Triggerpunkte: Schmerzen durch lokale Muskelverspannungen

Triggerpunkte

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Der Begriff „Triggerpunkte“ wird in unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht. Dabei kann das Wort mehrere Bedeutungen besitzen. „Trigger“ ist Englisch und bedeutet „Auslöser“. Beim Massieren bezeichnet der Triggerpunkt eine Stelle am Körper, die beim Drücken Schmerzen auslöst. Die Beschwerden gehen dabei allein von den Muskeln aus – nicht von den Knochen, Sehnen oder Bändern.

Was sind myofasziale Triggerpunkte?

Ein Muskel besteht aus vielen kleinen Funktionseinheiten. So setzt er sich aus mehreren Muskelfaserbündeln zusammen. Diese bestehen wiederum aus Muskelfasern. Wenn Du einen Muskel anspannst, schieben sich noch kleinere Einheiten ineinander, die sogenannten Filamente. Dadurch verkürzt sich der Muskel in Längsrichtung. Bei einem Muskelkrampf gleiten diese Filamente nicht vollständig auseinander, sondern verharren in einem kontrahierten Zustand.

Anders als bei einem solchen Krampf, ist bei einer Verspannung in der Regel nicht der gesamte Muskel betroffen, sondern nur ein Teil. Je nachdem, welche Stelle verspannt ist, können durch die Dauerkontraktion Schmerzen entstehen. Triggerpunkte sind wiederum spezielle Stellen an Deinem Körper, an denen solche Verspannungen gehäuft auftreten. Manchmal spürst Du an dem betroffenen Punkt einen kleinen Knubbel – als wäre der Muskel an dieser Stelle angeschwollen oder verhärtet.

Einige Triggerpunkte schmerzen nur dann, wenn Du auf die betroffene Stelle Druck ausübst. Experten sprechen in solchen Fällen von latenten myofasziale Triggerpunkten. Andere Triggerpunkte tun sogar dann weh, wenn Du Dich nicht bewegstn und keinen Druck auf die Verspannung ausübst. Solche Muskelverkrampfungen werden als aktive myofasziale Triggerpunkte bezeichnet.

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Wie entstehen die Schmerzen bei Verspannungen?

Schmerzen dienen dem Körper als Warnsignale. Sie können durch viele verschiedene Reize ausgelöst werden. In Deinen Muskeln existieren Dehnungsrezeptoren, die dem Nervensystem zurückmelden, wie stark der Muskel gestreckt ist. Wenn die Dehnung zu stark wird, löst der Körper ein Schmerzsignal aus.

Für die meisten Menschen sind Schmerzen vor allem unangenehm. Jeden Tag bewahren die Schmerzen Dich jedoch auch davor, Dich zu verletzen, indem Du schädliche Bewegungen ausführst. Deshalb solltest Du Schmerzen grundsätzlich ernst nehmen.

Wenn sich bei Dir ein Triggerpunkt schmerzhaft bemerkbar macht, kann es vorkommen, dass die Schmerzen sich auf einen anderen Körperbereich ausdehnen. Es ist sogar möglich, dass die Schmerzen ausschließlich in einer Körperregion auftreten, die scheinbar überhaupt nichts mit dem Triggerpunkt zu tun hat. Doch der Schein trügt in diesem Fall.

Über Sehnen und andere Verbindungen kann sich eine Muskelverspannung an einem Triggerpunkt auf andere Bereiche des Bewegungsapparats auswirken. Wenn Du zum Beispiel unter einer Verkrampfung der Gesäßmuskulatur leiden, spürst Du den Schmerz womöglich in der Wade.

Bei der anhaltenden Kontraktion der Muskelfasern handelt es sich jedoch nicht um das einzige Problem, das Triggerpunkte hervorrufen. Das betroffene Muskelgewebe kann übersäuern. Eine solche Übersäuerung verursacht häufig ebenfalls Schmerzen. Zudem ruft ein verspannter Triggerpunkt mitunter eine Entzündungsreaktion hervor.

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Wie kommt ein Triggerpunkt zustande?

Die Überlastung der Muskeln im Nacken, am Rücken oder an der Hüfte ist eine häufige Ursache für schmerzhafte Triggerpunkte. Viele Menschen verbringen einen Großteil des Tages im Sitzen – oft in einer Haltung, die schlecht für den Stütz- und Bewegungsapparat ist. Hinzu kommt ein ausgeprägter Bewegungsmangel, der in zahlreichen Industrieländern die Mehrheit der Bevölkerung betrifft. Die Muskulatur benötigt jedoch einen Anreiz, um sich zu stärken.

Eine schwache Muskulatur erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Muskelfasern an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Doch auch falsches Fitnesstraining kann eine Ursache für Muskelverspannungen sein. Die Triggerpunkte entstehen auch nach ungewohnten Belastungen, zum Beispiel nach einem Umzug, bei dem Sie viele Kisten getragen haben.

Ein gesunder Rücken benötigt Training. Sport stellt ein ausgezeichnetes Mittel dar, um Deiner Gesundheit etwas Gutes zu tun und Rückenschmerzen vorzubeugen. Da Stress zu Fehlhaltungen und Verspannungen führen kann, lohnt sich zudem eine ganzheitliche Betrachtung der körperlichen und psychischen Gesundheit.

Plötzliche Bewegungen und mechanischer Druck tragen in einigen Fällen ebenfalls dazu bei, dass ein Triggerpunkt entsteht. Obwohl Sport allgemein guttut, können also auch Sportverletzungen oder falsche Übungsausführungen für einen Triggerpunkt am Rücken oder anderswo verantwortlich sein.

Manchmal zieht eine Verspannung weitere Muskelverkrampfungen nach sich. Der Grund: Die erste Verspannung bringt das Zusammenspiel der Muskelfasern und der anderen Geweben durcheinander. Infolgedessen steigt die Belastung für weitere Bereiche desselben Muskels und für weitere Muskeln. Diese Überlastung wiederum kann in einem weiteren Triggerpunkt gipfeln. Solche Folgeverspannungen sind auch als assoziierte myofasziale Triggerpunkte bekannt.

Wie funktioniert die Triggerpunkttherapie?

Therapeuten, die mit der Triggerpunkttherapie arbeiten, können aus verschiedenen Berufsgruppen stammen. Dazu gehören z.B.:

  • Masseure
  • Physiotherapeuten
  • Ärzte
  • Ergotherapeuten
  • Heilpraktiker.

Jedoch nicht alle Berufsgruppen dürfen alle Behandlungsmethoden einsetzen.

Bei der Triggerpunkttherapie besteht die erste Herausforderung darin, die Ursache der Schmerzen zu lokalisieren. In der Praxis erweist sich dieser Schritt oft als besonders schwierig. Stell Dir vor, Du leidest unter Rückenschmerzen und spürst außerdem Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen. Diese Beschwerden können auf zahlreiche Ursachen zurückgehen – unter anderem auf eine Ischialgie, einen Bandscheibenvorfall oder eben einen muskulären Triggerpunkt.

Wenn der Therapeut den Triggerpunkt identifiziert hat, beginnt die eigentliche Behandlung. Diese besteht oft aus einer Massage. Viele Betroffene empfinden die Behandlung an sich als schmerzhaft – doch wenn der Therapeut seine Arbeit gut macht, lassen die Schmerzen schon kurz darauf nach.

Zur Behandlung von Triggerpunkten setzen einige Therapeuten auch auf Akupunktur, Akupressur oder andere komplementärmedizinische Methoden.

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Was ist Dry Needling?

Eine spezielle Akupunktur-Methode ist das sogenannte Dry Needling. Der Zusatz „dry“ („trocken“) bezieht sich darauf, dass der Patient bei dieser Behandlung keine Schmerzmittel erhält.

Bei einer klassischen asiatischen Akupunkturbehandlung wäre es ohnehin äußerst ungewöhnlich, wenn anstelle einer Akupunkturnadel eine Injektionsnadel und ein Schmerzmittel verwendet würde. Tatsächlich hat sich das Dry Needling jedoch nicht aus der traditionellen Akupunktur entwickelt, sondern aus Beobachtungen bei medikamentösen Schmerzbehandlungen. Die Bezeichnung ist ein Überbleibsel davon.

Wenn die Nadel beim Dry Needling nur leicht in die Haut gestochen wird, spricht man von einer superfiziellen Afferenzstimulation (SAS). Im Gegensatz dazu sticht der Therapeut die Nadel bei der intramuskulären Stimulation (IMS) in den Muskel. Wenn Du Dich für Dry Needling interessierst, solltest Du Dich unbedingt an eine gut ausgebildete Fachperson wenden, denn insbesondere bei der intramuskulären Stimulation besteht bei unsachgemäßer Ausführung immer auch ein Infektionsrisiko.

Triggerpunkte am Nacken

Die Triggerpunkte am Nacken entstehen oft durch eine falsche Haltung und zu langes Sitzen. Wenn Du beispielsweise viel Zeit vor dem Computer verbringst, bist Du wahrscheinlich anfällig für Verspannungen im Nackenbereich.

Triggerpunkte am Nacken können sogar für Schmerzen in den Schultern und im Arm verantwortlich sein. Auch Kopfschmerzen kommen als eine Folge von punktuellen Nackenverspannungen infrage.

Den Nacken kannst Du selbst nur schwer erreichen. Wenn Du Deine Triggerpunkte durch eine Massage behandeln willst, solltest Du Dir deshalb Unterstützung suchen.

Triggerpunkte am Rücken

Myofasziale Verspannungen sind eine mögliche Ursache von Rückenschmerzen. Die Triggerpunkte stellen jedoch nicht die einzige Erklärungsmöglichkeit für Kreuzschmerzen dar. Deshalb ist es bei unklaren Rückenschmerzen sinnvoll, wenn Du Dich an Deinen Hausarzt wendest.

Wenn feststeht, dass Deine Rückenschmerzen auf einen myofaszialen Triggerpunkt zurückgehen, stehen Dir verschiedene Behandlungsmöglichkeiten offen. Leichte Verspannungen lassen sich manchmal schon mit einer Selbstmassage lösen.

Triggerpunkte selbst massieren

Sehr feste Massagebälle werden manchmal auch als Triggerpunktbälle bezeichnet. Zu dieser Sorte von Massagebällen gehören zum Beispiel Lacrosse-Bälle. Letztere stammen ursprünglich aus einem Mannschaftssport. Der dabei verwendete Ball lässt sich jedoch hervorragend zur Selbstmassage zweckentfremden. Heutzutage findest Du deshalb in zahlreichen Online- und Offline-Fachgeschäften Lacrosse-Bälle zur Massage.

Die Triggerpunktbälle bieten einige Vorteile: Sie weisen eine hohe Festigkeit auf, sodass Du mit den Lacrosse-Bällen einen ausreichenden Druck auf verhärtete Punkte am Rücken ausüben kannst. Darüber hinaus verfügen Lacrosse-Bälle über die ideale Größe für eine Selbstmassage.

Um sich selbst zu massieren, klemme einen festen Ball zwischen Deinem Rücken und einer Wand ein. Wenn Du Dich nun bewegst, rolle den Ball auf Deinem Rücken hin und her. Dadurch kannst Du den Ball genau auf dem Triggerpunkt platzieren. Je fester Du Dich nun in Richtung der Wand lehnst, desto fester drückt der Ball gegen Deine Muskeln. Auf diese Weise kannst Du die Selbstmassage leichter oder fester gestalten – ganz nach Deinem Geschmack.

Viele Anwender, die diese Methode benutzen, bearbeiten die Muskelverkrampfung statisch: Sie üben mit hilfe des Triggerpunktballes lediglich Druck auf die schmerzhafte Muskelverspannung aus. Der Lacrosse-Ball bleibt dabei die ganze Zeit auf derselben Stelle. Üblicherweise wird der Druck einige Sekunden lang gehalten.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Selbstmassage im Liegen auszuführen. Dabei lege Dich auf den Rücken. Den Triggerpunktball platzierst Du unter dem Rücken auf einem Triggerpunkt. Die Selbstmassage im Liegen ist meist fester als die Wand-Variante, da hier Dein gesamtes Körpergewicht auf den Ball drückt.

Achte stets darauf, dass der Triggerpunktball nicht über die Wirbelsäule rollt! Die myofaszialen Triggerpunkte liegen an den Muskeln. Ein hoher punktueller Druck auf die Wirbelsäule kann hingegen schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall Schäden hervorrufen.

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Referenzen:

  1. amboss.com/de/wissen/DGOU_S2k-Leitlinie_Spezifischer_Kreuzschmerz#Z78fc387940e5b656039bea7f252d7ec5
  2. DGOU S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz. AWMF 033-05. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-051l_S2k_Spezifischer_Kreuzschmerz_2018-02.pdf
  3. Dommerholt J et al., Myofasziale Triggerpunkte. manuelletherapie 2011; 15(1): 20-32. doi:10.1055/s-0029-1246052
  4. Gautschi R & Böhni U. Das myofasziale Schmerzsyndrom – Ätiologie und therapeutischer Ansatz. Manuelle Medizin 2014 · 52:203–213. doi:10.1007/s00337-014-1114-4
  5. Heuß D et al., Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien, S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registriernummer: 030/051: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-051l_S1_Myalgien-Diagnostik-Differentialdiagnose_2020-02.pdf
  6. Hodel S & Surber M. Der Effekt der manuellen Triggerpunkt-Therapie (Bacheloarbeit). ZHAW. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/442/1/Hodel_Sabine_Surber_Marlies_PT08_BA08.pdf

geprüft und ergänzt am 01.05.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau