Depressionen Symptome: Daran erkennst Du eine mögliche Krankheit

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Rücken.net-Redaktion

Die Rücken.net-Redaktion besteht aus einem Team von Sport- und Medizin-Redakteuren, die fundierte Ratgeber rund um das Thema Rückenschmerzen schreiben.

Trotzdem der medizinische Fortschritt auch bei der Diagnose psychischer Erkrankungen Fortschritte erzielen konnte, sind Depressionen auch für die Schulmedizin noch immer eine diagnostische Grauzone.

Allein in Deutschland leiden derzeit elf Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer an Depressionen. Frauen sind insgesamt fast doppelt so häufig davon betroffen wie Männer. Die Dunkelziffer dürfte allerdings erheblich größer sein.

Besonders unter Kinder und Jugendlichen sind verstärkt Symptome von depressiven Verstimmungen wahrzunehmen. Die Anzeichen sind jedoch sehr unterschiedlich und äußern sich nicht nur bei Männern und Frauen, sondern auch in jedem Lebensalter anders.

Körperliche und psychosomatische Symptome bei Depressionen

Dass Körper, Geist und Seele zusammenspielen müssen, damit wir uns tatsächlich gesund fühlen, hat auch die Schulmedizin längst erkannt. Eine Reihe von Erkrankungen betrifft die Psyche, äußert sich aber in körperlichen Symptomen.

Hier spricht man von psychosomatischen Erscheinungen. Durch ein Ungleichgewicht der Seele (Psyche) können sich im Körper (Soma) Krankheitsbilder abzeichnen und Beschwerden entstehen, ohne dass die Ärztin oder der Arzt eine organische Ursache dafür feststellen kann. Im Falle von Depressionen zeigen sich folgende körperliche Beschwerden am häufigsten:

  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • sexuelle Unlust
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Müdigkeit und Erschöpfung

Die meisten Patient*innen, die unter Depressionen leiden, nehmen vermehrt Erschöpfungszustände an sich wahr, die irgendwann zum Dauerzustand werden. Der eigene Körper fühlt sich schwer wie Blei an, die Müdigkeit ist untertags kaum zu bewältigen.

Nachts allerdings werden die Betroffenen von Schlaflosigkeit gequält. Länger andauernde Erschöpfung ohne organische Ursache kann daher ein (erster) deutlicher Hinweis auf das Vorliegen einer Depression sein.

Rückenschmerzen

Sie sind ein Schmerzbild, dem ähnlich wie Kopfschmerzen eine Vielzahl an möglichen Ursachen zugrunde liegen kann. Unser Rückgrat hat allein schon körperlich eine sehr anstrengende und kräftezehrende Aufgabe zu bewältigen.

Der moderne Lifestyle, der Bewegung kaum mehr vorsieht und hauptsächlich aus (falschem) Sitzen besteht, trägt ein Übriges dazu bei. Doch die Wirbelsäule erfüllt auch eine stützende Funktion jenseits ihrer physiologischen Aufgabe.

Uns „aufrecht halten“ oder „aufrecht“ durchs Leben gehen impliziert schon ein wenig, dass der Rücken mehr als nur ein funktionales Körperteil ist. Wenn die Psyche aus dem Lot ist, kann der Rest unseres Körpers dies dank unserer Wirbelsäule jedoch eine Zeit lang ganz gut abfedern.

Ab einem gewissen Punkt allerdings werden auch Rückenschmerzen chronisch und sind ohne Schmerzmittel kaum mehr zu ertragen. Als „aufrechter Mensch“ durchs Leben zu gehen, kostet Kraft. Unser Rücken hat so einiges davon, jedoch nicht unbegrenzt.

Der Gang in die Arztpraxis kann im Fall von Rückenschmerzen jedoch schon einiges an zukünftigem Leiden ersparen. Die Hauptverdächtigen bei chronischen Rückenschmerzen werden meist zuerst diagnostisch abgeklärt. An oberster Stelle stehen dabei Bandscheibenvorfälle, degenerative Erkrankungen wie Osteoporose oder Arthrose sowie Muskelverspannungen, Hexenschuss oder eine Ischialgie.

Können Ärztin oder Arzt diese Ursachen als Verursacher der Schmerzen ausschließen, ist das Erwägen psychischer Ursachen der nächste logische Schritt. Neben dem Gespräch mit den Betroffenen kann dabei auch ein standardisierter Test wie zum Beispiel die Goldberg-Skala für die weitere Diagnose herangezogen werden.

Kopfschmerzen

Mit ihnen verhält es sich so ähnlich mit den Rückenschmerzen. Nur, dass die organischen Ursachen wesentlich vielfältiger sein können und eine konkrete Diagnose sich daher ungleich schwerer gestaltet.

Die moderne Schulmedizin unterscheidet aktuell mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Die bekanntesten davon sind Spannungskopfscherzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen. Schwierig ist jedoch nach wie vor die Ursachenforschung. Neben Stress, Wetterfühligkeit oder PMS sind Kopfschmerzen leider auch häufige Begleiterscheinungen von Depressionen.

Auch hier gilt es im Zuge einer ausführlichen Anamnese, die Patientin oder den Patienten behutsam mit den richtigen Fragen Details zu Lebensführung, Allgemeinzustand und Stimmungsbild zu entlocken.

Schlaflosigkeit

Sie quält inzwischen einen Großteil der Bevölkerung, ohne dass Depressionen gleich als primäre Ursache zu vermuten sind. Ähnlich wie Rückenschmerzen sind sie eine Art neue Volkskrankheit, die mit hoher Wahrscheinlichkeit hauptsächlich dem Lebensstil geschuldet ist.

Stress, Überlastung im Beruf und Privatleben, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können Schlafstörungen hervorrufen. Wer bis spät in die Nacht hinein an Smartphone oder Computer zugange ist, stört den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus dadurch unmittelbar und nachhaltig.

Oft liegt eine Schlaflosigkeit auch nur am falschen Bett samt falschem Bettzeug, was als Ursache natürlich am einfachsten zu beheben wäre. Geht sie jedoch mit anderen Symptomen einher, die auf eine Depression hindeuten können, ist dies als Alarmzeichen zu verstehen, dass es nicht primär der Körper ist, der um Hilfe ruft.

Sexuelle Unlust und Libidoverlust

Ein Tabuthema ähnlich jenem der Depression sind der Verlust der Libido und eine über einen längeren Zeitraum zu beobachtende sexuelle Unlust. Diese ist häufig sogar das erste sichtbare Anzeichen einer Depression, noch bevor andere Lebensbereiche davon betroffen sind. Aber auch Libidoverlust kann viele Ursachen haben.

Im Kontext anderer Symptome wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit und Erschöpfungszuständen liegt ihr jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine psychische Ursache zugrunde. Interessanterweise kann jedoch gerade sexuelle Unlust häufig als erstes Symptom einer Depression bemerkt werden. Der Grund dafür liegt im Zusammenspiel zwischen dem gestörten Botenstoffwechsel im Gehirn und dem Hormonhaushalt.

Libidoverlust kann jedoch nicht nur ein Symptom für Depressionen, sie kann auch die Folge davon sein. Die klassischen Symptome wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Verlust von Interessen und chronische Erschöpfung wirken sich negativ auf die Libido aus. Dies wiederum kann die Depression noch zusätzlich verstärken.

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Für die Umwelt am deutlichsten wahrnehmbar ist der Verlust von Appetit und in weiterer Folge von Körpergewicht, ohne dass dem eine Diät oder eine bewusste Nahrungsrestriktion zugrunde liegen. Gerade bei Frauen ist Essen mehr als nur bloße Nahrungsaufnahme. Es kann in Form von Frustessen bei vorübergehenden Missstimmungen und schlechter emotionaler Verfassung sukzessive instrumentalisiert werden.

Es kann aber auch ins Gegenteil umschlagen und den Körper in einen unfreiwilligen Hungerstreik bringen, der nichts anderes als ein dringender Hilferuf nach außen ist. Ein „gesunder Appetit“ heißt nicht umsonst so. Wenn uns das Essen schmeckt, ist körperlich und seelisch alles in Ordnung. Wenn die Nahrungsaufnahme verweigert, vergessen oder zur Qual wird, ist höchste Alarmbereitschaft angezeigt.

