betroffenen einiges an Schmerztoleranz und Einschränkung der Beweglichkeit ab. Dennoch kann jede und jeder selbst viel dazu beitragen, um die Krankheit nicht die Oberhand gewinnen und das Leben bestimmen zu lassen.

Bislang kann man die Erkrankung zwar nicht heilen, doch wir selbst können durchaus einiges dazu beitragen, um Entzündungsprozesse zu verhindern. Dies bedeutet in der Folge weniger Schmerzen und letztlich weniger Medikamente. Gelenkschonende Bewegung, eine ausgewogene Ernährung auf Basis der Mittelmeerdiät sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sind mächtige Werkzeuge im Kampf gegen Arthritis.

Bleib am Ball: Der Rücken.net Newsletter ist Dein Begleiter für den Alltag. Er erinnert Dich einmal pro Woche daran, auf Deine Körperhaltung und Deinen Stresspegel zu achten und gibt Dir alltagstaugliche Übungen zur Selbsthilfe an die Hand.

Referenzen:

  1. https://gelenk-klinik.de/gelenke/arthritis-ursachen-symptome-und-behandlung.html
    https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/rheuma-physikalische-therapie-ist-unentbehrlich/
  2. https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-0995-6076
  3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1954640/ (Deal CL, Schnitzer TJ, Lipstein E, Seibold JR, Stevens RM, Levy MD, Albert D, Renold F. Treatment of arthritis with topical capsaicin: a double-blind trial. Clin Ther. 1991 May-Jun;13(3):383-95. PMID: 1954640).