Arthrose im Knie: So entstehen die Schmerzen und das kannst Du gegen sie tun

Arthrose Knie

Published by

Rücken.net-Redaktion

Die Rücken.net-Redaktion besteht aus einem Team von Sport- und Medizin-Redakteuren, die fundierte Ratgeber rund um das Thema Rückenschmerzen schreiben.

Wenn die Kniegelenke nach einer längeren Wanderung schmerzen, denken noch die wenigsten Menschen daran, dass eine degenerative, irreversible Erkrankung mit ernsthaften Folgen auf dem Vormarsch sein könnte.

Gerade sportlich aktive Menschen ab der zweiten Lebenshälfte ignorieren Schmerzen dieserart, da sie einfach nur mit Alterserscheinungen und sportlicher Überanstrengung assoziiert werden.

Doch gerade im Bereich der Kniegelenke kann eine frühzeitig erkannte Arthrose sehr gut therapiert und das Fortschreiten der Abnützungserscheinungen in den Gelenken eingedämmt werden. Denn tatsächlich sind es unsere Knie, denen wir im Laufe unseres Lebens die meiste Last zumuten, ohne es zu merken.

Arthrose im Knie: Symptome

Arthrose im KniegelenkVon Arthrose im Gelenk spricht die Medizin, wenn die Knorpelmasse, die die Gelenksteile schmieren und geschmeidig machen soll, sukzessive abgebaut wird. In der Folge reibt der Gelenksknochen direkt auf die Gelenkspfanne, was Schmerzen und zunehmende Versteifung des betroffenen Gelenks nach sich zieht.

Im Anfangsstadium einer beginnenden Arthrose-Erkrankung schmerzt ein Knie nach Belastung wie Sport, längerem Knien oder Treppensteigen. Die Schmerzintervalle sind zu Beginn nur kurz und stehen in direktem Zusammenhang mit der Bewegung der Gelenke. Aus genau diesem Grund wird der Schmerz der Anfangsphase aber von den Betroffenen leider oft ignoriert.

Skeptisch werden sollte man, wenn das Kniegelenk im Ruhemodus plötzlich schmerzt oder man nachts wegen ebensolcher Schmerzen wach wird. In weiterer Folge beobachten Patient*innen dann Probleme beim Aufstehen und beim Anlaufen nach längerem Sitzen. Das Knie wirkt steif und wie eingefroren. Die Betroffenen beginnen zu hinken und langsam, aber sicher wird eine Schonhaltung antrainiert.

In der nächsten Phase einer Arthrose im Knie sind dann deutliche Geräusche aus dem betroffenen Gelenk zu vernehmen. Ein lautes Knacken zuerst, später dann das für Arthrose so typische Knirschen, welches den Vorgang im inneren des Gelenks akustisch allzu deutlich macht.

Dort reiben nämlich in weiterer Folge Knochen auf Knochen – und genau so klingt dann nahezu jeder Schritt im täglichen Leben. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang lautet jedoch: Arthrose und ihre Symptome sind sehr gut behandelbar. Heilbar ist die Krankheit nicht. Ein einmal entstandener Schaden am Kniegelenk kann nicht wieder rückgängig gemacht werden. Tun kann man jedoch so einiges dafür, dass die Lebensqualität nicht verloren geht.

 

Unser Tipp: Nimm an exklusiven Online-Webinaren von renommierten Gesundheitsexperten teil und erhalte jede Woche die neuesten Tipps und Übungen für Deinen Rücken. Mit dem kostenlosen Rücken.net Newsletter.

Was hilft bei Arthrose im Knie?

Wurde eine Arthrose-Erkrankung des Kniegelenks diagnostiziert, wird die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt mit den Patient*innen gemeinsam einen umfassenden, idealerweise ganzheitlichen Therapieplan erstellen.

In der Regel liegt das Hauptaugenmerk auf dem Eindämmen der Schmerzen und der Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit. Ziel einer Therapie bei Kniearthrose ist es, einen operativen Eingriff (künstliches Kniegelenk) so lange wie möglich hinauszuzögern.

Arthrose im Knie: Schmerzen lindern

Was den Alltag mit einer Kniearthrose am beschwerlichsten macht, sind die Schmerzen bei Belastung. Wenn jede Bewegung zur Überwindung wird, haben die Betroffenen meist massive Einschränkungen im täglichen Leben zu verzeichnen. Eine bestmögliche Schmerztherapie ist daher in den meisten Fällen der erste Schritt.

Als beste Option bei Erkrankungen wie Arthrose haben sich Medikamente erwiesen, die zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen. Sie bekämpfen nicht nur die Schmerzen an sich, sondern dämmen auch zuverlässig die Entzündungsherde im Körper ein, wie etwa im Fall einer bereits aktivierten Arthrose.

Von dieser spricht die Schulmedizin, wenn sich rund um das geschädigte Gelenk bereits eine Entzündung gebildet hat, die zusätzlich schmerzt. Das Weichteilgewebe rund herum ist gerötet, erwärmt und deutlich geschwollen. Die bekanntesten Vertreter aus dem Sortiment der NSAR sind Ibuprofen und Naproxen.

Gute Erfolge im Kampf gegen den Arthrose-Schmerz erzielen auch Behandlungen mit Wärme, Kälte oder Strom. Therapiemethoden aus dem Bereich der manuellen Therapie fördern die Beweglichkeit und Mobilisation der Patient*innen. Einen Versuch wert ist allemal der Blick jenseits unserer mitteleuropäischen Schulmedizin in Richtung Osten. Die traditionelle Heilkunst aus Indien – Ayurveda – bietet einiges an Schmerzbehandlung. Die TCM aus China liefert mit der Akupunktur eine interessante Option, die zwar ein wenig unter die Haut geht, dafür aber sehr effektiv sein kann.

Arthrose im Knie: Behandlung mit Hyaluronsäure

Definitiv unter die Haut geht die zielgerichtete Therapieform von Injektionen mit Hyaluronsäure. Diese werden direkt in das betroffene Kniegelenk gespritzt. Am Knie ist dieser Eingriff ohne lokale Anästhesie gut machbar, im Bereich des Hüftgelenks etwa würden die behandelnden Ärzte die Einstichstelle vorab lokal betäuben, da das Gelenk dort tiefer unter Weichteilgewebe verborgen liegt.

Behandlungen mit Hyaluronsäure sind deshalb so effektiv, weil diese im Körper selbst gebildet wird und man ihm somit Hilfe zur Selbsthilfe offeriert. Sie sorgt in den Gelenken dafür, dass alles glatt läuft und kein Knochen auf einem anderen reibt. Darüber hinaus können die Injektionen bei Bedarf oder generell auf regelmäßiger Basis wiederholt werden.

Knie tapen bei Arthrose?

Das Tapen von verletzten Körperteilen ist erst in den letzten Jahren populär geworden. Die bunten Klebestreifen deuten bereits von Ferne an, dass im Bewegungsapparat des Gegenübers gerade etwas ein wenig aus dem Lot geraten ist. Gerade bei Arthrose kann Taping in sämtlichen Gelenken und in jedem Stadium sehr hilfreich sein.

Das Tape ist bei Vorliegen einer Knie-Arthrose in der Lage, neben einer deutlichen Schmerzreduktion auch die Durchblutung zu verbessern. Außerdem entlastet es das geschädigte Gelenk, aber auch die umliegende Muskelregion.

Arthrose im Knie: Sport, Muskelaufbau, Übungen

Den Bereichen Bewegung und Sport kommt bei Arthrose im Knie besondere Bedeutung zu. Gerade das Kniegelenk profitiert sehr davon, sich im wahrsten Sinne des Wortes auf eine gestärkte Muskulatur stützen zu können.

Ein Muskelaufbautraining unter fachlicher Anleitung kann dem gesamten Bewegungsapparat dienlich sein. Vor allem dann, wenn die durch die Arthrose verursachten Schmerzen bereits zu Haltungsschäden (Schonhaltung) geführt haben. Auf keinen Fall sollten Patient*innen mit einer Knie-Arthrose auf eigene Faust mit dem Training beginnen. Auf diese Art kann der Schaden mitunter größer als der Nutzen sein.

Übungen, die im Rahmen einer Physiotherapie oder Kranken- und Heilgymnastik gelernt und trainiert wurden, können aber durchaus später auch zuhause weiter praktiziert werden. Sie erhalten die Beweglichkeit, ohne das Kniegelenk unnötig zu belasten.

Empfehlenswert sind bei Arthrose im Knie auch die sogenannten sanften Ausdauersportarten. Sanft bezieht sich in diesem Zusammenhang hauptsächlich auf eine Schonung der Gelenke. Das Knie profitiert von Nordic Walking und Schwimmen. Ob Radfahren sinnvoll ist, sollte mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Arthrose im Knie: Ernährung

Die Rolle der Ernährung in unserem täglichen Leben kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ein gesunder Körper profitiert davon – ein kranker Körper kann durch entsprechende Ernährungsumstellung dem Heilungsprozess nähergebracht werden. Tatsache ist, dass jedes Nahrungs- und Genussmittel, das wir konsumieren, einen unmittelbaren Einfluss auf die Vorgänge in unserem Körper (und auch auf unsere Psyche) hat.

Du bist was du isst – auch bei Arthrose

Im Fall einer Arthrose-Erkrankung kommen bestimmten Nährstoffen besondere Bedeutung zu. Sie haben direkten negativen, andere unmittelbar positiven Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung. Absolute No-Gos bei Arthrose sind:

  • Nikotin
  • Alkohol
  • Kaffee
  • Zucker, Säfte, Limonaden
  • Weißmehlprodukte
  • Fleisch und Wurstwaren

Nikotin, Alkohol und Kaffee wirken sich erwiesenermaßen negativ auf die Durchblutung unserer Gefäße aus. Bei Patient*innen mit Arthrose ist der Bewegungsapparat im betroffenen Bereich der Gelenke aber ohnehin schon so eingeschränkt, dass die umliegende Muskulatur bestmöglich durchblutet sein sollte.

Kaffee erhöht nachweislich das Risiko für rheumatische Gelenksentzündungen. Bei einem Tageskonsum von vier Tassen oder mehr traten Gelenksentzündung doppelt so oft auf, wie bei moderatem oder eingeschränktem Kaffeekonsum.

Alkohol und Nikotin hemmen die Aufnahme von Mineral- und Nährstoffen in den Stoffwechsel und sind bekannt für ihre Wechselwirkungen (vor allem Alkohol) mit manchen Medikamenten, die auch im Kampf gegen Arthrose im Knie zum Einsatz kommen.

Zucker, Weißmehlprodukte und Fleischwaren zählen von ihrer Wirkung im Körper zu den sauren Lebensmitteln. Sie führen sprichwörtlich zu einer Übersäuerung im Stoffwechsel und leisten dem Knorpelabbau im Gelenk damit Vorschub. Profitiert wird hingegen von basischen Lebensmitteln, zu denen Gemüse, Vollkornprodukte, Obst mit geringem Fruchtzuckeranteil und Pseudogetreidearten (Reis, Hirse, Buchweizen) zählen.

Die ideale Ernährung bei Arthrose

Wer gerne zur Selbsthilfe greift, ist im Falle einer Arthrose-Erkrankung mit der Kreta-Diät auf einem ernährungstechnisch sehr, sehr guten Weg. Diese Ernährungsform wurde in den 1990er-Jahren populär, als den Bewohner*innen der gleichnamigen griechischen Insel im Rahmen der Lyon-Diet-Heart-Studie ein überdurchschnittlich hohes Alter bei überdurchschnittlich guter Gesundheit attestiert wurde.

Begründet sah das mit der Studie betraute Forscherteam diesen Umstand in der einfachen, aber abwechslungsreichen Ernährung der Mittelmeerländer. Auf der täglichen Speisekarte standen Fisch und Gemüse, Schaf- und Ziegenkäse sowie viele frische Kräuter und selbst gebackenes Brot. Vergeblich suchte man in den Haushalten der Inselbewohner nach Fertigprodukten, Zucker oder Weißmehlfabrikaten.

Auch Fleisch und Wurstwaren konsumierten die Bewohner*innen selten. Die einfachen Selbstversorger-Bauernhöfe sahen regelmäßiges Schlachten im großen Stil einfach nicht vor. Fleisch ist im Mittelmeerraum traditionell noch immer ein Festessen an hohen Feiertagen oder bei Familienfesten, kein täglicher Bestandteil der Speisekarte.

Arthrose im Kniegelenk: Weniger ist mehr

Leiden Patient*innen nicht nur an einer fortschreitenden Arthrose im Knie, sondern darüber hinaus auch noch an Übergewicht, ist genau an diesem Punkt der erste, sehr wichtige Hebel anzusetzen. Jedes Kilo Körpergewicht, das wir unseren Knien weniger zumuten, entlastet die Gelenke bereits enorm.

Was viele nicht wissen: Ein Kilo Körpergewicht drückt tatsächlich mit der 3,5-fachen Last auf die Kniegelenke. Stolpern wir, potenziert sich dieser Wert erneut drastisch. Ein 100 Kilo schwerer Mensch mutet – wenn er stolpert – seinen Knien ganze 800 Kilogramm zu. Eine Ernährungsumstellung unter fachkundiger Anleitung ist also der erste Schritt in ein leichteres Leben, trotz Kniearthrose.

Empfehlung der Redaktion: Erhalte jede Woche neue unabhängige Empfehlungen für Produkte und Services, die Deinen Rücken stärken. Mit dem kostenlosen Rücken.net Newsletter.

GdB Tabelle: Arthrose im Knie

Die GdB Tabelle gibt in Punkten bemessen an, welchen Grad der Behinderung eine Erkrankung für die betroffenen Patient*innen darstellt. Im Fall von Arthrose im Knie wird der GdB allerdings nicht nach dem ärztlichen Befund einschließlich Röntgenbilder oder MRT-Scans festgestellt.

Maßgeblich ist hier die vorliegende Bewegungseinschränkung des Kniegelenks. Je nach Ausmaß der Einschränkung kann eine Kniegelenksarthrose mit 10 bis 40 Punkten bewertet werden. Auf die Prüfung des Einzelfalles sei hier jedoch explizit verwiesen.

Eine Knieprothese als letzte Option

Bei schwerer Arthrose im Kniegelenk und einer bereits so weit fortgeschrittenen Zerstörung der Knorpelmasse, dass die Beweglichkeit unwiederbringlich verloren ist, bleibt nur mehr der operative Eingriff als letztes Mittel.

Das Kniegelenk kann entweder vollständig oder teilweise ersetzt werden. Ein großer Eingriff steht den Betroffenen in jedem Fall bevor. Dieser kann unter Vollnarkose oder mit Hilfe einer Spinalanästhesie durchgeführt werden. Nach der OP folgt ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Einrichtung, wo die Patient*innen an das neue Gelenk gewöhnt werden, der Muskelaufbau gefördert und die Beweglichkeit wiederhergestellt wird.

Arthrose im Kniegelenk: 5 goldene Regeln

Die Diagnose „Arthrose“ ist für viele Betroffene erst einmal ein Schock. Tatsächlich ist die Erkrankung nicht heilbar, aber man kann ein Fortschreiten verhindern und die Symptome sehr gut therapieren. Die wichtigsten Schritte sind dabei:

  • ärztliche Hilfe rechtzeitig in Anspruch nehmen
  • Gewichtsreduktion (bei Übergewicht)
  • Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Kaffee
  • Ernährungsumstellung (basische Lebensmittel bevorzugen)
  • Beweglichkeit erhalten und fördern

Lebensqualität im Rahmen einer Arthrose-Erkrankung bedeutet hauptsächlich ein schmerzfreies Leben zu führen. Beweglichkeit und ein gutes Körpergefühl sind dafür maßgeblich. In der Hand hat es jede/jeder von uns selbst, hier rechtzeitig einen Kurswechsel vorzunehmen.

Bleib am Ball: Der Rücken.net Newsletter ist Dein Begleiter für den Alltag. Er erinnert Dich einmal pro Woche daran, auf Deine Körperhaltung und Deinen Stresspegel zu achten und gibt Dir alltagstaugliche Übungen zur Selbsthilfe an die Hand.

Referenzen:

  1. https://gelenk-klinik.de/kniegelenk/kniearthrose.html<
  2. https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?SN=6096
  3. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/arthrose/arthrose-symptome-diagnose
  4. https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_physiotherapie/Gewichtsbelastung.pdf
  5. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Bei-Rauchern-mit-Arthrose-schwindet-Knorpel-schneller-394260.html