Steifer Nacken: Soforthilfe bei einem steifen Nacken

Steifer Nacken

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Ein steifer Nacken ist ziemlich schmerzhaft. Schon bei der kleinsten Bewegung Deines Kopfes scheint die verhärtete Halsmuskulatur zu streiken. Zusätzlich treten bohrende Schmerzen auf. Für einen steifen Nacken kann es mehrere Ursachen geben. Diese sind meist harmlos (z. B. Zugluft), manchmal ist der steife Nacken jedoch auch Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung.

Im nachfolgenden Artikel erklären wir Dir, wie es zur Nackensteifheit kommt und was Du tun kannst, um die Beschwerden zu lindern.

Wann spricht man von einem steifen Nacken?

So gut wie jeder leidet in unserer modernen Gesellschaft ab und zu unter Nackenschmerzen, auch als HWS- oder Zervikalsyndrom bekannt. Kennzeichnend für den steifen Nacken ist allerdings die eingeschränkte Mobilität des Kopfes. Dennoch werden Nackenschmerzen und steifer Nacken häufig synonym verwendet. Das ist auch gar nicht falsch: Häufig entwickelt sich die Nackensteifheit aufgrund des HWS-Syndroms.

Verkürzte Faszien und die verhärtete Nackenmuskulatur führen zu Schmerzen im Nacken und Hinterkopf. Die Beschwerden können bis in die Arme und Schultern ausstrahlen. In manchen Fällen kommt es sogar zu einem Taubheitsgefühl in den Fingern. Generell schränkt Dich der steife Nacken stark in Deinem Alltag ein.

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Welche Ursachen kann ein steifer Nacken haben?

Der steife Nacken entsteht zumeist aufgrund einer dauerhaften Fehlbelastung im Alltag. Insbesondere Menschen, die lange am Schreibtisch sitzen müssen, sind betroffen. Häufig kommt es zu einer unbewussten Überstreckung des Nackens, was langfristig zu Schmerzen und Steifigkeit führt.

Darüber hinaus dürften unsere allzeit griffbereiten Handys nicht ganz unschuldig an den weitverbreiteten Nackenproblemen sein. Beobachte doch mal die Menschen auf der Straße: Wie viele von ihnen laufen mit gebeugten Nacken herum, den Blick aufs Smartphone gerichtet? Wahrscheinlich wirst Du diese Verhaltensweise ziemlich oft beobachten können. Vielleicht ertappst Du Dich ja selbst dabei?

Wichtig zu wissen: Langfristig kann die permanente Fehlhaltung degenerative Prozesse in der Wirbelsäule und in den Bandscheiben auslösen, was die Beschwerden weiter verstärkt.

Auch das sogenannte “Verlegen” über Nacht kann den Nacken steif machen. Gründe hierfür können ein zu weiches oder zu hartes Kopfkissen sein. Meist verliegt man sich beim Übernachten in einer ungewohnten Umgebung oder bei seelischer Anspannung. Die psychische Komponente spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Entwicklung von Nackenschmerzen. Dies wurde anhand mehrerer Studien belegt.

Weiterhin ist Zugluft ein häufiger Grund für einen steifen Nacken. Es genügt schon, in kalten Nächten das Fenster geöffnet zu lassen. Noch schlimmer ist es, im Bus oder in der Bahn am geöffneten Fenster zu sitzen, während Dir kalter Wind in den Nacken bläst. In seltenen Fällen kann der steife Nacken jedoch auch auf ernste Erkrankungen wie Hirnhautentzündung, Tumoren, Rheuma oder Morbus Bechterew hinweisen.

Wann solltest Du dringend zum Arzt?

Meist ist der steife Nacken lediglich auf verhärtete Muskulatur zurückzuführen und lässt sich gut behandeln. In folgenden Situationen bzw. beim Auftreten folgender zusätzlicher Symptome solltest Du Dich jedoch umgehend in ärztliche Behandlung begeben:

  • Nackensteifigkeit + Fieber
  • Nackensteifigkeit + unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Nackensteifigkeit + chronische Schmerzen in der Lendenwirbelsäule
  • Nackensteifigkeit + Schwindel
  • Nackensteifigkeit + Gangstörungen
  • Nackensteifigkeit + neurologische Ausfälle (Taubheitsgefühle)
  • Nackensteifigkeit bei zurückliegenden Tumorerkrankungen
  • Nackensteifigkeit nach Autounfall (Verdacht auf Schleudertrauma)

Welcher Arzt ist bei Nackensteifigkeit der richtige Ansprechpartner?

In den meisten Fällen ist die Nackensteifigkeit auf muskuläre Verspannungen zurückzuführen. In diesem Fall bist Du beim Orthopäden bestens aufgehoben. Bei degenerativen Veränderungen ist hingegen der Rheumatologe der richtige Ansprechpartner. In seltenen Fällen ist der steife Nacken Ausdruck (beginnender) neurologischer Störungen. Hier ist selbstverständlich ein Neurologe aufzusuchen.

Steifer Nacken bei Erkältung und Grippe

Häufig ist ein steifer Nacken auch Begleitsymptom einer Erkältung oder Grippe. Die Erkältungs- bzw. Grippeviren lösen die Nackensteifigkeit nicht direkt aus, sondern sie entstehen aufgrund der muskulären Verkrampfung des gesamten Körpers. Um den Kopf zu entlasten, verkrampfst du deinen Nacken unbewusst, woraufhin sich dieser versteift.

Ein steifer Nacken bei Erkältung lässt sich in der Regel gut behandeln und verursacht keine weiteren Komplikationen. Treten zusätzlich Schüttelfrost und hohes Fieber auf, solltest Du sicherheitshalber einen Arzt rufen.

Kann ein steifer Nacken Anzeichen einer Corona-Infektion sein?

Allein aufgrund eines steifen Nackens lässt sich nicht auf eine Corona-Infektion schließen. Treten allerdings weitere spezifische Symptome auf, wie der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, Husten und Fieber, solltest Du Dich telefonisch mit Deinem Hausarzt in Verbindung setzen und das weitere Vorgehen besprechen.

Dies gilt besonders, wenn Du Dich kürzlich in einem Risikogebiet aufgehalten hast oder Kontakt zu einer infizierten Person hattest. Das Coronavirus löst grippeähnliche Symptome aus, daher kann neben Gliederschmerzen auch ein steifer Nacken durchaus vorkommen. Dennoch ist dieser als einziges Diagnosekriterium nicht ausreichend.

Kannst Du Dich aufgrund eines steifen Nackens krankschreiben lassen?

Mit einem steifen Nacken bist Du nicht arbeitsfähig. Von daher ist eine Krankschreibung sinnvoll, bis sich die Symptome gebessert haben. Übrigens ist fast jede dritte Krankschreibung in Deutschland auf Rücken- und /oder Nackenschmerzen zurückzuführen. Je nach Schweregrad dauert die Arbeitsunfähigkeit durchschnittlich bis zu zwei Wochen, im Einzelfall länger oder kürzer.

Wie lange dauert die Nackensteifigkeit?

Wie bereits zuvor erwähnt, sollten die akuten Beschwerden nach etwa vierzehn Tagen abgeklungen sein. In einigen Fällen werden die Nackenschmerzen jedoch chronisch. In diesem Fall leidest Du dauerhaftunter Schmerzen und Steifigkeit. Von chronischer Nackensteifigkeit spricht man, wenn diese länger als drei Monate besteht. Damit es gar nicht erst so weit kommt, solltest Du rechtzeitig gegensteuern.

Was kannst Du gegen einen steifen Nacken tun?

Wenn der Nacken sich versteift hat, neigen viele Menschen dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Dies ist jedoch verkehrt. Bewegung ist gerade bei einem steifen Nacken wichtiger denn je. Wenn Du Deinen steifen Nacken schnell loswerden möchtest, solltest du folgende Aspekte kombinieren:

  • 1. Bewegung
  • 2. Wärme
  • 3. Schmerzlinderung

Nachfolgend werden wir Dir einige ausgewählte Übungen vorstellen, die bei Nackensteifigkeit schnell Linderung verschaffen. Sind Deine Schmerzen derart stark, dass Du den Kopf gar nicht bewegen kannst, ist ein Schmerzgel ratsam. Vorübergehend können Schmerzmittel helfen, eine Schonhaltung zu vermeiden und einer Chronifizierung vorzubeugen. Eine Dauerlösung sind sie allerdings nicht.

Weiterhin ist Wärme wichtig, um die Muskulatur zu entkrampfen. Lege Dir ein Kirschkernkissen in den Nacken oder nutze ein Wärmepflaster aus der Apotheke.

Übungen gegen einen steifen Nacken

Um Nackensteifigkeit sanft zu lösen, eignen sich folgende Übungen:

Nackendehnung im Sitzen

Setze Dich aufrecht auf einen Stuhl. Nun greifst Du mit beiden Armen an Deinen Hinterkopf. Mit der Unterstützung Deiner Arme ziehst Du Dein Kinn nun so weit wie möglich zur Brust. Achte darauf, dass Dein Oberkörper aufrecht bleibt! Halte die Position für zwei Minuten, dann löse die Dehnung. Mit dieser Übung dehnst Du vor allem Deine gerade Nackenmuskulatur.

Nackendehnung im Liegen

Dieselbe Übung funktioniert auch in liegender Position. Begib Dich in Rückenlage auf deine Trainingsmatte. Deine Schultern haben Bodenkontakt. Jetzt ziehst Du mit Unterstützung Deiner Hände das Knie zur Brust. Halte die Position für zwei Minuten und löse die Dehnung sanft.

Seitliche Nackendehnung

Greife mit Deinem rechten Arm über den Kopf ans linke Ohr und beuge Deinen Hals zur rechten Seite. Halte die Position etwa eine Minute und wechsle dann die Seite.

Schulterheben

Stelle Dich aufrecht hin. Die Arme hängen entspannt neben dem Körper. Atme tief ein und ziehe Deine Schultern nach oben. Halte die Position für wenige Sekunden. Mit der Ausatmung lässt Du die Schultern fallen und streckst gleichzeitig deinen Hals. Wiederhole den Vorgang acht- bis zehnmal. Diese Übung regt die Durchblutung Deiner Nackenmuskulatur an. Verspannungen werden effektiv gelöst.

Steifer Nacken – Hausmittel

Ein bewährtes Hausmittel gegen Nackensteifigkeit ist die heiße Rolle. Hierzu benötigst Du nichts weiter als ein gewöhnliches Frotteehandtuch. Falte dieses einmal der Länge nach und rolle es anschließend fest zusammen. Koche Wasser auf (am besten im Wasserkocher) und fülle ein wenig heißes Wasser in das Innere der Rolle. Vorsicht: Nicht zu viel, es darf schließlich nicht tropfen. Lege Dich auf den Rücken und platziere die Rolle in Deinem Nacken.

Ein weiteres altbewährtes Hausmittel ist Johanniskrautöl. Dieses bekommst Du in der Apotheke oder in der Drogerie. Außerdem benötigst Du Wattepads. Träufle einige Tropfen des Öls auf die Pads und lege diese auf die schmerzenden Stellen. Decke die Watte zusätzlich mit Frischhaltefolie und einem Handtuch ab und lasse das Öl etwa 30 Minuten einwirken.

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Steifer Nacken bei Kindern

Ein steifer Nacken bei Kindern kann genau wie beim Erwachsenen die Folge von Fehlbelastung oder Bewegungsmangel sein. In diesem Fall sind die Beschwerden mit Wärme und Übungen zu behandeln. Schmerzmittel sollten nur in Absprache mit dem Kinderarzt eingenommen werden.

Eine ernste Ursache liegt nur selten vor. Treten jedoch weitere Symptome wie Schwindel, Gangunsicherheit, Schüttelfrost und Fieber auf, solltest Du mit deinem Kind ins Krankenhaus fahren. In diesem Fall besteht der Verdacht auf eine Meningitis.

Darüber hinaus können Nackenschmerzen bei Kindern auch seelische Ursachen haben. In einer belastenden Zeit ziehen wir unbewusst die Schultern hoch oder krümmen den Kopf nach vorne. Das trifft auf Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu. Beobachte Dein Kind genau: Hat es Schwierigkeiten in der Schule? Steht es unter Leistungsdruck, weil es das Gefühl hat, den Anforderungen des Umfelds nicht zu genügen?

Maßnahmen gegen Nackenschmerzen bei Kindern

Um Nackenschmerzen zu lindern helfen, wie bereits erklärt, Wärme und Bewegung. Das altbekannte Kirschkernkissen kann auch von kleinen Patienten genutzt werden. Darüber hinaus sind regelmäßige Nackenübungen wichtig (s. o.). Mache die Übungen am besten mit Deinem Kind gemeinsam. So kannst Du darauf Acht geben, dass es die Bewegungsabläufe korrekt ausführt.

Außerdem solltest Du die tägliche Handy- und Computerzeit Deines Kindes limitieren. Sorge stattdessen dafür, dass es sich an der frischen Luft bewegt. Wenn den Nackenschmerzen seelische Ursachen zugrunde liegen, sollten diese behoben werden (neue Lernroutine, Klärung schulischer Konflikte etc). Vermittle Deinem Kind, dass es Dir seine Sorgen anvertrauen kann.

Was tun, wenn Nackenschmerzen nicht weggehen?

Bestehen die Beschwerden länger als drei Monate, sind sie chronisch geworden. Chronische Schmerzen sind schwerer behandelbar als akute Beschwerden, da unser Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis besitzt. Im ungünstigsten Fall werden auch dann noch Schmerzsignale gesendet, wenn die eigentliche Ursache längst beseitigt worden ist. Umso wichtiger ist es daher, rechtzeitig zu handeln.

Bei einem chronischen HWS-Syndrom kann manchmal eine Operation notwendig werden. Dies erfolgt meist, wenn degenerative Ursachen vorliegen (z. B. Arthrose der Halswirbelgelenke). Ziel der Operation ist es, die Lebensqualität zu verbessern sowie neurologische Schäden abzuwenden.

Eine weitere Option bei chronischen Schmerzen ist die multimodale Schmerztherapie. Diese findet stationär statt und wird meist erst dann bewilligt, wenn alle anderen Therapiemethoden versagt haben.

Fazit

Ein steifer Nacken ist meist ein harmloses und vorübergehendes Problem, das vermutlich jeden von uns schon einmal ereilt hat. Manchmal kommt er auch im Rahmen der Gliedersteifigkeit bei Erkältung oder Grippe vor. Die Grundpfeiler, um einen steifen Nacken zu behandeln, lauten Bewegung, Wärme und Schmerzlinderung. Die Beschwerden lassen sich mit diesen Methoden in der Regel gut in den Griff bekommen.

In seltenen Fällen ist die Nackensteifigkeit ein Begleitsymptom schwerwiegender Erkrankungen. Treten neben den Nackenbeschwerden neurologische Symptome auf, solltest Du Dich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Um Nackenbeschwerden vorzubeugen, solltest Du auf ausreichende Bewegung im Alltag sowie auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten.

Bleib am Ball: Der Rücken.net Newsletter ist Dein Begleiter für den Alltag. Er erinnert Dich einmal pro Woche daran, auf Deine Körperhaltung und Deinen Stresspegel zu achten und gibt Dir alltagstaugliche Übungen zur Selbsthilfe an die Hand.

Referenzen:

  1. gesundheitsinformation.de: Nackenschmerzen: https://www.gesundheitsinformation.de/nackenschmerzen.html
  2. Uni Göttingen, CME Fortbildung, Nackenschmerzen: http://www.allgemeinmedizin.med.uni-goettingen.de/de/media/2010_Simmenroth-Nayda_Nackenschmerzen_CME2.pdf
  3. Deutsche Apotheker Zeitung: “Ich habs im Nacken”: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2018/daz-7-2018/ich-hab-s-im-nacken

geprüft und ergänzt am 19.06.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau