Bandscheibenvorfall HWS: Halswirbelsäule Symptome, Behandlung, Schmerzen, Übungen, OP

Bandscheibenvorfall HWS Halswirbelsäule

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Schmerzen in der Halswirbelsäule (HWS) können Symptome für einen Bandscheibenvorfall der HWS sein. Wie Sie sicher testen können, ob Sie betroffen sind und weitere Informationen zu Behandlung, Übungen und Operation (OP), lesen Sie in diesem Ratgeber.

Wann entsteht ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) ?

Bandscheibenvorfälle in der HWS machen etwa zehn Prozent aller Diskusprolapse aus. Manche Mediziner nehmen sogar an, dass es sich um 25 Prozent handelt. So oder so liegt die Halswirbelsäule damit an zweiter Stelle, wenn es um die Häufigkeit von Bandscheibenprolapsen geht.

Zwei Bandscheiben in der Halswirbelsäule sind besonders anfällig für einen Diskusprolaps:

  • zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel
  • zwischen dem sechsten und siebten Halswirbel.

Bei vielen Menschen wölbt sich die Bandscheibe im Laufe des Lebens vor. Ärzte sprechen in diesem Fall von einer Bandscheibenprotrusion. Diese Vorwölbung ruft oft keine Symptome hervor. Sie kann sich jedoch zu einem Bandscheibenvorfall mit entsprechenden Beschwerden entwickeln. Die Protrusion wird deshalb mitunter auch als die Vorstufe eines Bandscheibenvorfalls betrachtet.

Mit zunehmendem Alter verschließen viele Teile des Körpers. Auch vor dem Rücken macht die Zeit keinen Halt. Zu den weiteren Faktoren, die einen Bandscheibenvorfall in der HWS begünstigen, gehören:

  • falsche Sitzhaltung
  • Überbelastung der Wirbelsäule
  • plötzliche Drehbewegungen
  • Übergewicht oder Adipositas
  • unfallbedingte Verletzungen.

Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS)

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann es zu Schmerzen im betroffenen Bereich kommen. Dazu gehört auch das Versorgungsgebiet des Nervs, auf den die Bandscheibe bei einem Prolaps Druck ausüben kann.

Deshalb gehören Nackenschmerzen zu den gängigen Symptomen eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule. Der Schmerz kann darüber hinaus in die Arme ziehen und auch die Finger betreffen. Bei vielen Bandscheiben-Patienten treten die Schmerzen plötzlich auf: Der Schmerz beginnt meist plötzlich, wenn die Bandscheibe gegen die Nervenwurzel drückt, die hinter ihr liegt.

In welche Finger die Schmerzen eventuell ausstrahlen, ist unterschiedlich. Dies hängt davon ab, an welcher Nervenwurzel der Prolaps oder die Diskushernie auftritt. Auch Kopf- und Schulterschmerzen treten bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule bei vielen Patienten auf. Einige Betroffene leiden unter Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Dies ist jedoch verhältnismäßig selten.

Als eine Reaktion auf die Belastung und die Schmerzen ist es möglich, dass sich die Muskulatur im Nackenbereich verspannt. Sie fühlt sich dann hart an und kann ebenfalls wehtun. Manche Betroffene nehmen eine Fehlhaltung ein, um den Schmerz zu vermeiden (sogenannte Schonhaltung), oder können ihren Kopf nicht mehr wie gewohnt bewegen.

Warum sind die Schmerzen teilweise bewegungsabhängig?

Die Halswirbelsäule setzt sich aus sieben Wirbeln zusammen. Zwischen den einzelnen Knochen befinden sich die Bandscheiben. Sie federn unter anderem die Bewegungen ab und wirken somit wie ein Stoßdämpfer, damit die Wirbelkörper nicht gegeneinander prallen.

Die Wirbelsäule trägt einerseits zur Stabilität des Körpers bei – sie ist andererseits jedoch nicht steif. Die Anatomie der Halswirbelsäule ermöglicht es Dir, Deinen Kopf in verschiedene Richtungen zu bewegen. Gleichzeitig benötigen die Bandscheiben die Bewegung, um vom Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu werden und die Abfälle aus dem Zellstoffwechsel zu entsorgen.

Bei einem Bandscheibenvorfall in der HWS können bestimmte Bewegungen dazu führen, dass der Druck auf die Nervenwurzel erhöht wird. Dementsprechend können sich bei einem Diskusprolaps auch die Schmerzen bewegungsabhängig verändern.

Kribbeln in den Händen und andere neurologische Symptome

Einige Menschen, die unter einem Bandscheibenvorfall leiden, nehmen Kribbelgefühle in den Armen oder in den Händen wahr, obwohl eigentlich kein entsprechender Reiz vorliegt. Die Symptome müssen nicht beide Körperseiten betreffen, sondern können auch nur in einem Arm auftreten.

Taubheitsgefühle sind ebenfalls möglich. Darüber hinaus spüren manche Betroffene Kälteschauer oder leiden unter anderen Sensibilitätsstörungen. Ebenso kann es zu weiteren Symptomen kommen, wie z. B. Sehstörungen oder Schwindel.

In schweren Fällen ruft ein Bandscheibenvorfall in der HWS unter Umständen Lähmungen hervor. Wenn Du auf einmal bestimmte Armbewegungen nicht mehr ausführen kannst oder wenn Dir Deine Finger nicht mehr gehorchen, solltest Du umgehend einen Arzt aufsuchen. Die Lähmung muss sich nicht auf den ganzen Arm beziehen, sondern kann sich auch nur auf einzelne Bewegungen auswirken, zum Beispiel beim Strecken oder Beugen des Arms.

Wenn eine Bandscheibe auf die siebte Nervenwurzel (C7) drückt, spürst Du das Kribbeln und ähnliche Symptome im Zeigefinger und im Mittelfinger. Ist hingegen die sechste Nervenwurzel (C6) betroffen, machen sich die Beschwerden im Daumen bemerkbar.

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Wie kann eine Behandlung des Bandscheibenvorfalls in der HWS aussehen?

Oft beginnt die Behandlung von einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule mit sogenannten konservativen Methoden. Dazu gehören vor allem Schmerzmittel, die die Beschwerden lindern und die Physiotherapie. Bei der Physiotherapie kommen verschiedene Bandscheibenvorfall Übungen zum Einsatz. Der gezielte Einsatz von Wärme kann ebenfalls Teil der Behandlung sein.

Einigen Patienten wird im Rahmen der Behandlung empfohlen, für kurze Zeit eine Zervikalstütze zu tragen. Eine solche Halskrause entlastet die Wirbelsäule. Außerdem schränkt sie die Bewegungen ein. Die Immobilisierung ist für den Träger oft ungewohnt, kann jedoch falsche Bewegungen vermeiden, die für die geschädigte Bandscheibe problematisch wären.

Ob eine Halskrause und/oder eine andere Maßnahme angebracht sind, können nur qualifizierte Experten entscheiden. In seltenen, schweren Fällen und dann, wenn die konservativen Therapien keine Besserung bewirken, entscheidet sich der Arzt gemeinsam mit dem Patienten für eine operative Therapie.

Eine Operation kann beispielsweise notwendig sein, wenn der Prolaps sehr schwere oder langanhaltende Symptome hervorruft. Darüber hinaus kommt es gelegentlich vor, dass die konservative Behandlung keinen ausreichenden Erfolg erzielt. Auch in dieser Situation zieht ein Arzt eine OP in Betracht. Ein operativer Eingriff kann vom Nacken aus vorgenommen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Operateur von vorne am Hals arbeitet. In beiden Fällen wird beim Bandscheibenvorfall der HWS minimalinvasiv gearbeitet.

Das Ziel der Operation besteht häufig darin, die betroffene Bandscheibe zu entfernen. Damit die Wirbel ohne Bandscheibe nicht aneinanderstoßen, setzt der Operateur einen Ersatz ein, zum Beispiel in Form einer künstlichen Bandscheibe.

Da die Operation auch potenzielle Risiken mit sich bringt, hängt die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlungsmethode vom Nutzen-Risiko-Verhältnis ab.

Was bringen alternative Behandlungsmethoden?

Die sogenannte Alternativmedizin ist in Fachkreisen heftig umstritten. Zwar gibt es auch Ärzte, die sich für homöopathische Mittel und ähnliche Methoden aussprechen. Allerdings basieren viele Ansätze aus der Alternativmedizin nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Kritiker von alternativmedizinischen Methoden verweisen häufig darauf, dass ohne wissenschaftliche Studien ein Placebo-Effekt nicht ausgeschlossen werden kann. Darüber hinaus können die Symptome eines leichten Bandscheibenvorfalls auch von allein abklingen.

Ist Rückentraining nach einem zervikalen Bandscheibenvorfall gut oder schlecht?

Das kommt darauf an. Langfristig verfolgen viele Patienten nach einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule das Ziel, die Nacken- und Rückenmuskulatur zu stärken. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: Eine kräftige Muskulatur soll die Wirbelsäule stützen und dadurch entlasten. Darüber hinaus können die Muskeln zu einer gesunden Körperhaltung beitragen und dadurch einen möglichen Risikofaktor für Bandscheibenvorfälle verringern.

Allerdings gilt auch beim Sport, dass plötzliche Bewegungen oder falsche Belastungen die Wirbelsäule schädigen können. Zudem ist die Belastung, die einen Trainingseffekt erst möglich macht, nicht für jeden Patienten gleichermaßen geeignet.

Am besten erkundigst Du Dich bei Deinem Arzt, ob Du nach einem Bandscheibenvorfall Sport machen darfst. Wenn zu Deiner Behandlung Krankengymnastik gehört, kannst Du dieses Thema auch bei Deinem Physiotherapeuten ansprechen.

Ist ein Diskusprolaps in der HWS heilbar?

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann sehr unangenehm sein. Viele Patienten leiden unter Schmerzen und fühlen sich dadurch stark eingeschränkt. Für manche Menschen stellt das Wissen um die gesundheitlichen Probleme und die Risiken darüber hinaus eine psychische Belastung dar.

Die gute Nachricht lautet: Bandscheibenvorfälle müssen nicht zu einer dauerhaften Beeinträchtigung führen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie einen Bandscheibenvorfall in der HWS ernst nehmen.

Bei der Physiotherapie, aber auch bei anderen Behandlungsmethoden, ist es notwendig, dass Du Dich nicht als ein rein passives Element begreifst, das von anderen behandelt wird. Stattdessen solltest Du die Ratschläge Deines Arztes beherzigen und Deinen eigenen Fortschritt durch ein angemessenes Verhalten aktiv unterstützen.

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Referenzen:

  1. bandscheibenvorfall.de/erkrankungen-der-wirbelsaeule/bandscheibenvorfall-hws/
  2. deutsche-familienversicherung.de/krankenhauszusatzversicherung/ratgeber/artikel/bandscheibenvorfall-bandscheibenprolaps-symptome-diagnose-therapie/
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: dgnc.de/gesellschaft/fuer-patienten/halswirbelsaeulenerkrankungen/
  4. rosenfluh.ch/rosenfluh/stories/publikationen/tmj/2008-03/07_Bandscheibenvorfall%20HWS.pdf

geprüft und ergänzt am 15.03.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau