Ischias-Nerv: Der Ischias ist einer der wichtigsten Nerven im Bein

Ischiasnerv

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Rücken.net-Redaktion

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Dieser Inhalt wurde von einem medizinischen Fachjournalisten geprüft

Der wissenschaftliche Name für den Ischias-Nerv lautet Nervus ischiadicus. Seine beiden Äste, N. tibialis und N. fibularis communis, laufen bereits meist vom Nervenursprung (Spinalnervensegmente L4 – S3) aus getrennt nebeneinander her. Sie liegen lediglich eng beieinander und sind von einer gemeinsamen Bindegewebshülle umgeben – ohne, dass sich die Nervenfasern dabei vereinen würden.

Dennoch ist die zusammenfassende Bezeichnung „Ischias-Nerv“ auch heute noch sehr weit verbreitet. Der Nerv zieht ins Bein und umfasst sowohl motorische also auch sensible Fasern.

Was ist der Ischias-Nerv?

Bei motorischen Nervenfasern handelt es sich um Signalbahnen, die Befehle vom zentralen Nervensystem in die Muskeln weiterleiten. Wenn Du einen Muskel bewusst anspannst, stammt das Signal dazu aus dem Gehirn. Einige unwillkürliche Reflexe laufen jedoch ohne die Beteiligung des Gehirns ab. In diesem Fall ist die Reflexbahn über das Rückenmark verschaltet.

Weil das Rückenmark näher liegt und die elektrischen Signale eine kürzere Distanz zurücklegen müssen, sind Reflexe besonders schnell. Viele Reflexe haben eine schützende Funktion, um zum Beispiel einen Muskel davor zu bewahren, zu stark gedehnt zu werden und dadurch eventuell zu reißen. Für die Ausführung eines Reflexes benötigst Du neben den motorischen Nerven auch sensible Nerven.

Die sensiblen Fasern übermitteln Informationen aus dem Körper an das Nervensystem. Diese Signale fließen deshalb gewissermaßen in die andere Richtung als die motorischen Befehle. Bei den sensiblen Informationen handelt es sich um die Wahrnehmung von Temperatur, mechanischem Druck und vielen anderen Reizen.

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Was hat der Ischias-Nerv mit dem Rückenmark zu tun?

Obwohl der Ischias-Nerv hauptsächlich in den Beinen zu finden ist, besitzt er einen direkten Ursprung im Rückenmark: Einige Nervenfasern, die im Ischias-Nerv enthalten sind, zweigen aus dem Wirbelkanal ab. Die entsprechenden neuronalen Bahnen verlassen das Rückenmark zwischen dem vierten Lendenwirbel (L4) und dem dritten Sakralwirbel (S3).

Die Sakralwirbel werden auch als Kreuzbein bezeichnet. Sie liegen im unteren Teil der Wirbelsäule zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Steißbein. Der Name „Sakralwirbel“ leitet sich von der lateinischen Übersetzung für Kreuzbein ab. In der alten Wissenschaftssprache heißt das Kreuzbein nämlich „Os sacrum“.

Welche Probleme kann der Ischias-Nerv verursachen?

Eine typische Erkrankung, die im Zusammenhang mit dem bedeutsamen Beinnerv steht, sind verschiedene Schmerzen. Mediziner sprechen dabei auch von einer Ischialgie. Die Ursache für die Schmerzen liegt oft in der Nervenwurzel – also in der Zone, in der die Nervenfasern das Rückenmark verlassen.

Die Ursache des Problems kann dabei sehr sehr unterschiedlich sein. Manchmal sorgt ein Bandscheibenvorfall dafür, dass ein stumpfer Druck auf der Nervenwurzel lastet. Die Bandscheibe klemmt den Nerv mitunter regelrecht ein.

In anderen Fällen spielen Entzündungen, Tumoren oder Infektionskrankheiten wie Herpes zoster oder die Lyme-Borreliose eine Rolle.

Zu den gängigen Symptomen einer Ischialgie gehören Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen. Die Betroffenen beschreiben diese Schmerzen oft als reißend oder ziehend. Husten und andere Ereignisse, bei denen Du den Bauch anspannst, können den Schmerz verschlimmern – vor allem, wenn der Ischias eingeklemmt ist. Darüber hinaus können Kribbelgefühle und sogar Lähmungen auftreten.

Was kann ich bei Ischias-Schmerzen tun?

Angesichts der teils gravierenden Schmerzen ist es nicht verwunderlich, dass viele Betroffene nach einem Wundermittel gegen Ischias-Schmerzen suchen.

Die Behandlung von Ischias-Beschwerden reicht von Medikamenten bis hin zu Operationen. Hausmittel und kleine Tricks wie Wärmebehandlungen kommen möglicherweise ergänzend zum Einsatz. Einigen Patienten verordnet der behandelnde Arzt auch eine Krankengymnastik oder ähnliche Heilmittel. Ob sportliche Übungen bei Ischias-Beschwerden eine gute Idee sind, kommt jedoch auf den Einzelfall an. Insbesondere falsche Bewegungen können die Beschwerden nämlich sogar noch verschlimmern.

Was Du bei Verdacht auf Ischias-Probleme auf jeden Fall tun solltest: Deinen Arzt aufsuchen. Denn nur eine korrekte Diagnose macht eine gezielte Behandlung möglich. Zudem solltest Du stets bedenken, dass die Beschwerden auf eine andere Ursache als den Ischias-Nerv zurückgehen können. Ein Arzt kann Dir, wenn es angebracht ist, auch eine Spritze mit Schmerzmitteln oder Muskel-Entspannungsmitteln (Muskelrelaxanzien) verabreichen.

Weitere Informationen über die typischen Beschwerden und Risikofaktoren einer Ischialgie findest Du auch in unserem ausführlichen Artikel über Ischias-Schmerzen.

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Wo genau verläuft der Ischias-Nerv?

Dass der Ischias-Nerv zum größten Teil im Bein liegt, weißt Du bereits. Um die verschiedenen Symptome einer Ischialgie besser zu verstehen, kann es jedoch hilfreich sein, sich den Nerv insgesamt genauer anzusehen.

Der Ischias-Nerv beginnt am Kreuzbeinnervengeflecht (Plexus sacralis). Einen Nervenplexus kannst Du Dir wie eine Straßenkreuzung oder wie einen Knoten vorstellen, an dem verschiedene Fäden zusammenlaufen. Manchmal tauschen die Nerven an solchen Knotenpunkten Fasern aus, sodass sich die Informationen aus den Nervenbahnen vereinen.

Das Kreuzbeinnervengeflecht ist einer der beiden zentralen Knotenpunkte für die Nerven, die sich im Becken und in den Beinen befinden. Zunächst verlaufen mehrere Nervenbündel getrennt. Im Bereich der Hüfte ist der Ischiasnerv schließlich als ein dicker Nerv zu erkennen.

Der Ischiasnerv zieht sich über den tiefen Hüftmuskel, den Musculus quadratus femoris. Dann taucht er unter einem weiteren Muskel ab, der hinter dem Oberschenkelknochen liegt. Der Ischias-Nerv befindet sich jetzt dann an der Rückseite des Oberschenkels als an dessen Oberseite.

Der Nerv bleibt bis zur Kniekehle von verschiedenen Oberschenkelmuskeln umgeben. Die beiden Äste des Ischias-Nervs verlaufen in der Regel ab hier getrennt weiter: als Schienbeinnerv und als gemeinsamer Wadenbeinnerv.

Schienbeinnerv

Einer der Äste des Ischias-Nervs ist der Schienbeinnerv (Nervus tibialis). Er verzweigt sich weiter und nimmt zum Beispiel Reize aus der Wade auf, um sie an das zentrale Nervensystem weiterzuleiten. Der Schienbeinnerv steuert außerdem mehrere Muskeln im Ober- und Unterschenkel. Dazu gehören verschiedene Muskeln am Knie- und Sprunggelenk sowie einige Muskeln, die den Fuß kontrollieren.

Der Schienbeinnerv enthält nicht nur motorisch steuernde Nervenfasern, sondern auch sensible. Über diese sensiblen Fasern leitet der Schienbeinnerv Informationen über Hautreize aus bestimmten Bereichen des Unterschenkels und des Fußes weiter.

Gemeinsamer Wadenbeinnerv

Der zweite Nervenast, der vom Ischias-Nerv abzweigt, ist als gemeinsamer Wadenbeinnerv (Nervus fibularis communis) bekannt. Im Gegensatz zum anderen Ischias-Zweig ist der gemeinsame Wadenbeinmuskel fast ausschließlich für den unteren Bereich des Beins zuständig:

  • für mehrere Muskeln, die sich im Unterschenkel befinden
  • für Reize, die in der Haut am Fuß ausgelöst werden
  • für Reize, die Du im Unterschenkel spürst.

Einige der Unterschenkelmuskeln bewegen auch den Fuß. Mit diesem Wissen kannst Du nun verstehen, warum Ischias-Schmerzen bis in den Fuß ausstrahlen können.

Eine Ausnahme von diesem Versorgungsgebiet bildet der kurze Kopf (Caput breve) des Musculus biceps femoris. Diesen Muskel findest Du im Oberschenkel.

Welche Krankheiten und Beschwerden können am Ischias auftreten?

Da die neuronalen Fasern des Ischias-Nervs zum Teil aus dem Rückenmark stammen, können bereits an dieser Stelle Schwierigkeiten auftreten. Bei einem Bandscheibenvorfall drückt das Gewebe der Bandscheibe möglicherweise auf die Nervenwurzeln. Einen ähnlichen Druck können Tumoren, Eiter oder Blutergüsse auf den Ischias-Nerv ausüben. Komplikationen infolge einer schweren Arthrose oder Osteoporose sind ebenfalls möglich, wenn sie sich auf die Nervenwurzeln auswirken.

Ein Ischias-Problem und ein Bandscheibenvorfall schließen sich dementsprechend nicht gegenseitig aus. Allerdings gehen Ischias-Schmerzen nicht zwangsläufig auf einen Diskusvorfall oder eine Bandscheibenprotrusion zurück.

Darüber hinaus treten Verletzungen am Ischias-Nerv manchmal als eine Komplikation von Operationen auf, die eigentlich nichts mit diesem Nerv zu tun haben. Zum Beispiel kann der Ischias-Nerv beim Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks verletzt werden.

Infektionen und Entzündungen können dem Ischias-Nerv ebenfalls zusetzen. Des Weiteren ist es denkbar, dass mehrere Ursachen gemeinsam auftreten. So könnte eine mechanische Verletzung beispielsweise eine Entzündung des Ischias-Nervs nach sich ziehen. Auch manche Infektionen rufen im Körper eine Entzündungsreaktion hervor.

Eine genaue Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Im Allgemeinen lassen sich Ischias-Schmerzen jedoch gut behandeln. Die Voraussetzung ist allerdings, dass eine Fachperson die Beschwerden korrekt einordnet und die passende Behandlung einleitet. Chronische Ischias-Schmerzen stellen für die Betroffenen oft eine besonders große Belastung dar.

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Referenzen:

  • flexikon.doccheck.com/de/Ischialgie
  • patientenleitlinien.de/Rueckenschmerz/Patientenleitlinie-Ruecken-und-Kreuzschmerzen.pdf
  • schmerzhilfe.de/ischiasschmerzen/

geprüft und ergänzt am 25.05.2021 von Dr. rer. nat. Marcus Mau