Faszien: Dünnes Bindegewebe mit großer Bedeutung

Faszien

Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Faszien bestehen aus Bindegewebe. Sie bilden eine dünne Hülle, welche die Muskeln umgibt. Die Faszien, die verschiedene Muskeln umhüllen, gehen fließend ineinander über. Sie bilden auf diese Weise eine Art Netzwerk, das sich durch den Körper zieht.

Was sind Faszien?

Da die Faszien auch immer mit den Muskeln verbunden sind, ist in diesem Zusammenhang mitunter von myofaszialen Ketten die Rede. Manche Physiotherapeuten sprechen auch von Funktionsketten oder Leitbahnen, die sich gegenseitig beeinflussen. Diese Verbindungen können bei der Diagnose von orthopädischen Beschwerden berücksichtigt werden.

Faszien sind überall im Körper zu finden: am Rücken und im Nacken, ebenso wie an der Brust, am Bauch und sogar im Fuß. Jede Faszie besteht für sich genommen aus mehrere Schichten, die dank der vom Körper gebildeten Hyaluronsäure übereinander gleiten. Die Hyaluronsäure ist ein aus der Gruppe der Glycosaminoglycane stammender Vielfachzucker (Polysaccharid) und trägt unter anderem dazu bei, dass das Fasziengewebe geschmeidig bleibt. Mit zunehmendem Alter lässt die Hyaluronsäure-Produktion allerdings nach, wodurch die Faszien insgesamt unbeweglicher werden.

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Sind Faszien eine neue Entdeckung?

Faszien gehören seit jeher zum menschlichen Körper. Dennoch ist Dir sicherlich bereits aufgefallen, dass Du in den vergangenen Jahren immer häufiger davon hörst. Woher kommt die Aufmerksamkeit für die Bindegewebshüllen?

Die Faszien wurden lange Zeit nicht beachtet. Die Medizin schrieb ihnen vor allem die Funktion zu, Muskeln zu trennen und ansonsten als relativ funktionslose Hülle zu dienen. Dank neuer Erkenntnisse aus der Forschung kann die Wissenschaft diese Sichtweise heute jedoch revidieren.

So gesehen sind Faszien zwar keine neue Entdeckung – aber die wirkliche Bedeutung der Faszien kristallisiert sich erst jetzt heraus.

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Welche Funktionen üben Faszien aus?

Faszien können sich dehnen und zusammenziehen. Die Bindegewebshüllen grenzen die Muskeln voneinander ab, stellen aber gleichzeitig eine Verbindung zu anderen Muskelumhüllungen her.

Darüber hinaus befinden sich in dem Bindegewebe Rezeptoren. Sie melden dem Nervensystem, ob und wie sich der Körper bewegt. Sogar im Ruhezustand ermöglichen es die Rezeptoren in den Faszien unserem Gehirn, die Lage der einzelnen Körperteile zueinander zu bestimmen. Die Wahrnehmung der Lage im Raum, von Schwere und ähnlichen Eigenschaften geht ebenfalls auf diesen „sechsten Sinn“ zurück.

Diese neurologische Fähigkeit ist als Propriozeption bekannt. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Koordination. Die Propriozeption ist jedoch auch für die allgemeine Körperwahrnehmung relevant.

Können die Faszien verkleben?

Immer wieder ist in Magazinbeiträgen und im Internet zu lesen, dass verklebte Faszien zu Problemen führen können. Aber können die dünnen Faszien tatsächlich verkleben? Diese Ansicht ist zumindest umstritten.

Zu den zahlreichen Quellen, die von verklebten Faszien berichten, gehören auch verschiedene Physiotherapeuten und andere seriöse Anbieter. Manche physiotherapeutische Praxen bieten sogar spezielle Beratungen und Trainings an, die die Geschmeidigkeit der Faszien fördern sollen. Ähnliche Angebote findest Du auch in einigen Fitnessstudios und bei Personal Trainern.

Hingegen äußert zum Beispiel der Sportwissenschaftler Jan Wilke in einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ nachdrücklich, Faszien würden nicht verkleben. Auch dieser Sportwissenschaftler hält Faszien jedoch für wichtig und befürwortet die Übungen mit den weit verbreiteten Hartschaumrollen.

Was sind Faszienrollen und wie wendet man sie an?

Faszienrollen bestehen in der Regel aus Hartschaum. Sie bilden einen länglichen Zylinder, den Du bei verschiedenen sportlichen Übungen zu Hilfe nehmen kannst.

Neben Faszienrollen gibt es Faszienbälle oder -kugeln. Wegen ihrer sphärischen Form kommen die Bälle bei anderen Übungen zum Einsatz als die länglichen Faszienrollen – im Grunde genommen ist die Funktionsweise jedoch dieselbe.

Bei den Doppelbällen handelt es sich um zwei Schaumstoffkugeln, die über einen schmaleren Steg miteinander verbunden sind. Diese Faszientrainingsgeräte setzt Du vor allem bei der Rücken-Selbstmassage ein. Die Doppelbälle ermöglichen es Dir, das weiche Gewebe rechts und links der Wirbelsäule gleichmäßig zu massieren, ohne dabei über die Wirbel zu rollen.

Faszienrollen und -bälle nutzt Du vor oder nach dem Sport. Manche Menschen wenden die Hartschaumrollen auch zur Entspannung an. Bei den meisten Übungen legst Du die Faszienrolle auf den Boden. Anschließend rollst Du Deinen Körper bzw. einzelne Körperteile darüber, zum Beispiel:

  • die WadeF
  • die Unterseite des Oberschenkels
  • die Außenseite des Oberschenkels
  • den Rücken.

Wenn Dunoch keine Erfahrungen mit Faszienrollen und der Rollmassage gesammelt hast, solltest Du Dich anfangs an fundierte Anleitungen für Faszien-Übungen halten. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob ein Faszientraining wegen bestimmter Beschwerden für Dich infrage kommt, erkundige Dich bitte vorher bei Deinem Arzt.

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Was ist die Faszientherapie?

Bei der Faszientherapie handelt es sich um einen Überbegriff für unterschiedliche Methoden, die darauf abzielen, die Faszien zu beeinflussen. Einige Therapeuten, die mit der Faszientherapie arbeiten, sprechen zum Beispiel davon, Verklebungen zu lösen oder die Faszien zu dehnen.

Die Faszientherapie kann auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Anwendungen zurückgreifen. Bei einigen davon bleibst Du passiv. Insbesondere Massagen sind hier zu nennen. Darüber hinaus verwenden die Therapeuten mitunter weitere Techniken aus der manuellen Therapie oder der Osteopathie.

Zu den aktiven Formen der Faszientherapie gehören bestimmte Yogaübungen. In der Regeln behandelst Du die Faszien nicht isoliert, sondern zusammen mit den Muskeln, Sehnen, Bändern und anderen anatomischen Einheiten. Ausschließlich die Faszien anzusprechen, ist nicht möglich.

Ob ein Anbieter von „Faszientherapie“ oder von „Faszientraining“ spricht, hängt nicht nur davon ab, welche Sportübungen und anderen Anwendungen zum Einsatz kommen. Bei der Therapie steht die Behandlung von Beschwerden im Vordergrund. Den Begriff „Faszientraining“ verwenden die meisten Menschen hingegen, wenn sie die Faszienübungen in das

Warm-up oder Cool-down beim Sport integrieren.

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Welche Wirkung haben die Faszientherapie und das Faszientraining?

Oft erhoffen sich die Personen, die die Faszientherapie in Anspruch nehmen oder ein Faszientraining absolvieren, davon gleich mehrere Effekte:

  • Schmerzlinderung
  • bessere Beweglichkeit
  • weniger Muskelkater
  • bessere sportliche Leistung
  • Verringerung von Verspannungen.

Allerdings sind nicht alle diese Effekte wissenschaftlich belegt. Insbesondere Schmerzen stellen ein sehr komplexes Thema dar. Inwiefern Du allein die Faszien für Schmerzen verantwortlich machen kannst, ist jedoch unklar. Bei einigen Schmerzarten scheint eine (Selbst-)Massage eine naheliegende Behandlungsmöglichkeit. Dazu gehören Rückenschmerzen, die durch Muskelverspannungen verursacht werden.

Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Übungen mit der Faszienrolle die Flexibilität zumindest kurzfristig verbessern können. Auch hinter der Behauptung, das Faszientraining könne dem unangenehmen Muskelkater vorbeugen, scheint etwas Wahres zu stecken.

Ob sich die sportliche Leistung durch die Faszientherapie steigern lässt, ist unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass die Performance durch Faszienrollen-Übungen zumindest nicht sinkt. Eine Reduktion von Verspannungen ist noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Einige Experten äußern jedoch die Ansicht, dass diese Wirkung plausibel wäre – denn mit der Faszienrolle massierst Du Dich im Wesentlichen selbst, was auch zur Muskelentspannung beitragen kann.

Die Faszientherapie kann akute Schmerzen verursachen, wenn der Therapeut auf Triggerpunkte mechanischen Druck ausübt. Dabei sollte die Faszientherapie jedoch nicht so schmerzhaft sein, dass der Patient es nicht mehr aushält.

Bezahlt die Krankenkasse eine Faszientherapie?

Die Faszien werden oft mit den Techniken aus der manuellen Therapie behandelt. Die Krankenkasse kann die Kosten für eine solche Behandlung übernehmen. Dazu ist es aber erforderlich, dass ein Arzt mit einer bestimmten Zusatzqualifikation die manuelle Therapie durchführt – oder dass ein Physiotherapeut auf Anordnung eines Arztes tätig wird.

Auch die Kosten für eine Chirotherapie werden möglicherweise von der Krankenkasse erstattet. Bei den Heilmitteln ist jedoch oft eine Zuzahlung erforderlich, die der Patient selbst übernimmt. Erkundige Dich vor einer Behandlung am besten nach den aktuellen Bedingungen, die für Dich persönlich gelten.

Einige Krankenkassen, darunter die AOK, befürworten und fördern spezielle Kurse für das Faszientraining.

Was besagt das Fasziendistorsionsmodell von Typaldos?

Stephen Typaldos beschäftigte sich bereits in den 1990er Jahren mit den Bindegewebshüllen, welche die Muskeln umgeben. Der amerikanische Arzt entwickelte ein Modell, das er vor allem auf seine klinische Erfahrung stützte.

Daraus leitete er sechs Arten von Fasziendistorsionen ab. „Distorsion“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Kollagenfasern zu stark gedehnt wurden, sie verdreht sind oder andere Schäden an ihnen vorliegen.

Die sechs Distorsionen nach Stephen Typaldos sind:

  1. Faltdistorsion: die sogenannten Faltfaszien an einem Gelenk sind verdreht
  2. hernierter Triggerpunkt: anderes Gewebe drückt gegen die Faszien und wölb sie vor
  3. Kontinuumsdistorsion: in einem Bereich, in dem unterschiedliche Gewebearten aufeinandertreffen, befinden sich die Gewebe nicht in der richtigen Position zueinander
  4. tektonische Fixation: die Faszien an einem Gelenk können nicht mehr richtig übereinandergleiten
  5. Triggerband: die Faszie ist zerfasert, verdreht oder verkalkt
  6. Zylinderdistorsion: Faszien, die sich dicht unter der Haut befinden, überlappen sich

Typaldos verband in seinem Behandlungskonzept verschiedene Elemente aus der Osteopathie mit der klassischen Orthopädie. Er selbst bezeichnete dieses Konzept als orthopathische Medizin. Dennoch zählt die Faszientherapie heute allgemein nicht zum schulmedizinischen Repertoir, sondern stellt vielmehr eine noch immer wenig evidente Methode der Alternativmedizin dar.

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Referenzen:

 

  • DGOU S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz. AWMF 033-05. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-051l_S2k_Spezifischer_Kreuzschmerz_2018-02.pdf
  • evidenzbasiertephysiotherapie.de/faszientherapie-sinnvoll-oder-nicht/
  • Igel R. Das Fasziendistorsionsmodell (nach Typaldos): Die 6 Störungen und deren Behandlung. Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2014; 12(4): 21-25. doi:10.1055/s-0034-1383009
  • Typaldos S. Faszien Distorsions Modell – Die Verbindung von Orthopädie und Osteopathie n. Typaldos. 4. Auflage 2011; ISBN: 9780615539935

 

 

geprüft und ergänzt am 01.05.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau