Bandscheibenvorfall Operation (OP): Wann ist sie notwendig?

Bandscheibenvorfall Operation OP

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

In diesem Ratgeber zur Bandscheibenvorfall-OP findest Du alle Fakten sowie wichtige Tipps und Informationen, die Du zur Abwägung einer Operation nach Bandscheibenprolaps benötigst.

Wie häufig kommt es nach einem Bandscheibenprolaps zur OP?

In Deutschland finden jedes Jahr etwa 140.000 Operationen an den Bandscheiben statt. Insgesamt treten jedoch deutlich mehr Bandscheibenvorfälle auf.

Die gute Nachricht lautet also: Eine Operation ist nach einem Bandscheibenvorfall nur in wenigen Fällen wirklich notwendig. Die meisten Prolapse können mit einer konservativen Therapie behandelt werden. Das bedeutet, dass die Behandlung ohne einen chirurgischen Eingriff erfolgt.

Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen werden operiert. Nicht immer findet die OP gleich nach dem Auftreten des Bandscheibenvorfalls statt. Sofern keine schwerwiegenden Gründe für eine sofortige Bandscheiben-OP sprechen, greifen viele Ärzte zunächst auf eine konservative Behandlung mit Physiotherapie und Schmerzmitteln zurück.

Bei diesen Warnzeichen ziehen Mediziner jedoch eine direkte Bandscheiben-Operation in Betracht, zum Beispiel bei:

  • schweren Lähmungen
  • fortschreitenden neurologischen Beschwerden
  • Störungen der Blasenfunktion
  • Taubheitsgefühl an der Innenseite der Oberschenkel, am Gesäß und im Genitalbereich (Reithosen-Anästhesie).

Einige dieser Symptome deuten auf eine drohende Querschnittslähmung hin. Die Reithosen-Anästhesie kann auch durch das Kauda-Syndrom ausgelöst werden. Dieses Syndrom geht auf Nervenschäden zurück, die eine rasche Behandlung erfordern.

Ist jede OP sinnvoll?

Viele Patienten hoffen, eine Bandscheiben-Operation vermeiden zu können. Grundsätzlich folgen Ärzte sowohl wissenschaftlichen Standards als auch ethischen Grundsätzen und empfehlen einen chirurgischen Eingriff nur, wenn er medizinisch indiziert ist.

Allerdings gibt es Regionen in Deutschland, in denen auffällig viele Bandscheiben-Operationen stattfinden. Im Jahr 2017 wertete die Bertelsmann-Stiftung die Daten aus 402 Städten und Kreisen aus. Die Analyse konzentrierte sich auf drei verschiedene Eingriffe, die am Rücken durchgeführt werden können. Bandscheiben-OPs waren einer der Eingriffe, die berücksichtigt wurden.

Dabei stellte die Stiftung fest, dass in einigen Städten und Kreisen die Ärzte besonders regelmäßig Operationen durchführten. In einigen Orten kamen Bandscheiben-Operationen sechsmal häufiger vor als in anderen Städten.

Manche Kritiker erklären die Unterschiede damit, dass in einigen Regionen möglicherweise unnötige Bandscheiben-Operationen stattfinden. Ein Experte der Bertelsmann-Stiftung verweist auf einen anderen Grund. Die Stiftung spricht von „Versorgungsmustern“ und „Versorgungsgewohnheiten“, die sich regional unterscheiden können.

Mit anderen Worten: Wenn in einer Region die Bandscheiben-Patienten besonders oft auf dem Operationstisch landen, liegt dies nicht zwingend an finanziellen Interessen oder anderen unlauteren Motiven. Sowohl Ärzte als auch Patienten tauschen sich untereinander aus. Auch die Infrastruktur ist von Ort zu Ort verschieden. Dadurch können regionale Normen entstehen – auch völlig unbeabsichtigt.

Was ist ein minimalinvasiver Eingriff?

Bei einer minimalinvasiven Bandscheiben-Operation setzt der Chirurg lediglich einen kleinen Schnitt. Durch diese Eintrittsstelle führt der Operateur spezielle Instrumente ein, die zum Beispiel eine winzige Kamera tragen können. Durch verlängerte kleine Geräte kann der Chirurg zudem verschiedene Handgriffe durchführen – zum Beispiel das Schneiden oder Absaugen von Gewebe.

Dabei kommt ein sogenanntes Endoskop zum Einsatz. Das Endoskop stellt ein schlauchförmiges Hilfsmittel dar. Der Chirurg sieht, was er tut, über einen Bildschirm. Da für eine minimalinvasive Bandscheiben-Operation eine spezielle Ausstattung erforderlich ist, kann sie nicht überall durchgeführt werden.

Verglichen mit einer herkömmlichen Operation besitzt ein endoskopischer Eingriff einige Vorteile. Da die entstehende Wunde kleiner ist, muss der Körper weniger Gewebe regenerieren. Die Patienten benötigen nach einer minimalinvasiven Operation weniger Zeit, um sich zu erholen, als nach einer Standard-OP.

Bei einem minimalinvasiven Eingriff entstehen ebenso wie bei einer normalen Operation Narben. Allerdings sind diese bei der endoskopischen OP in der Regel kleiner und dadurch unauffälliger. Darüber hinaus soll der kleinere Eingriff dazu führen, dass der Patient weniger Schmerzen erleidet und sich folglich nach der OP besser fühlt als bei einer herkömmlichen Operation.

Wie sieht ein minimalinvasiver Eingriff an der Bandscheibe aus?

Ein Bandscheibenvorfall kann dadurch zustande kommen, dass der Faserring bricht und der Gallertkern austritt. Dadurch kann die Gallerte unter Umständen auf die Rückenmarksnerven drücken, und so Schmerzsymptome oder Lähmungen verursachen.

Mithilfe einer minimalinvasiven Operation kann ein Chirurg dieses überschüssige Gewebe entfernen. Das Ziel besteht darin, dass die Gallerte nicht mehr auf die Nervenwurzel drückt. Dadurch sollen die Rückenschmerzen und andere Symptome wie Kribbelgefühle und Lähmungen vergehen.

Bei den meisten Bandscheibenvorfällen handelt es sich um Prolapse, die im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten. Wenn ein solcher LWS-Bandscheibenvorfall operiert wird, entfernt der Chirurg meist nur die ausgetretene Gallerte. Der elastische Puffer verbleibt an seinem angestammten Platz. Die Bandscheibe wird dabei nicht komplett entfernt. In besonders schweren Fällen jedoch wird die gesamte Bandscheibe entfernt und die Wirbelsäule an der betreffenden Stelle entweder versteift oder durch den Einsatz einer Bandscheibenprothese weiterhin beweglich gehalten.

Welche Vorgehensweise möglich und sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Wenn Dir eine Operation an einer Bandscheibe bevorsteht, wird der behandelnde Arzt die Einzelheiten mit Dir in einem vorbereitenden Gespräch erörtern.

Ist nach einer Bandscheiben-Operation ein Rückfall möglich?

Wie wahrscheinlich nach der Bandscheiben-OP ein Rückfall ist, hängt unter anderem von der Art der Operation, aber ebenso vom Verhalten der Betroffenen ab. Wenn bei dem Eingriff nur der Teil des ausgetretenen Gallertkerns entfernt wurde, kann das Bandscheibeninnere den äußeren Faserring eventuell erneut überwinden und durch ein Loch ausfließen.

Anschließend drückt die Gallerte möglicherweise wieder auf die Nervenwurzel. Die Folge sind häufig die typischen Bandscheibenvorfall-Symptome wie Rückenschmerzen und Kribbelgefühle.

Neben einem Rückfall an derselben Bandscheibe ist es zudem möglich, dass es neben dem operierten Bandscheibenvorfall zu einem weiteren Prolaps an einer anderen Bandscheibe kommt.

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Zweitmeinung wegen einer Bandscheiben-OP einholen

Da vor einer Operation viele Eventualitäten und Details zu beachten sind, fällt es Laien sehr schwer, sich ein Urteil über die Lage zu bilden. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient seinem behandelnden Arzt vertrauen kann.

Allerdings kommt es vor, dass Betroffene daran zweifeln, ob eine Operation wirklich notwendig ist – obwohl der Arzt sich dafür ausgesprochen hat. In einer solchen Situation holen sich manche Patienten den Rat eines weiteren Arztes ein – eine sogenannte Zweitmeinung.

Bei einer Zweitmeinung steht allerdings nicht immer das Misstrauen im Vordergrund. Durch das Vier-Augen-Prinzip lassen sich mitunter Fehlentscheidungen vermeiden. Auch Ärzte sind nur Menschen und können sich mit ihrer Einschätzung irren – zum Beispiel, weil ihnen ein Detail entgangen ist.

Wenn Du vor einer Bandscheiben-OP eine ärztliche Zweitmeinung einholen willst, solltest Du Dich bei Deiner Krankenkasse nach der Kostenübernahme erkundigen. Einige Krankenkassen bieten ihren Versicherten eine Telefon- oder Onlineberatung an, bevor sie sie an ausgewählte Ärzte oder Behandlungszentren verweisen.

Manche Krankenkassen unterstützen es ausdrücklich, wenn ein Patient vor einer Operation die Meinung eines zweiten Arztes einholen möchte. Durch einen chirurgischen Eingriff entstehen in der Regel höhere Kosten als bei einer konservativen Behandlung. Deshalb ist es sowohl in Deinem Interesse als auch im Sinne Deiner Krankenversicherung, wenn Du eine unnötige Operation vermeidest.

Laut der Barmer entscheidet sich die Hälfte der dortigen Versicherten, die an der Wirbelsäule operiert werden sollten, nach der Zweitmeinung gegen eine Operation.

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Welche Risiken bestehen bei einer Operation an der Bandscheibe?

Vor einer Bandscheiben-OP klärt Dich der Behandler über die Risiken des Eingriffs auf. Diese variieren je nachdem, welches Verfahren der Chirurg einsetzt. Im Allgemeinen können bei einer Operation ungewollte Blutungen entstehen. Die strengen Hygieneregeln im OP reduzieren das Risiko von Infektionen. Dennoch bleibt ein Restrisiko bestehen.

Auch eine Schädigung der Nerven ist bei einer Bandscheiben-OP möglich. Hinzu kommen die Risiken, die mit einer Narkose einhergehen. Manche Menschen reagieren auf Narkose-, Schmerz- und andere Arzneimittel allergisch oder überempfindlich. Dadurch sind ebenfalls Komplikationen möglich.

Wann wird eine Bandscheibe durch eine Prothese ersetzt?

Ein Chirurg kann eine künstliche Bandscheibe einsetzen, wenn die Bandscheibe aufgrund der Schäden komplett entfernt werden musste. Eine künstliche Bandscheibe setzt voraus, dass die Wirbel stabil sind. Zum Beispiel sollten die Wirbel nicht von Osteoporose betroffen sein.

Wenn die Prothese zum Einsatz kommt, handelt es sich oft um einen Bandscheibenprolaps in der Halswirbelsäule. Darüber hinaus erachten Mediziner eine künstliche Bandscheibe vor allem bei jüngeren Betroffenen als sinnvoll, da sie einen gewissen Bewegungsgrad erhält. Die Alternative zur Bandscheibenprothese wäre dann nur die Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese) und damit die Unbeweglichkeit im betroffenen Wirbelbereich.

Was ist eine Spondylodese?

Als Spondylodese bezeichnen Ärzte eine absichtliche Versteifung der Wirbelsäule. Diese kann ebenfalls im Rahmen einer Operation vorgenommen werden. Manchmal versteift ein Operateur die Wirbelsäule zusätzlich, wenn er eine Bandscheibe entfernt hat. Der Chirurg kann den Eingriff von vorn oder von hinten vornehmen.

Die Spondylodese besitzt Vor- und Nachteile. Sie kann die Wirbelsäule stabilisieren – doch sie schränkt gleichzeitig die Beweglichkeit des Rückens ein. Denn die Versteifung beruht darauf, dass künstliche Platten und Schrauben die Wirbel fixieren.

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Referenzen:

  • Amboss: amboss.com/de/wissen/Bandscheibenprolaps (Abruf am 18.03.2021)
  • IQWiG: gesundheitsinformation.de/bandscheiben-operationen.html (Abruf am 18.03.2021)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/bandscheibenvorfall-diskusprolaps/therapie/ (Abruf am 18.03.2021)
  • S2k-Leitlinie zur Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik. AWMF-Registernummer 033-048 (Version vom 3. September 2020)
  • Techniker Krankenkasse: tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/orthopaedische-erkrankungen/eingriff-ins-rueckgrat-wie-wird-ein-bandscheibenvorfall-operiert-2056402 (Abruf am 18.03.2021)

Geprüft und ergänzt am 18.03.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau