Depressionen: So erkennst Du sie und das kannst Du gegen sie tun

Depressionen

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Rücken.net-Redaktion

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Zu einer der heimlichen Volkskrankheiten schlechthin haben sich Depressionen still und leise im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte entwickelt. Wurden sie früher oft leichtfertig und mit einem Augenzwinkern Menschen unterstellt, die schlechter Stimmung waren, konnte dank der Aufklärung durch Betroffene selbst, aber auch durch eine bessere Forschungslage ein Bewusstsein für diese Krankheit geschaffen werden.

Was sind Depressionen?

Depressionen sind schwerwiegende psychische Erkrankungen, die sich in einem äußerst vielfältigen Erscheinungsbild zeigen können. Zwischen einer vorübergehenden „schlechten Stimmung“ und einer klinisch diagnostizierten Depression liegen Welten, die Außenstehende jedoch nicht verstehen können.

Dies beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass diese Erkrankung bis in die letzten Jahre hinein von den Betroffenen nicht gerne kommuniziert wurde. Da Depressionen so schwer zu erklären sind, sind sie für nicht Betroffene auch dementsprechend schwer zu verstehen. Einige wenige Patient*innen wagten sich jedoch mit ihrer Diagnose an die Öffentlichkeit.

Ihr Anliegen war und ist es, über eines der schwerwiegendsten Krankheitsbilder unserer Zeit aufzuklären und ein Bewusstsein in der breiten Bevölkerung dafür zu schaffen. Dieses wäre dringend notwendig. Allein in Deutschland leben circa 5 Prozent der Bevölkerung mit einer Depression. Doch diese betrifft nicht nur die Erkrankten allein.

Depressionen treffen die Familie und den Freundeskreis genauso. Vom ersten Unverständnis bis hin zu einer offenen Kommunikation ist es jedoch meistens ein weiter Weg, den nicht alle zu gehen bereit sind. Zu schwer und zu unverständlich ist es, mit depressiven Menschen in Kontakt zu bleiben.

Diese ziehen sich mit der Zeit immer mehr in die Isolation zurück. Die Mehrheit trägt sich früher oder später mit Suizidgedanken, die bis zu 15 Prozent aller Betroffenen irgendwann auch in die Tat umsetzen.

Depressive Phasen können in jedem Lebensalter auftreten. Die meisten Patient*innen erkranken daran jedoch zwischen ihrem 30. und 40. Lebensjahr. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens eine Depression zu entwickeln, gar nicht so gering. Sie liegt immerhin zwischen sieben und 18 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig davon betroffen wie Männer.

Depressionen Symptome und Anzeichen

Nicht alle Menschen, die dann und wann einmal einen schlechten Tag oder eine bescheidene Stimmungslage aufweisen, leiden unter einer Depression. Es ist im Gegenteil ein Zeichen von psychischer Gesundheit, nicht immer konstant guter Laune zu sein und die Welt umarmen zu wollen. Einige Warnhinweise sollten jedoch durchaus ernst genommen werden.

Psychische und emotionale Symptome

Ein erster wichtiger Hinweis für das Umfeld einer/eines Betroffenen sind Veränderungen der Stimmung, die über einen längeren Zeitraum andauern. Wer früher gern und oft gelacht hat, Pläne für die Zukunft geschmiedet und vor Ideen nur so gesprüht hat, kann innerhalb kürzester Zeit zu einem komplett anderen Menschen werden. Deutliche Warnzeichen sind:

  • anhaltende gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • Interessensverlust
  • vermeiden sozialer Kontakte
  • Perspektivlosigkeit
  • Reizbarkeit
  • Angstzustände

Eine Depression zu beschreiben fällt auch Betroffenen schwer. Einige vergleichen ihre Stimmung mit dem Gefühl einer leeren Batterie oder eines dauerhaft leeren Akkus. Andere beschreiben eine Art emotionales Gefängnis, aus welchem es kein Entkommen gibt. Auch der Vergleich mit einem Lichtschalter, der im Inneren einfach ausgeknipst wurde, wird von den Erkrankten immer wieder gezogen.

Die Antriebslosigkeit ist meist das deutlichste Symptom. Der Klassiker, morgens nicht aufstehen zu können und nicht aus dem Bett zu kommen, ist ein typisches Phänomen einer klinischen Depression. Außenstehende bemerken weiters eine zunehmende Verwahrlosung der Wohnung, aber auch der/des Betroffenen selbst. Die Körperhygiene wird vernachlässigt. Oft wird dieselbe Kleidung über Tage hindurch getragen, was besonders bei Frauen ein Alarmsignal sein sollte.

Ein Verlust an bislang gepflegten Interessen und Hobbies sollte ebenfalls zu denken geben. Was man einst mit Leidenschaft und viel Energie verfolgt hat, wird plötzlich uninteressant. Damit einher geht meist auch das Vermeiden von sozialen Kontakten. Viele Betroffene sehen sich schlichtweg nicht mehr in der Lage, einem Mannschaftssport oder einer Vereinstätigkeit nachzukommen, weil der Kontakt mit Mitmenschen ihnen als etwas nicht Bewältigbares erscheint.

Das Fehlen jeglicher Perspektive kann sich in kleinen Dingen äußern, wird aber besonders deutlich, wenn es um Zukunftspläne wie etwa den nächsten Urlaub geht. Sich an zukünftigen Ereignissen zu erfreuen, ist für die meisten Menschen eine einfache und kostenlose Möglichkeit der Psychohygiene. Depressive können das nicht mehr. Für sie ist die Gegenwart schon unerträglich, der Blick in die Zukunft erscheint unmöglich.

Ständige Reizbarkeit mag für Außenstehende kein typisches Symptom einer depressiven Verstimmung sein. Immerhin erfordert sie aktives Reagieren auf das Umfeld und setzt die Patient*innen auch ständig unter Zugzwang. Doch gerade dieser Kreislauf von Gereiztheit und der damit verbundenen permanenten Auseinandersetzung mit seinen Mitmenschen raubt den Betroffenen zusätzlich über kurz oder lang ihre Kräfte.

Angstzustände spielen leider anderen Symptomen der Depression wie Schlafstörungen in die Hände. Sich Gedanken oder Sorgen um den Alltag und die eigene Lebenssituation zu machen, ist normal. Halten diese Gedankengänge jedoch an und ufern sie zu undefinierbaren Ängsten aus, können diese in unrealistischer Weise übersteigert wahrgenommen werden. Die Patient*innen sind in der Folge ständig unruhig, angespannt und nervös.

Körperliche Symptome

Depressionen manifestieren sich jedoch nicht nur emotional und psychisch. Es ist im Gegenteil viel häufiger der Fall, dass den klassischen Symptomen einer depressiven Erkrankung eine Reihe von körperlichen Beschwerden vorausgeht, die die meisten jedoch ignorieren bzw. nicht richtig einordnen können. Dazu zählen:

  • Schmerzen unbekannter Herkunft
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit

Patient*innen mit Depressionen leider häufig unter diffusen Schmerzen, die keine klar zuordenbare körperliche Ursache haben. Rückenschmerzen werden dabei besonders oft genannt. Aber auch Muskelverspannungen, Schmerzen in Ober- und Unterbauch sowie Kopfschmerzen sind typische Vorzeichen und Begleiterscheinungen einer Depression.

Schlafstörungen sind innerhalb der Bevölkerung so weit verbreitet, dass die wenigsten der davon Betroffenen gleich an eine ernsthafte Erkrankung denken würde. Stress bei der Arbeit, in der Familie oder der Partnerschaft wird eher als Verursacher vermutet. Tatsächlich sind länger andauernde Schlafstörungen − ähnlich wie Schmerzen − ein ernst zu nehmendes Warnsignal unseres Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Auch Appetitlosigkeit sollte, wenn sie über mehr als drei Tage zu bemerken ist, ärztlich abgeklärt werden. Nicht nur Liebe, auch alle anderen Emotionen gehen sprichwörtlich durch den Magen. Wer weder Appetit noch echten Hunger verspürt, ist mehr als nur vorübergehend verstimmt. Auch dieses Alarmsignal unseres Körpers sollte immer beachtet werden.

Habe ich Depressionen?

Eine Selbstdiagnose bei Verdacht auf Depressionen zu stellen ist gar nicht so einfach. So gut wie alle Menschen durchlaufen Phasen im Leben, wo es nicht wirklich rund läuft und man sich am liebsten tatsächlich im Bett verkriechen würde. Betroffene berichten allerdings, dass die eigene Wahrnehmung einer klinischen Depression eine objektive Sichtweise stark beeinträchtigt.

Depressionen erkennen

Dennoch sollte bei dem Verdacht auf Vorliegen einer Depression dem eigenen Gefühl durchaus vertraut werden. Eine sichere und anonyme erste Hilfe dabei sind Foren im Internet, die schnell und diskret Antworten auf die wichtigsten Fragen liefern können.

Depressionen Test

Ein objektives Hilfsmittel bei Verdacht auf Depressionen sind Selbsttests im Internet. Dabei werden mögliche Haupt- und Nebensymptome einer Depression erfragt, welche auf standardisierten Diagnosekriterien basieren. Diese werden unter dem Begriff ICD-10 zusammengefasst.

Hilfe bei Depressionen

Gerade im Fall von Depressionen erscheint der erste Schritt oft am schwersten. Das Suchen oder Fragen nach Hilfe ist jedoch essenziell. Die wenigsten Betroffenen schaffen es noch aus eigener Kraft, einer Depression erfolgreich den Kampf anzusagen. Und nichts anderes steht ihnen bevor. Doch die moderne Schulmedizin hat gerade auf dem Gebiet der Depressionen und ihrer Therapie in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Das Gespräch mit Hausärztin oder Hausarzt kann bereits ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg Richtung Heilung sein.

Was tun bei Depressionen im unmittelbaren Umfeld?

Mindestens so schwer − wenn nicht noch schwerer − als sich selbst aus den Fängen einer Depression zu befreien, ist es, Menschen im unmittelbaren Umfeld Hilfestellung aus ihrem Leiden anzubieten. Die meisten Patient*innen machen es ihrer Umgebung schwer bis unmöglich, zu ihnen durchzudringen.

Natürlich geschieht diese Zurückweisung nicht mit Absicht. Sie können in dem Moment einfach nicht anders. Auch können Selbsthilfegruppen für Betroffene und Plattformen im Internet erste hilfreiche Ansprechpartner sein.

Wie werden Depressionen behandelt?

Die gute Nachricht im Zusammenhang mit Depressionen lautet: Sie sind inzwischen nicht nur sehr gut zu diagnostizieren. Auch die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig und sehr erfolgversprechend. Wichtig ist dabei jedoch die Begleitung durch Ärzt*innen und/oder Therapeut*innen sowie eine möglichst klare Kommunikation mit Familie, Freunden und dem Arbeitsplatz. Depressionen sind leider noch immer mit Scham und Selbstzweifeln verbunden, was zu unnötigen Missverständnissen führen kann. Gerade am Arbeitsplatz ist Verständnis für häufiges Fehlen ohne ausreichende Begründung dünn gesät.

Die beiden Säulen der Therapie bei Depressionen sind Medikamente in Form von Antidepressiva sowie eine ambulante oder stationäre Psychotherapie. Hier sind die Möglichkeiten inzwischen vielfältig. Bei leichten Formen von depressiven Episoden reichen Gesprächstherapie oder komplementäre Angebote, die körperliche Betätigung, Ergotherapie und ganzheitliche Ansätze beinhalten.

Kann man Depressionen aus eigener Kraft überwinden?

Erfahrungsberichte von Betroffenen sollen anderen Mut machen, den Weg aus einer Depression aus eigener Kraft zu finden. Auf die eigenen Gefühle zu hören und zu vertrauen ist ein erster wichtiger Schritt.

Nicht jede Verstimmung muss gleich in einer handfesten Depression enden. Aber wenn wir solche gedrückten Gemütszustände immer wieder an uns wahrnehmen, sollten die Zeichen ernst genommen werden. Einfache erste Hilfe Maßnahmen kann jede und jeder für sich selbst setzen. Sich Gutes tun, lautet die Devise!

Was hilft gegen Depressionen?

Manifestiert sich das Gefühl, an einer depressiven Episode zu leiden, zusehends, kann jede und jeder Betroffene Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Auch wenn man sich antriebs- und lustlos fühlt: Ein flotter Spaziergang an der frischen Luft, in der Sonne oder im Wald kann wahre Wunder für das Stimmungsbild bewirken. Die Kombination aus vermehrter Sauerstoffzufuhr, Sonnenlicht und Bewegung ist ein sicherer Tipp gegen Verstimmungen.

Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen − egal, ob in der analogen, echten Welt oder im Internet − kann ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung sein. Wer mit düsteren Gedanken und erdrückenden Gefühlen nicht allein ist, hat gute Chancen, der Depression rechtzeitig zu Leibe zu rücken. Last but not least: Sich selbst Gutes zu tun, wenn nichts und niemand sonst es tut, hat noch in jeder Lebenslage (zumindest ein bisschen) geholfen.

Depressionen bei Kindern

Auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken. Hier ist die Diagnose oft noch schwieriger als bei Erwachsenen, da andere Verhaltensauffälligkeiten die eigentliche Erkrankung vielfach überdecken.

Verhaltensauffälligkeiten wie aggressives, übermäßig gereiztes und aufsässiges Verhalten, Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall in der Schule führen oft dazu, dass Eltern, Lehrer*innen und sogar Ärzt*innen die Depression übersehen.

Depressionen: Warum Sprüche nicht hilfreich sind

Was viele Betroffene zusätzlich zu ihrer Erkrankung belastet, sind die verständnislosen Reaktionen aus dem Umfeld. Ob die Gründe dafür in Unwissenheit oder Ignoranz zu suche sind spielt für die Betroffenen keine Rolle. Depressiven Menschen gut gemeinte Ratschläge zu erteilen, die von „Jetzt reiß’ dich mal zusammen!“ bis hin zu „Das wird schon wieder!“ die breite Palette von sinnbefreiten Allgemeinplätzen abdecken, ist in keinster Weise hilfreich.

Depressive Menschen leiden ohnehin nicht nur an den Auswirkungen ihrer Krankheit an sich. Scham, Verzweiflung, Ängste und Selbstzweifel sind leider häufige Begleiter einer klinischen Depression. Wer also nichts Hilfreiches zu sagen hat, bleibt im Zweifelsfall lieber stumm. Eine wortlose Umarmung, ein Händedruck und die Gewissheit, immer auf Unterstützung zählen zu können, sind hingegen Angebote, die wirklich hilfreich sind.

Quellen:
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/was-ist-eine-depression/
https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/
https://www.wicker.de/kliniken/hardtwaldklinik-ii/behandlungsschwerpunkte/erkrankungen-a-z/endogene-depressionen/

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