Psychische und emotionale Symptome bei Depressionen

Klarer als psychosomatische Symptome lassen sich die typischen psychischen Beschwerden einer Depression zuordnen. Wenn eine oder mehrere davon über einen längeren Zeitraum auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit einer depressiven Episode hoch. Dazu zählen:

  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit
  • Verlust von Interessen
  • Rückzug und Isolation
  • keine Zukunftsperspektive
  • Angstzustände
  • Suizidgedanken

Niedergeschlagenheit

Sie ist wohl die bekannteste Erscheinung, die eine Depression in der gängigen Vorstellung annehmen kann. Sich grundlos traurig und demotiviert zu fühlen, ist länger als drei Tage am Stück nicht „normal“.

Jede und jeder von uns kennt schlechte Phasen im Leben, die auf die Stimmung drücken und uns vorübergehend ein wenig den Schwung nehmen. In der Regel sind solche „schlechten Tage“ aber bald wieder Geschichte. In den Fängen einer Depression jedoch sind sie die Regel, nicht die Ausnahme.

Antriebslosigkeit

Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen, haben die meisten Menschen in regelmäßigen Abständen. Wenn der allseits bekannte Montagsblues jedoch zum täglichen Begleiter wird und das Klingeln des Weckers erfolglos bleibt, kann eine Depression die Ursache sein.

Wer regelmäßig über mehrere Tage hinweg den Alltag nicht mehr bewältigen kann, Haushalt, Körperhygiene und die Arbeit vernachlässigt, sollte dringend das Gespräch mit Hausärztin oder Hausarzt suchen. Gute Ratschläge und flotte Sprüche von Außenstehenden helfen dabei übrigens nicht. Ein depressiver Mensch ist nicht absichtlich ohne Antrieb.

Verlust von Interessen

Egal ob Mannschaftssport, Vereinstätigkeit oder rege Sammelleidenschaft: Wer seine Hobbies irgendwann nicht mehr pflegt und jegliches Interesse an früheren Passionen verliert, befindet sich ziemlich sicher auf der Zielgeraden Richtung Depression. Auch spielen oft mehrere Symptome einander in die Hände: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und der Verlust von persönlichen Interessen haben zwangsläufig das nächste Symptom zur Folge:

Rückzug und Isolation

Wer den Alltag schon kaum mehr bewältigen kann, jeden Gang durch die Wohnung als Herkules-Aufgabe wahrnimmt und sich am liebsten nur mehr vor der Welt verstecken möchte, macht im Endeffekt genau dieses.

Man geht auf Tauchstation, nimmt keine sozialen Kontakte mehr wahr, lässt Anrufe unbeantwortet und kappt die Nabelschnur zu sämtlichen sozialen Medien. Jedes Gespräch wird zur Qual, meistens für beide Seiten gleichermaßen. An diesem Punkt kann auch das Umfeld nicht mehr länger ignorieren, dass die Betroffenen Hilfe brauchen. Zu ihnen durchzudringen ist jedoch alles andere als einfach.

Keine Zukunftsperspektive

Depressive Menschen sind im wahrsten Sinne des Wortes im Moment gefangen. Dieser besteht aus einem dicht gewobenen, emotionalen Spinnennetz verschiedener Symptome, die allesamt keinen physischen oder emotionalen Bewegungsspielraum mehr zulassen.

Wer sich dieserart in jedem Moment seines Daseins isoliert und hilflos fühlt, sieht keinerlei Perspektive für die Zukunft. Pläne für das Wochenende, den nächsten Urlaub, die Weihnachtsfeiertage: Depressive Menschen sind im Hier und Jetzt bereits überfordert. Eine Zukunft sehen sie für sich nicht mehr.

Angstzustände

Angst, Panikattacken und Ruhelosigkeit sind weitere Begleiterscheinungen einer Depression. Die Ängste können sich dabei auf ganz konkrete Ereignisse hin ausrichten, aber auch ganz allgemeiner Natur sein. Den Schweregrad einer Depression zeigen Ängste dann auf, wenn sie sich auf nicht-reale Ereignisse beziehen, wie etwa die Invasion von Außerirdischen. Hier sind dann bereits psychotische Schübe zu befürchten, die den schwerstmöglichen Grad einer Depression kennzeichnen.

Suizidgedanken

Sie sind die tragische, aber angesichts der erwähnten Symptome leider auch logische Konsequenz einer handfesten, unbehandelten Depression. Alle diese Begleiterscheinungen zusammen führen auch den stärksten und widerständigsten Charakter früher oder später auf die Suche nach einem Ausweg aus diesem Leben, welches nicht mehr lebenswert erscheint.

Selbst die Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Eltern können ab einem gewissen Stadium der Erkrankung die Betroffenen nicht mehr davon abbringen, ihre Gedanken immer öfter um Selbstmord und dessen Durchführung kreisen zu lassen. Je konkreter sich die Szenarien dabei gestalten, umso schlimmer die Prognose.

Besondere Vorsicht sollten Angehörige walten lassen, wenn depressive Menschen plötzlich und grundlos (ohne medikamentöse Umstellung etwa) wieder gelöst und entspannt, zufrieden oder gar glücklich wirken. Dies bedeutet in vielen Fällen leider nur, dass die Entscheidung, dem eigenen Leben ein Ende setzen zu wollen, letztendlich gefallen ist.

Depressionen bei Frau und Mann

Die gendergerechte Medizin hat es im 21. Jahrhundert endlich erfolgreich geschafft, auf die biologischen Unterschiede von Mann und Frau auch im Hinblick der physiologischen und psychischen Behandlung hinzuweisen.

Kaum verwunderlich also, dass auch Depressionen sich bei Frauen und Männern unterschiedlich äußern. Interessantes Detail am Rande: Während der Pubertät sind Jungen wesentlich häufiger von depressiven Episoden betroffen als Mädchen. Nach dem Ende der Teenagerzeit dreht sich dieses Verhältnis um. Erwachsene Frauen leiden doppelt so häufig an Depressionen wie Männer.

Symptome von Depressionen beim Mann

Zusätzlich zu den genannten und charakteristischen Symptomen einer Depression, zeigen Männer noch einige zusätzliche Verhaltensauffälligkeiten, die leider nur selten von ihrem Umfeld richtig interpretiert werden. Dazu zählen:

  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • exzessiver Sport
  • Zornausbrüche und Gereiztheit
  • Arbeitswut

Symptome von Depressionen bei der Frau

Frauen hingegen weichen selten von den klassischen Depressionsmerkmalen ab. Sie neigen bei Krankheiten generell eher zum Rückzug als zum demonstrativen Leiden und richten Aggressionen eher gegen sich selbst als gegen andere. Dieses Phänomen zeigt sich bei Depressionen in Form von Nahrungsverweigerung.

Aber auch Selbstverletzungen können als Katalysator dienen. Gefahr im Verzug ist bei Frauen, wenn kein Wert mehr auf das äußere Erscheinungsbild gelegt wird und dieselbe Kleidung über mehrere Tage hindurch getragen wird.

Wechseljahre und Depressionen: Symptome

Wie bereits erwähnt führen der Hormonhaushalt und jener der für Botenstoffe im Gehirn zuständig ist, zu einer manifesten Wechselwirkung bei Depressionen. Die Wechseljahre und die damit einhergehende Veränderung des Östrogenspiegels sind daher ein idealer Nährboden, um depressive Episoden auszubilden.

Die Winterdepression und ihre Symptome

Einen Sonderfall stellt die Winterdepression dar. Wenn im Herbst die Tage kürzer und vor allem dunkler werden, stellen viele Menschen neben Antriebslosigkeit und Erschöpfung auch Heißhunger auf kurzkettige Kohlehydrate in Form von Süßigkeiten und ein vermehrtes Schlafbedürfnis an sich fest. Diese Variante der Depression ist im Frühjahr meistens wieder vorbei.

Quellen:
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/krankheitsbild/
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/depression/inhalt
https://psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/depressionen.html
https://www.psych.mpg.de/840900/depression