Wirbelgleiten: Symptome und Ursachen von Spondylolisthesis

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Rücken.net-Redaktion

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Ein komplizierter Begriff umschreibt hier einen nicht minder komplexen Vorgang innerhalb der menschlichen Wirbelsäule. Der Spondylolisthesis zugrunde liegt eine Erkrankung der Rückenwirbel namens Spondylolyse.

Diese verursacht Risse oder sogar regelrechte Spalte innerhalb eines Wirbelbogens. Dadurch kann der Wirbelkörper in weiterer Folge instabil werden. Kommt es anschließend zu einer Verschiebung der Wirbel, liegt eine Spondylolisthesis vor. Umgangssprachlich wird dieses Krankheitsbild als Wirbelgleiten bezeichnet.

Welche Arten von Spondylolisthesis gibt es?

Der „echten“ Spondylolisthesis gegenüber steht die degenerative. Sie ist eine Folgeerkrankung von Abnützungserscheinungen, Dauerbelastung und chronischen Haltungsschäden. Neben den Wirbeln leiden auch die Bandscheiben mit zunehmendem Lebensalter. Sie werden durch den natürlichen Alterungsprozess mit der Zeit immer dünner und verlieren an Stabilität.

Übermäßige Beanspruchung kann zudem zu einer Abnutzung der Bandscheiben führen, was in weiterer Folge auch die Wirbelgelenke und ihre Bänder in Mitleidenschaft zieht. Dadurch lockert sich nach und nach die Bindung zwischen den Wirbeln.

Die degenerative Spondylolisthesis betrifft aus diesen Gründen fast ausschließlich ältere Personen. Das Risiko für das Ausbilden dieser Erkrankung steigt mit dem Erreichen des 50. Lebensjahres.

Klassifiziert wird die Spondylolisthesis einerseits nach ihrer Ursache:

  • kongenital: (angeborene Fehlbildung der Wirbelkörper)
  • isthmisch: (beidseitiger Bruch des Wirbelbogens)
  • degenerativ: (Folge einer Arthrose oder eines Bandscheibenvorfalls)
  • traumatisch: (Verletzung aufgrund eines Unfalls)
  • pathologisch: (Folge eines Tumors oder einer Knochenerkrankung)

Die weitere Unterteilung betrifft den Schweregrad der Erkrankung. Gemessen wird dabei in Meyerding-Graden. Benannt ist diese Erhebung nach dem amerikanischen Arzt Henry William Meyerding, der seine Erkenntnisse zu Verlauf und Schweregrad der Spondylolisthesis bereits in den 1930er-Jahren publizierte. Seine Einteilung in vier Stufen ist bis heute gültig. Als Basis herangezogen wird, wie weit sich ein Wirbel im Verhältnis zum nächsten verschoben hat. Dieser Zustand der Patient*innen wird dann mit Meyerding Grad oder MD I bis IV klassifiziert.

Was versteht man unter Wirbelgleiten?

Die Bezeichnung „Wirbelgleiten“ trifft den Vorgang, der sich innerhalb der Wirbelsäule abspielt, sehr präzise. Die Wirbelkörper sind nicht mehr stabil, können daher nicht länger in ihrer ursprünglichen Position entlang der Wirbelsäule verbleiben. Sie gleiten oder driften auseinander. Dies kann sowohl nach vorne, als auch nach hinten oder zur Seite hin geschehen.

Welche Ursachen gibt es für Wirbelgleiten?

Der Grunderkrankung Spondylolyse geht häufig eine familiäre Prädisposition voraus. Aber auch Traumata wie Ermüdungsbrüche oder bestimmte Sportarten wie Judo oder Kunstturnen begünstigen das Auftreten dieser Erkrankung.

Wie erfolgt die Diagnose?

Der erste Schritt ist auch hier die ausführliche Anamnese, bei welcher Ärztin oder Arzt gezielt nach familiärer Vorbelastung, spezifischer sportlicher Betätigung oder vorhergehenden Therapien und Operationen fragt. Auch Traumata, die infolge von Stürzen oder Unfällen auftreten, müssen abgeklärt werden. Dem Gespräch zugrunde liegt weiters eine ausführliche Dokumentation der Beschwerden wie Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit.

Die nächsten diagnostischen Maßnahmen sind das Anfertigen eines Röntgenbildes sowie eine Untersuchung mittels MRT (Magnetresonanztomographie). Diese gibt neben dem Zustand der Wirbelkörper auch Aufschluss über die Beschaffenheit der Bandscheiben, der Bänder und Nervenbahnen.

Zusätzlich kann noch eine Untersuchung mittels CT (Computertomographie) hilfreich sein. Sie liefert Erkenntnisse über die Qualität der Nervenstrukturen. Dazu ist allerdings die Gabe eines Kontrastmittels notwendig, was manche Patient*innen als unangenehm empfinden. Das CT-Bild liefert zudem bessere Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Knochenstruktur und zeigt beispielsweise eventuell vorliegende Verkalkungen zuverlässig auf.

Therapie und Behandlung bei Wirbelgleiten

Die Art der Therapie bei Wirbelgleiten hängt zum einen von der Ursache der Verschiebung ab, zum anderen vom Grad der Beeinträchtigung. Sind noch keine neurologischen Ausfälle zu bemerken und die Schmerzen im Rahmen des Erträglichen, kann konservativ behandelt werden.

Die Gabe von Schmerzmitteln und eine gezielte Physiotherapie unter fachlicher Anleitung sind dabei die ersten wichtigen Schritte. Die Übungen dienen vor allem der Stärkung der Rückenmuskulatur. Einmal korrekt erlernt, können sie in weiterer Folge zuhause selbstständig ausgeführt werden.

Wichtig sind dabei das regelmäßige Training und ein langfristiges Beibehalten dieser Übungen. Tatsächlich kann unser Bewegungsapparat mit der Unterstützung durch eine regelmäßige, gezielte Rückengymnastik die Instabilität der Wirbelsäule bis zu einem gewissen Grad kompensieren.

Auch eine Elektrotherapie kann bei Spondylolisthesis helfen. Die dabei verabreichten Stromimpulse lindern die Schmerzen zuverlässig und aktivieren darüber hinaus die Muskelfunktion. Auch einfache Hilfsmittel wie Schuheinlagen können in vielen Fällen bereits eine deutliche Verbesserung des Körpergefühls bewirken.

Manchmal kann auch das Tragen eines maßangefertigten Korsetts, einer sogenannten Rumpforthese, mittel- bis langfristig die Wirbelsäule wieder in ihre korrekte Form bringen. Dieses Korsett wird sehr eng am Körper angelegt und soll nach kürzeren Eingewöhnungsphasen, deren Intervalle immer länger angesetzt werden, im Idealfall 23 Stunden pro Tag getragen werden.

Dies verlangt den Patient*innen einiges an Selbstdisziplin, aber auch Überwindung ab. Besonders dem gesunden Schlaf kommt dann verstärkt große Bedeutung zu, da das Schlafen mit einer Rumpforthese zu Beginn ungewohnt, unangenehm und nicht gerade bequem ist.

Die Statistik jedenfalls spricht klar für den Erfolg konservativer Therapiemaßnahmen. Eine Vielzahl der leichteren Fälle von Wirbelgleiten kann mittels konservativer Behandlung langfristig sehr gute Erfolge erzielen. Ziel ist es, eine Operation weitestgehend zu vermeiden. Leiden die betroffenen Patient*innen an Übergewicht, ist eine Reduktion des Körpergewichts unbedingt anzustreben.

Schmerztherapie bei Wirbelgleiten

Der Schmerztherapie kommt auch beim Wirbelgleiten oberste Priorität zu. Sie ermöglicht den Patient*innen, schnell wieder in ein möglichst normales Leben zurückzukehren und die ursprüngliche Lebensqualität wiederzuerlangen.

Hauptsächlich treten Schmerzen durch Wirbelgleiten im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Sie können mitunter bis ins Gesäß und die Oberschenkel ausstrahlen. Bei Rückenschmerzen, die durch Wirbelgleiten verursacht werden, spricht die Schulmedizin von unspezifischen und belastungsabhängigen Rückenschmerzen.

Je nach Diagnose reichen einfache Schmerzmittel aus, um den Betroffenen Linderung zu verschaffen. Sind Entzündungsprozesse Begleiterscheinungen des Wirbelgleitens, werden Ärztin oder Arzt antientzündliche und muskelentspannende Medikamente verschreiben. Hier besteht auch die Möglichkeit, diese Medikamente direkt in die schmerzhaften Regionen zu injizieren.

Wirbelgleiten: Welcher Sport ist empfehlenswert?

Lautet die Diagnose „Wirbelgleiten“, so wird jede sportliche Aktivität mit den behandelnden Ärzt*innen abzusprechen sein. Nicht wenige Sportarten fördern oder verursachen sogar eine Spondylolisthesis. Daher ist hier große Vorsicht geboten.

Zu Beginn einer konservativen Therapie kann ein generelles Sportverbot von bis zu drei Monaten ärztlich verordnet werden. Der Körper soll dieserart die Gelegenheit bekommen, sich zu erholen und sich an Therapie, Krankengymnastik oder an das Tragen eines Korsetts zu gewöhnen. Dies entscheiden Ärztin oder Arzt jedoch im Einzelfall.

Die sportliche Belastbarkeit ist immer abhängig vom Grad des Wirbelgleitens und den damit einhergehenden Beschwerden. Die Belastbarkeitsgrenze jedes einzelnen Betroffenen ist individuell. Grundsätzlich können jedoch Rückenschwimmen, Krafttraining mit Fokus auf die Bauch- und Rückenmuskulatur sowie Sportarten mit sanften Bewegungsabläufen wie Radfahren oder Nordic Walking in Erwägung gezogen werden.

Wirbelgleiten: Welche Übungen helfen?

Grundsätzlich gilt wie bei jeder Erkrankung des Bewegungsapparates: keine Selbsttherapie oder Selbstmedikation ohne Rücksprache mit Expert*innen durchführen! Das Risiko, mit solchen Alleingängen mehr Schaden als Nutzen zu produzieren, ist sehr hoch.

Alle Übungen, die im Rahmen einer Physiotherapie, Krankengymnastik oder Rückenschule gezeigt und erlernt werden, sind empfehlenswert. Notfalls bieten auch seriöse Online-Plattformen Anregungen und Anleitungen, wie korrekte Übungen bei Wirbelgleiten auszusehen haben.

Wie wird Wirbelgleiten in der GdB-Tabelle bewertet?

Die GdB-Tabelle gibt Auskunft darüber, wie sehr eine Erkrankung den Grad der Behinderung rechtfertigt. Wirbelsäulenschäden werden je nach Beeinträchtigung der Mobilität und etwaiger Therapiemaßnahmen (Korsett, Operation) von leicht (10 Punkte) bis schwer (70 oder 80 Punkte) bewertet. Einen allgemein gültigen Richtwert gibt es dabei nicht.

Macht Wirbelgleiten arbeitsunfähig?

Bei einer schweren Form des Wirbelgleitens mit starker Beeinträchtigung der Mobilität, neurologischen Ausfällen und entsprechend hoch dosierter Schmerzmedikation wird die Arbeitsfähigkeit über kurz oder lang sicher nicht mehr gegeben sein können. Auch hier ist jedoch jeweils der Einzelfall zu betrachten.

Spondylolisthesis oder Wirbelgleiten: Was sagen Erfahrungsberichte?

Im Internet-Zeitalter ist es dankenswerterweise kein Problem, Erfahrungsberichte von Leidensgenoss*innen zu finden, die aus eigener Perspektive über ihre Krankheit berichten. Geteiltes Leid ist immer halbes Leid.

Die Anonymität und Diskretion des Internet kommen vielen Betroffenen dabei zusätzlich zugute. Selbsthilfegruppen, Online-Foren und Plattformen für Patient*innen und deren Angehörige können schnell und einfach eine echte Hilfe sein. Ein Erfahrungsaustausch ist vor allem dann empfehlenswert, wenn bereits die Frage im Raum steht, ob eine Operation durchgeführt werden soll oder nicht.

Diese Entscheidung ist niemals leicht. Ein Austausch mit Personen, diese bereits getroffen haben, kann oftmals hilfreicher sein als sämtliche Prognosen, Daten und Fakten, die Ärztin oder Arzt darlegen können.

Wirbelgleiten: OP ja oder nein?

Ein chirurgischer Eingriff wird dann unumgänglich sein, wenn die Patient*innen unter neurologischen Ausfällen leiden und die konservative Behandlung keinen Erfolg zeigt. Leiden die Betroffenen trotz Therapie zunehmend an Schmerzen, wird eine Operation über kurz oder lang der einzige Weg zurück in ein normales Leben sein.

Das Auseinanderdriften der Wirbelkörper kann sich mit der Zeit auch verschlechtern, was oft der endgültige Hinweis dafür ist, dass eine Operation in Erwägung gezogen werden muss. Das Ziel des Eingriffs ist die Entlastung der Nervenbahnen, die Stabilisierung der Wirbelsäule und das Rückführen der Wirbelkörper in ihre ursprüngliche Position.

Nach der OP: Wie lange ist man krankgeschrieben?

Das Beibehalten einer begleitenden, konservativen Therapie kann auch nach einer Operation nicht ausbleiben. In der Regel werden den Patient*innen noch im Krankenhaus von Physiotherapeut*innen entsprechende Übungen für zuhause gezeigt. Die Entlassung aus der Klinik kann meist bereits nach einigen Tagen erfolgen.

Ein Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung wird in den meisten Fällen empfohlen. Das neue Körpergefühl muss erst wieder erlernt werden. Sanftes Training und ein Begleiten hinein in den Alltag sind darüber hinaus sinnvolle Maßnahmen, die den Weg zurück in ein Leben ohne Schmerzen erleichtern.

Die Dauer der Rekonvaleszenz hängt auch nach der Operation von den jeweiligen Genesungsfortschritten ab. Statistiken zufolge muss mit einem durchschnittlichen Krankenstand von vier bis sechs Wochen gerechnet werden.

Kann man Wirbelgleiten rückgängig machen?

Die gute Nachricht zuerst: In vielen Fällen kann das Entgleiten der Rückenwirbel tatsächlich wieder so gut wie rückgängig gemacht werden. Das disziplinierte Tragen eines Korsetts kann bei leichten Fällen bereits wieder zu einer korrekten Haltung führen. Lebenslanges Training der Rückenmuskulatur und ein achtsamer Umgang mit dem Bewegungsapparat sind dafür jedoch die Voraussetzungen.

Eine Operation hat im Grunde genommen immer zum Ziel, den ursprünglichen Zustand der Wirbel und ihre eigentliche Positionierung entlang der Wirbelsäule wiederherzustellen. Durch das Fixieren der Wirkbelkörper mit entsprechenden Schrauben ist eine neuerliche Verschiebung kaum mehr möglich. Regelmäßige Kontrollen mittels Röntgenaufnahmen verschaffen zusätzlich Gewissheit darüber, dass im Rücken wieder alles im Lot ist.

Quellen:
https://neurochirurgie.insel.ch/erkrankungen-spezialgebiete/wirbelsaeule/wirbelgleiten
https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/gelenks-und-knochenerkrankungen/spondylolisthesis-wirbelgleiten-743857.html
https://link.springer.com/article/10.1007%2FPL00003437
https://www.online-physiotherapie.de/uebungen/ruecken/gleitwirbel/
https://www.amboss.com/de/wissen/Wirbelgleiten