Depressionen Test: Kann man sich einfach testen (lassen)?

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Rücken.net-Redaktion

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So einfach manche Erkrankungen des Körpers sich inzwischen diagnostizieren lassen, so schwierig ist es mitunter nach wie vor bei psychischen Erkrankungen. Die Depression zählt dabei mittlerweile zu den am häufigsten vorkommenden Krankheiten, obwohl die Dunkelziffer zusätzlich noch mit Sicherheit als sehr hoch angenommen werden muss.

Tatsächlich bietet das Internet samt der mit ihm einhergehenden Diskretion und Anonymität einige Möglichkeiten an, sich selbst auf eine mögliche Depression hin zu testen. Dabei muss jedoch ausdrücklich darauf verwiesen werden, dass es sich bei diesen Selbsttests um keine diagnostischen Tests im medizinischen Sinne handelt. Sie können ein Wegweiser sein, ersetzen aber keinesfalls eine ärztliche, psychologische oder psychotherapeutische Diagnose.

Welche Arten von Depressionen gibt es?

Wie viele psychische Erkrankungen sind auch Depressionen nicht immer einfach zu diagnostizieren. Selbst den Betroffenen selbst fällt es schwer, ihr Empfinden anderen gegenüber in Worte zu fassen. Ähnlich der allseits bekannten Schmerzskala lassen sich auch Depressionen in verschiedene Stadien unterteilen. Dem zugrunde liegt die ICD 10-Klassifikation. ICD steht für „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”. Innerhalb dieses standardisierten Schemas finden sich Depressionen im Bereich der Gruppe 32 mit der Bezeichnung „Affektive Störungen“. Sie wird wiederum nach dem Schweregrad unterteilt in vier Stadien:

  • F32.0: leichte depressive Episode
  • F32.1: mittelgradige depressive Episode
  • F32.2: schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  • F32.3: schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Leide ich unter Depressionen? Ein Test kann helfen

Neben einer Reihe von zumeist standardisierten Online-Selbsttests gibt es auch eine weniger formelle Möglichkeit, der eigenen Gefühlslage auf die Spur zu kommen. Das Führen eines „Stimmungstagebuchs“ beispielsweise bietet sich dafür an.

Der große Vorteil: Man kann in eigenen Worten beschreiben, wie es einem gerade geht. Hierbei werden nicht nur oberflächlich Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Angst und Schuld evaluiert. In eigenen Worten sich selbst zu beschreiben ist unbewusst auch bereits ein Teil der Heilung. Kleine Veränderungen des täglichen Stimmungsbildes zur dokumentieren reichen dabei oft schon aus, um zu erkennen, was hilfreich ist und was nicht.

Wichtig dabei ist, dass die Notizen handschriftlich erfolgen. Ob ganze Sätze, Floskeln oder nur Stichwörter notiert werden, ist dabei nebensächlich. Unsere Handschrift ist unmittelbar mit unserem Inneren verbunden, aber auch mit unserem Gehirn. Eine Studie, die an der renommierten Princeton University durchgeführt wurde, zeigt deutlich, dass handschriftliche Notizen schneller in unser Gehirn gelangen und besser im Gedächtnis bleiben, als solche die wir am Laptop oder dem PC verfassen.

Auch Personen, die mit diesen technischen Errungenschaften nicht so vertraut sind oder sie nicht zur Verfügung haben, können dieserart täglich beobachten, wie es um das eigene Gefühlsleben steht. Das Prinzip, ein Stimmungs- oder Gefühlstagebuch zu führen, kommt ursprünglich aus der Psychotherapie. Inzwischen ist es aber auch gängige Praxis im Rahmen von Achtsamkeitstrainings oder Coachings, die Gesundheit als ein ganzheitliches Spiegelbild von Körper, Geist und Seele betrachten.

Die nächste Steigerungsform des Gefühls- oder Stimmungstagebuchs wäre das Bullet Journal. Anders als das Stimmungstagebuch soll es nicht nur den Ist-Zustand unserer Emotionen dokumentieren, sondern Schritt für Schritt unsere Tage besser strukturieren. Es gilt dabei, jeden Bullet (also Punkt), den man sich zum Ziel gesetzt hat, am Ende des Tages von der Liste zu streichen.

Hat mein Kind Depressionen?

Auch bei Kindern und Jugendlichen zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Diagnose ist in dieser Altersgruppe jedoch noch um ein Vielfaches schwieriger als bei Erwachsenen. Einige Symptome zeigen Kinder oft gar nicht, andere werden leicht übersehen oder falsch interpretiert.

Dabei sprechen die Zahlen eigentlich dafür, dem Tabuthema Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Schätzungen zufolge sind immerhin ein bis zwei Prozent der Kindergarten- und Volksschulkinder davon betroffen. Unter den 12- bis 17-Jährigen vermutet man bereits zwischen drei und zehn Prozent.

Einen speziellen Test für Kinder und Jugendliche im Hinblick auf eine vorliegende Depression gibt es nicht. Aufmerksames Beobachten durch Eltern, Lehrer*innen und das Umfeld kann jedoch rechtzeitig erste Anzeichen erkennen lassen. Die eigentliche Untersuchung und Diagnose von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen erfolgt letztendlich nach demselben Schema wie bei Erwachsenen. Auch hier wird die ICD 10-Klassifikation herangezogen. Im Fokus stehen die drei Hauptsymptome:

  • depressive und gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • chronische Müdigkeit

Ergänzend wird gesucht nach den gängigsten Nebensymptomen einer Depression: den Schuldgefühlen, wiederkehrenden Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, die von deutlichem Gewichtsverlust begleitet wird.

Depressionen: Test für Teenager

Depressionen treten häufiger in der Pubertät auf als im Kindesalter. Etwa drei bis zehn Prozent aller Jugendlichen sind davon betroffen. Interessanterweise leiden mehr Jungen unter Depressionen als Mädchen. Nach dem Ende der Pubertät dreht sich das Verhältnis jedoch um. Erwachsene Frauen erkranken wesentlich häufiger an Depressionen als Männer.

Auslöser für Depressionen bei Jugendlichen sind oft Änderungen der Lebensumstände, wie sie etwa eine Trennung der Eltern oder ein Umzug mit sich bringen können. Auch der erste Liebeskummer kann für manche Teenager schwer zu verkraften sein.

Schulische Misserfolge und Mobbing tragen weiters dazu bei, das Auftreten von Depressionen bei Jugendlichen zu fördern. Je nach Sensibilität reichen aber auch schon Stress, Überforderung in der Schule und soziale Orientierungslosigkeit aus, um depressiven Episoden Vorschub zu leisten.

Die hormonelle Achterbahnfahrt, der Teenager in der Pubertät zwangsläufig unterworfen sind, macht die Diagnose einer Depression nicht unbedingt leichter. Zu den gängigsten Symptomen kindlicher und jugendlicher Depression zählen aufsässiges, teilweise sogar aggressives Verhalten und ein Hang zu dramatischen Szenen.

Ebenso damit einher geht ein deutlicher Leistungsabfall in der Schule sowie Schlafstörungen und vermehrte Reizbarkeit. Den meisten Eltern von Teenagern würden diese Verhaltensweisen kaum seltsam oder aus der Norm erscheinen. Einen konkret auf Teenager zugeschnittenen Test auf Depressionen gibt es leider nicht.

Wenn die bereits erwähnten charakteristischen Symptome jedoch vermehrt zu beobachten sind, unter Umständen gepaart mit beginnendem Suchtverhalten, Selbstverletzungen und überdurchschnittlich erhöhtem Internetgebrauch, sollte das Gespräch mit einer Psychologin/einem Psychologen gesucht werden.

Depressionen: Test für Männer

Ähnlich wie Teenager sind auch Männer in ihrem Kommunikationsverhalten besonders und unterscheiden sich darin wesentlich von jenem der Frauen. Längere Phasen der Zurückgezogenheit und des wortlosen Koexistierens sind in vielen Partnerschaften keine Seltenheit. Männer verhalten sich in Krisenzeiten und bei Stress evolutionär bedingt anders als Frauen.

Das Zeigen von Schwäche wäre zu Zeiten der Jäger und Sammler ein klares Ausschlusskriterium aus der Sippe und damit ein sicheres Todesurteil gewesen. Besonders psychische und emotionale Probleme werden daher heute noch immer verschwiegen und lieber mit Alkohol betäubt oder durch exzessiven Sport und Arbeit kompensiert. Tatsächlich kennt die Psychologie und Psychotherapie den Begriff „Männerdepression“ sehr wohl. Einige spezifische Symptome deuten darauf hin:

  • zwanghafter Ordnungssinn
  • aufbrausendes Verhalten
  • Fernseher und PC laufen im Dauermodus

Erschütterndes Detail am Rande: Depressive Männer begehen doppelt so häufig wie Frauen Suizid. Auch die Art und Weise, wie sie ihrem Leben letztendlich ein Ende setzen, unterscheidet sich stark von jener der Frauen. Männer greifen dabei öfter zu Schusswaffen oder provozieren Autounfälle, die nicht selten andere Verkehrsteilnehmer*innen mit in den Tod reißen.

Auch die körperlichen Symptome einer depressiven Episode äußern sich bei Männern anders als bei Frauen. Sie empfinden ihren Zustand eher als Burnout und sehen den Grund dafür in Überarbeitung und Belastung am Arbeitsplatz. Herzrhythmus-Störungen treten ebenso häufig auf wie die „Klassiker“ Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit und der Verlust des Appetits.

Gibt es einen kostenlosen Test bei Verdacht auf Depressionen?

Das Internet bietet auf zahlreichen Websites und in Selbsthilfeforen und Plattformen für Betroffene kostenlose Selbsttests an. Diese sind zwar jeweils nur als Richtwert zu verstehen, ihr Ergebnis bietet jedoch meistens eine durchaus klare und fundierte Entscheidungshilfe an, wenn ein Verdacht auf Depressionen vorliegt.

Depressionen: Der Goldberg-Test

Der bekannteste und am häufigsten verwendete Selbsttest bei Verdacht auf Depressionen basiert auf den „Goldberg Mood Scales“. Diese Stimmungs-Skala, im englischen Original-Kontext deutlicher als „Depression Scale“ bezeichnet, kann mit einfachen Fragen Aufschluss über eine akute Gefährdung geben.

Der Goldberg-Test umfasst in der Regel 18 Fragen. Diese sollen den Gemütszustand und die persönliche Befindlichkeit der letzten sieben Tage erheben. Damit wird nicht nur eine Momentaufnahme geschaffen, sondern auch ein mittelfristiges Bild der psychischen Verfassung erhoben.

Berücksichtigt wird dabei das gesamte Spektrum an Symptomen einer Depression. Von der zunehmend mühsam erscheinenden Verrichtung alltäglicher Dinge bis hin zur Einschätzung der persönlichen Perspektive für die Zukunft. Die Testpersonen bewerten ihre Antworten selbst mit einem Gewichtungsschema von 1 bis 5. Meist werden die Antwortmöglichkeiten gestaffelt von „trifft völlig zu“ bis hin zu „trifft überhaupt nicht zu“ mit jeweils noch drei feineren Abstufungen dazwischen.

Hinterfragt werden weiters die Konzentrationsfähigkeit, die allgemeine Lebensfreude sowie die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Der Verlust von Interessen ist dabei ebenso Thema wie Rast- und Ruhelosigkeit, Erschöpfungszustände, Überforderung und Schuldgefühle.

Haben die Betroffenen den Eindruck, versagt zu haben? Liegen Schlafstörungen vor? Ist man noch in der Lage, das Gute im eigenen Leben zu erkennen? Doch auch konkret nach Suizidgedanken und deren eventuell bereits geplanter Umsetzung fragt der Goldberg-Test.

Last but not least versucht die Goldberg-Skala, einem eventuellen unabsichtlichen Gewichtsverlust beizukommen, den viele depressive Menschen aufgrund von Appetitlosigkeit und einem kaum mehr wahrnehmbaren Hungergefühl erleben. Selbst wenn dies subjektiv nicht mehr wahrgenommen wird, können bei dieser Frage immerhin Kommentare von Außenstehenden berücksichtigt werden.

Die Auswertung am Schluss spricht dann eine klare Sprache. Wenn das Ergebnis Hinweis auf das Vorliegen einer Depression liefert, wird als erster Schritt der Weg in die Hausarztpraxis dringend empfohlen. Aber auch das Gespräch mit Familie und Freunden zu suchen, wird ausdrücklich angeraten.

Gerade Depressionen sind immer noch ein Krankheitsbild, über das viele Betroffene lieber den Mantel des Schweigens breiten würden. Kaum eine andere Krankheit aber sorgt gleichermaßen für ähnlich großes Unverständnis im unmittelbaren Umfeld und ähnlich viele Missverständnisse wie die Depression.

Doch gerade Unterstützung durch nahestehende Menschen ist für den Weg in Richtung Heilung einer Depression unerlässlich. Der Goldberg-Test weist auch auf diese Tatsache ausdrücklich hin.

Welcher Test hilft, Depressionen bei anderen zu erkennen?

Depressionen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor ein heikles Thema. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte darauf anzusprechen, kann der lang ersehnte Rettungsring für die oder den Betroffenen, aber auch das Ende der guten und konfliktfreien Beziehung zueinander sein. Zu sehr verbunden ist diese Krankheit noch immer mit Scham und Schuldgefühlen.

Andererseits: Fällt die Reaktion entsprechend heftig und abwehrend aus, kann man auch als Außenstehende/r davon ausgehen, mit seiner Vermutung nicht gänzlich auf dem Holzweg zu sein. Schwierig wird es jedoch, bei der Frage nach dem weiteren Vorgehen. Sind die betroffenen Personen immerhin gesprächsbereit, kann mit ihnen − entweder formal korrekt oder zumindest in abgewandelter, verbaler Form − der Goldberg-Test durchgeführt werden.

Selbst wenn nicht alle 18 Fragen peinlich genau nach Lehrbuch erhoben werden können: Einen ganz guten Richtwert über die psychische Verfassung des Gegenübers liefert ein solches Gespräch auf jeden Fall. Stimmen die ersten eigenen unvoreingenommenen Beobachtungen auch nur teilweise mit einem entsprechenden Ergebnis des Tests überein, sollte dringend professionelle Hilfe gesucht werden.

Die Hausärztin oder der Hausarzt ist zwar nicht auf psychische Krankheitsbilder spezialisiert, schafft es jedoch häufig aufgrund des bestehenden Vertrauensverhältnisses zwischen Mediziner und Patient*innen, besser zu ihnen durchzudringen als andere Personen.

Oft reicht der Gang in die Hausarztpraxis auch schon aus. Die Verschreibung eines Antidepressivums und die Aussicht auf Hilfe reichen vielen depressiven Menschen schon aus, um den Rest des Weges aus den Fängen einer Depression aus eigener Kraft zu schaffen.

Quellen:
https://ifightdepression.com/de/fuer-alle/anzeichen-und-symptome-einer-depression
https://www.therapie.de/psyche/info/test/depressionen/depression-test/#_
https://econtent.hogrefe.com/doi/full/10.1026/0942-5403.17.4.243

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