Rückenschmerzen: Woher kommen die Beschwerden und was können Sie dagegen tun?

Rückenschmerzen

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Bei akuten Rückenschmerzen handelt es sich um Kreuzbeschwerden, die maximal sechs Wochen lang andauern. Nicht in jedem Fall verbirgt sich dahinter eine Ursache, die einer professionellen Behandlung bedarf.

Akute und chronische Schmerzen im Rücken

Wenn die Rückenschmerzen jedoch länger als zwölf Wochen anhalten oder immer wiederkehren, sprechen Mediziner von chronischen Rückenschmerzen. Allerdings ist mit dieser Dauer noch nicht die zeitliche Höchstgrenze erreicht. Einige Patienten leiden Jahre oder sogar Jahrzehnte lang unter Schmerzen im Rücken.

Weniger bekannt ist, dass es zwischen akuten und chronischen Rückenschmerzen noch eine dritte Kategorie gibt, die sich an der Dauer der Kreuzbeschwerden orientiert. Dabei handelt es sich um subakute Schmerzen. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie den Patienten zwischen sechs und zwölf Wochen lang plagen.

Eine andere Definition geht davon aus, dass chronische Rückenschmerzen innerhalb eines Jahres mehr als der Hälfte der Zeit vorhanden sind. Dieser Definition zufolge lassen sich akute Rückenschmerzen mit „vorübergehend“ gleichsetzen.

Wie lange die Rückenschmerzen einen Patienten beschäftigen werden, lässt sich im Voraus nicht abschätzen. Dementsprechend kommt es vor, dass ein Behandler zunächst akute Rückenschmerzen feststellt und die Diagnose im weiteren Verlauf anpassen muss.

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Schmerzen im unteren Rücken

Rückenschmerzen, die sich im unteren Bereich des Rückens bemerkbar machen, werden auch als Lendenwirbelsäulensyndrom bezeichnet – kurz LWS-Syndrom. Das LWS-Syndrom stellt keine Krankheit im engeren Sinne dar. Vielmehr handelt es sich um einen Sammelbegriff für unterschiedliche Probleme, die oft nicht leicht voneinander zu unterscheiden sind.

Hinter dem LWS-Syndrom kann beispielsweise ein Bandscheibenvorfall stecken. Dabei wölbt sich die Bandscheibe vor, verrutscht oder der gallertartige Kern tritt am Ende sogar aus. Wenn die Bandscheibe dabei auf eine Nervenwurzel drückt, entstehen die charakteristischen Schmerzen im unteren Rücken. Weitere Symptome wie Kribbelgefühle oder Lähmungen können hinzukommen. Einige LWS-Bandscheibenvorfälle verlaufen jedoch vollkommen symptomfrei.

Für die Schmerzen im unteren Rücken kann jedoch auch ein Hexenschuss verantwortlich sein. Diese umgangssprachliche Bezeichnung kann sich auf mehrere medizinische Diagnosen beziehen, unter anderem meint der „Hexenschuss“ eine Lumbalgie. Für die Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule kommen zudem weitere Auslöser in Betracht, beispielsweise:

  • Wirbelblockade
  • Tumor
  • muskuläre Zerrung
  • Entzündung.

Zum anderen kann sich der Begriff „Hexenschuss“ auf eine Ischialgie beziehen. Die Ischiasnerv-Reizung besitzt ebenfalls mehrere mögliche Ursachen.

Für die Schmerzen im unteren Rücken ist in einigen Fällen auch ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung in der Lendenwirbelsäule verantwortlich. Rund 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle finden im Bereich der Lendenwirbelsäule statt. Probleme mit den Bandscheiben können wiederum die Ursache für eine Lumbalgie oder Ischialgie sein. Die verschiedenen Begriffe sind in der Praxis oft nicht eindeutig voneinander abgrenzbar.

Schmerzen im oberen Rücken

Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule sind deutlich seltener als LWS-Prolapse. In der Brustwirbelsäule kommen Bandscheibenvorfälle kaum vor. Rückenschmerzen im oberen Rücken lassen sich in einigen Fällen jedoch auf eine der beiden Ursachen zurückführen.

Rückenbeschwerden an den Schultern gehen teilweise auch auf muskuläre Verspannungen zurück. Triggerpunkte, die durch punktuelle myofasziale Verhärtungen entstehen, bilden eine weitere mögliche Erklärung für die Schmerzen im oberen Rücken.

Die Rücken- und Nackenprobleme entstehen mitunter durch eine problematische Sitzhaltung. Personen, die viel Zeit im Sitzen verbringen, sind von verschiedenen Rückenschmerzen besonders oft betroffen. Dabei stellt nicht nur eine falsche Sitzhaltung ein Problem dar. Das lange Sitzen geht häufig mit einem unzureichenden Maß an Bewegung einher. Infolgedessen ist die Rückenmuskulatur nicht ausreichend trainiert – denn Muskeln benötigen einen Anreiz, um sich zu verstärken. Eine gut ausgeprägte Rückenmuskulatur wiederum bietet vielen Menschen einen zuverlässigen Schutz vor Rückenschmerzen.

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Kreuzschmerzen in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft befindet sich der Körper in einer Ausnahmesituation. Neun Monate lang wächst das Kind in der Gebärmutter heran. Gleichzeitig steigt das Gewicht, dass die Schwangere zusätzlich mit sich herumträgt. Zum Eigengewicht des Kindes kommt das Gewicht des Fruchtwassers hinzu.

Die Rückenmuskeln, die Wirbelsäule und der übrige Körper müssen diese zusätzliche Last tragen. Dabei kommt es leicht zu Verspannungen, die Rückenschmerzen auslösen können. Darüber hinaus steigt in der Schwangerschaft das Risiko dafür, dass Sie einen Bandscheibenvorfall erleiden.

Auch die hormonellen Veränderungen, die während der außergewöhnlichen Lebensphase stattfinden, werden immer wieder als ein möglicher Faktor bei der Entstehung von Rückenschmerzen diskutiert. Darüber hinaus stehen viele Schwangere unter einem erhöhten Stresspegel. Von psychischem Stress ist bekannt, dass er sich auf die Schmerzwahrnehmung auswirken kann.

Auch ohne eine Schwangerschaft leidet die Mehrheit der Frauen in Deutschland regelmäßig unter Rückenschmerzen.

Übungen gegen Rückenschmerzen

Aktive Übungen sind ein beliebtes Mittel, um den lästigen Rückenschmerzen den Kampf anzusagen. Viele Bewegungsformen lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

  1. physiotherapeutische Übungen
  2. Fitness-Übungen

Physiotherapeutische Übungen basieren im Idealfall auf etablierten Konzepten, die in der Praxis erprobt wurden und einen nachweisbaren Effekt hervorrufen. Allerdings ist insbesondere für Laien nicht immer erkennbar, ob es sich bei einer Rückenübung um eine orthopädisch sinnvolle Bewegungsabfolge handelt – oder ob der Nutzen umstritten ist.

Fitness-Übungen beabsichtigen, die Rückenmuskulatur zu kräftigen. Dadurch ist der Rücken in der Lage, sein eigenes Gewicht besser zu tragen und dem Rest des Körpers, wie dem Kopf und den Schultern, einen guten Halt zu gewähren.

Im Unterschied dazu gibt es Übungen, die den Rücken gezielt entlasten oder die Entspannung von verspannten Muskeln unterstützen sollen. Der Übergang zwischen Physiotherapie und Fitness ist oft fließend. Wenn Du bereits unter Rückenschmerzen leidest, solltest Du bei der Ausführung von Übungen behutsam vorgehen. Hol Dir lieber vorher den Rat Deines Arztes ein, als hinterher eine unvorsichtige Bewegung zu bereuen! Insbesondere bei bekannten Problemen wie Bandscheibenvorfällen solltest Du unbedingt auf Deinen Behandler hören.

Nicht nur Bewegung gilt als ein probates Mittel gegen Rückenschmerzen. Auch Wärmebehandlungen und Massagen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Rückenprobleme und andere Beschwerden

Dass orthopädische Probleme sich in Rückenschmerzen niederschlagen können, leuchtet jedem ein. Allerdings gibt es auch Krankheiten, bei denen der Zusammenhang zwischen der Ursache und den Kreuzschmerzen nicht so offensichtlich ist.

Zum Beispiel treten Rückenschmerzen mitunter auch bei Patienten auf, die unter einer Magenschleimhautentzündung leiden. Die bei Frauen auftretende Endometriose geht in manchen Fällen ebenfalls mit Rückenschmerzen einher.

Des Weiteren kommt es vor, dass die Rückenschmerzen sich auf eine Lungenentzündung zurückführen lassen. Die auffälligsten Symptome bilden dabei oft der charakteristische Husten und das Fieber. Wenn Du sehr oft und intensiv hustest, kannst Du Dir dadurch sogar einen Nerv einklemmen. Dies kann eine weitere Ursache für Rückenbeschwerden sein.

Spezifische und unspezifische Rückenschmerzen

Die Medizin unterscheidet (neben anderen Kategorisierungen) zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen.

Zu den spezifischen Rückenschmerzen gehören all jene Beschwerden, die auf einem klar identifizierbaren Auslöser basieren. Beispiele dafür sind:

Unspezifische Rückenschmerzen machen die große Mehrheit der Kreuzbeschwerden aus. Einigen Quellen zufolge sollen 85 Prozent der Rückenschmerzen unspezifisch sein. Häufig handelt es sich dabei um akute Rückenschmerzen, die nach einiger Zeit wieder verschwinden.

Ob spezifisch oder unspezifisch: Kreuzbeschwerden können für die Betroffenen zur Qual werden. Insbesondere chronische und starke Schmerzen stellen für viele Patienten eine Belastung dar. Im Alltag entstehen in einigen Fällen neue Herausforderungen, zum Beispiel durch die physischen Anforderungen am Arbeitsplatz.

Risikofaktoren – Rückenproblemen vorbeugen

Rückenschmerzen zeichnen sich durch eine enorme Vielfalt aus. Da die Kreuzbeschwerden mehrheitlich unspezifisch und vorübergehend sind, bietet sich für viele Menschen jedoch die Chance, aktiv der Entstehung von Rückenproblemen vorzubeugen.

Einer der Risikofaktoren für Kreuzschmerzen ist Übergewicht. Indem Du DeinKörpergewicht in einem normalen Rahmen hältst, vermeidest Du darüber hinaus auch einen Risikofaktor für viele andere orthopädische und Zivilisationskrankheiten.

Ähnliches gilt für einen weiteren Risikofaktor: Bewegungsmangel. Durch gezielte Rückenübungen stärkstn Du die Muskeln, die Deine Wirbelsäule stützen. Ein gesundes Ausmaß an Bewegung unterstützt Dich zudem bei Deiner Mission, Dein Körpergewicht im empfohlenen BMI-Bereich zu halten.

Eine gute Sitzhaltung ist für den Rücken ebenfalls relevant. Wenn Du am Computer arbeitest, solltest Du auf eine angemessene Bildschirmhöhe achten. Der Stuhl und der Tisch sollten sich im Sitzen ebenfalls in einem Verhältnis befinden, das eine gute Sitzposition fördert. Beim Heben von Lasten spielt die richtige Körperhaltung eine wichtige Rolle.

Können Rückenschmerzen psychische Ursachen haben?

Zur Psyche des Menschen gehört alles, was mit dem Erleben und Verhalten zusammenhängt. Bei Schmerzen handelt es sich um eine Interpretation des Nervensystems – deshalb lässt sich eine Verbindung zwischen dem Schmerzempfinden und der Psyche im weitesten Sinne nicht leugnen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass Schmerzen eine Frage der richtigen (oder falschen) mentalen Einstellung sind. Wie Du Schmerzen wahrnimmst, hast Du Dir nicht selbst ausgesucht. Durch kritische Lebensereignisse und Dauerstress kann sich das subjektive Schmerzempfinden verändern.

Mit der somatoformen Schmerzstörung existiert sogar eine psychovegetative Begleiterscheinungdes primären Seelenschmerzes, die sich in körperlichen Symptomen äußert. Die Schmerzen sind dabei weder simuliert noch eingebildet – sie existieren tatsächlich und dauern mindestens sechs Monate an. Die Schmerzursache ist bei der somatoformen Schmerzstörung jedoch seelisch bedingt und nicht organisch.

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Referenzen:

  1. Deutsche Schmerzgesellschaft: schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/seelenschmerz-somatoforme-schmerzstoerung
  2. flexikon.doccheck.com/de/R%C3%BCckenschmerzen
  3. flexikon.doccheck.com/de/Subakut
  4. onmeda.de/krankheiten/rueckenschmerzen.html
  5. S2k-Leitlinie zur Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik. AWMF-Registernummer 033-048 [Version vom 3. September 2020]

geprüft und ergänzt am 07.04.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau