Videosprechstunde: So funktioniert eine Online-Sprechstunde mit einem Arzt

Avatar

Veröffentlicht von

Redaktion

Wenn Rückenschmerzen unerträglich werden, lässt sich der Gang zum Arzt nicht vermeiden. Oder etwa doch? Heutzutage können wir bereits viele Dinge Online erledigen: Einkaufen, Gespräche mit Freunden, Meetings – warum also nicht die Sprechstunde per Video abhalten?

Während 2019 nur etwa 3.000 Videosprechstunden durchgeführt wurden, ist diese Zahl im Corona-Jahr auf fast 1,2 Millionen angestiegen. Das ist verständlich, denn durch den Online-Kontakt lässt sich die Gefahr einer Ansteckung minimieren.

Doch sind Videosprechstunden nur eine Notlösung oder bieten sie handfeste Vorteile? Wer kann sie in Anspruch nehmen, entstehen dadurch Mehrkosten und wie läuft die Untersuchung ab? Diese und weitere Fragen beantworten wir im Folgenden.

Wie funktioniert eine Videosprechstunde?

Auch wenn es ungewohnt erscheinen mag: Eine Videosprechstunde läuft genauso ab wie eine Sprechstunde vor Ort.

Das heißt, du vereinbarst vorher einen Termin mit deinem Arzt und triffst dich dann zum Gespräch. Der einzige Unterschied ist, dass die Kommunikation online stattfindet. Du benötigst also einen Internetanschluss und ein Gerät, dass Videotelefonie erlaubt: z. B. Computer, Laptop, Smartphone oder Tablet.

Wie in der Praxis wirst du kurz vor deinem Termin in ein virtuelles Wartezimmer gebeten und wartest darauf, dass der Arzt dich "aufruft". Dann beginnt die Sprechstunde.

Diese muss sich nicht auf ein beratendes Gespräch beschränken. Dein Arzt kann, sofern der optische Eindruck ausreicht, sogar Diagnosen stellen, dir Rezepte ausstellen oder dich krankschreiben. Letzteres ist jedoch nur für maximal sieben Kalendertage möglich. Danach musst du zu einer Sprechstunde vor Ort erscheinen.

Ist die Sprechstunde zu Ende, meldest du dich einfach von der Seite des Videodienstleisters ab.

Worauf sollte ich bei der Videosprechstunde achten?

Wie bei einer echten Sprechstunde solltest du natürlich pünktlich sein. Außerdem empfiehlt es sich, die Video- und Audiotechnik vorher auszuprobieren, damit alles reibungslos funktioniert.

Dein Arzt sollte dich klar und deutlich verstehen können. Das gilt umgekehrt genauso. Kopfhörer sind eine gute Idee, um Rückkopplungen zu vermeiden. Und auch eine gute Beleuchtung empfiehlt sich – vor allem, wenn der Arzt eine Diagnose stellen soll.

Ist eine Videosprechstunde vertraulich?

Natürlich bleibt die ärztliche Schweigepflicht auch bei einer Videosprechstunde gewahrt. Das heißt, alles, was du mit deinem Arzt besprichst, ist vertraulich und darf nicht aufgezeichnet werden.

Um den Datenschutz zu gewährleisten, findet die Sprechstunde über einen Videodienstleister statt, den die Praxis beauftragt. Dieser muss spezielle Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Anders herum ist es auch dir nicht gestattet, das Gespräch aufzuzeichnen. Dein Arzt wird dich vor der Sprechstunde über die Datenschutzbedingungen informieren.

Für wen kommen Videosprechstunden infrage?

Videosprechstunden gibt es bereits seit dem Jahr 2017. Allerdings wurden Einschränkungen für diese Form des Patientenkontakts festgelegt:

  • Der Videosprechstunde musste ein persönlicher Erstkontakt vorausgehen.
  • Pro Quartal durften Ärzte nur für jeden fünften Patienten eine Videosprechstunde anbieten.
  • Maximal 20 % der Leistungen konnten per Videosprechstunde durchgeführt werden.
  • Für medizinische Fernleistungen durfte nur sehr eingeschränkt geworben werden.

Das galt nicht nur für Ärzte, sondern auch für Psychotherapeuten.

Aufgrund der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus haben KBV und GKV-Spitzenverband diese Einschränkungen größtenteils ausgesetzt. So sollten Patienten dazu angeregt werden, die Möglichkeiten der Videosprechstunde vermehrt in Anspruch zu nehmen.

Ärzte dürfen diese Behandlungsform nun auch für unbekannte Patienten durchführen. Außerdem fällt die 20%-Klausel weg, sodass jede Behandlung angerechnet werden kann.

Bei der Psychotherapie ist weiterhin ein persönlicher Erstkontakt vorgeschrieben – sofern dieser medizinisch gesehen zumutbar ist. Außerdem gibt es psychotherapeutische Leistungen, die nicht per Videosprechstunde angeboten werden dürfen.

Ferner besteht keine Verpflichtung für Ärzte, eine Videosprechstunde anzubieten. Sie können auch darauf bestehen, dass Patienten zuerst persönlich erscheinen – etwa wenn dies für eine Diagnose notwendig ist. Viele Ärzte werden auf ein persönliches Erscheinen im gleichen Quartal pochen, da die Sprechstunde nur so in vollem Umfang vergütet wird.

Empfiehlt sich eine Videosprechstunde bei Rückenschmerzen?

Sprechstunden per Video kommen für eine Vielzahl an Beschwerden infrage – besonders seit die rechtlichen Einschränkungen im Jahr 2020 gelockert wurden. Dementsprechend werben Anbieter heute auch für diese Form der Sprechstunde bei Rückenschmerzen.

Aber nicht nur der Erstkontakt und das Gespräch über deine Rückenbeschwerden lassen sich per Video abwickeln. Neuerdings ist es sogar möglich, Physiotherapie und Krankengymnastik online durchzuführen. Das Gleiche gilt für Präventionskurse und Rückenschulen.

Natürlich gibt es auch medizinische Leistungen, die vor Ort durchgeführt werden müssen. In diesem Fall kann der Online-Kontakt jedoch gut als Ergänzung dienen – etwa um über Befunde, die Patienten vorher zugeschickt haben, zu sprechen und Empfehlungen zu geben.

Wie viel kosten Videosprechstunden?

Über diese Frage musst du dir im Normalfall keine Gedanken machen. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gilt die Videosprechstunde als normale Sprechstunde und wird von der Versicherung in vollem Umfang übernommen.

Das heißt, Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen übermitteln dem Arzt vorher ihre Versicherungsdaten und müssen sich um nichts weiter kümmern. Privat Versicherte bekommen dagegen eine Rechnung, die sie bei ihrer PKV einreichen.

Welche Vorteile bieten Videosprechstunden?

Zeitersparnis: Wenn du an einer Videosprechstunde teilnimmst, sparst du dir die Fahrt zum Arzt. Und auch das langwierige Sitzen im Wartezimmer erübrigt sich. Bei vielen Menschen dürfte so die Hemmschwelle fallen, sich überhaupt untersuchen zu lassen.

Kostenfaktor: Eng verbunden sind natürlich die Transportkosten, die bei der Videosprechstunde wegfallen. Die einzigen Mehrkosten entstehen durch den Stromverbrauch am Laptop oder Handy.

Verfügbarkeit: Besonders im ländlichen Raum sind wir schon lange von einem Ärztemangel betroffen. Bei Videosprechstunden spielt es hingegen keine Rolle, wo sich die Praxis befindet. Dadurch können Ärzte entlastet werden und mehr Menschen erhalten Zugang zur schnellen medizinischen Versorgung.

Sicherheit: Viele Patienten haben Angst, sich in einer Arztpraxis mit Krankheiten anzustecken – keine unbegründete Sorge. Bei Videosprechstunden besteht diese Gefahr nicht. Das ist ein Hauptgrund, warum diese Form der Behandlung im Zuge der Coronakrise so beliebt wurde.

Was sind die Nachteile von Videosprechstunden?

Eingeschränkte Diagnose: Bei beratenden Gesprächen und unkomplizierten Diagnosen mögen die Schilderungen des Patienten ausreichen. Doch natürlich hat das Medium Video seine Limitationen. Viele Krankheiten können nur durch eine gründliche Untersuchung erkannt werden, die online nicht möglich ist. Allerdings kann die Videosprechstunde ein erster Schritt sein, um Symptome zu klären und weitere Behandlungen in die Wege zu leiten.

Weniger Nähe: Auch wenn du in Echtzeit mit einem Arzt sprichst: viele Patienten empfinden den persönlichen Kontakt als angenehmer. In einem solchen Fall bietet es sich an, die erste Sprechstunde vor Ort anzutreten und erst dann auf die Videosprechstunde zurückzugreifen.

Technische Voraussetzungen: Während die junge Generation mit der Online-Kommunikation aufgewachsen ist, haben viele ältere Patienten Probleme damit. Ein Mindestmaß an Computer- oder Handywissen ist nötig, um sich in die Videosprechstunde einzuloggen. Eventuell können technisch versierte Angehörige hier helfen.

Fazit

Videosprechstunden bedeuten für Patienten eine Zeitersparnis und zusätzliche Sicherheit vor Ansteckung. Besonders bei Arztgesprächen und unkomplizierten Diagnosen leisten sie gute Dienste. Doch natürlich können Videosprechstunden den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht völlig ersetzen – zumindest beim jetzigen Stand der Technik.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Gang zum Arzt herauszuzögern oder ganz zu vermeiden:

  • Mit Faszientraining hältst du deinen Rücken fit und beweglich. Das hilft dir dabei, Schmerzen vorzubeugen.
  • In Online-Rückenkursen lernst du, wie du deinen Alltag rückenfreundlich gestalten kannst.
  • Ein ergonomischer Bürostuhl und Schreibtisch sind wichtig, um deinen Rücken bei der Arbeit zu schonen.
  • Auch beim Schlafen kommt es auf die richtige Haltung und eine rückenfreundliche Matratze an.
  • Suchst du ein Schmerzmittel, das rezeptfrei erhältlich ist und sanft wirkt? Dann solltest du dir CBD-Öl genauer ansehen.

Quellen

https://www.kbv.de/media/sp/Patienteninformation_Videosprechstunde.pdf

https://www.netdoktor.de/diagnostik/videosprechstunde-die-wichtigsten-fakten/

https://www.kbv.de/html/1150_44943.php

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/120885/Videosprechstunden-haben-sich-etabliert

Fernbehandlung und Videosprechstunde in Zeiten der Coronakrise

https://www.test.de/Videosprechstunde-beim-Arzt-Diese-Moeglichkeiten-haben-Versicherte-5604836-0/

https://www.kbv.de/media/sp/Videosprechstunde__uebersicht_Verguetung.pdf